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Special Space Insurance

Das All ist ein Nischenmarkt, von dem alle abhΓ€ngen

Bis zu 1,8 Billionen Dollar soll die Weltraumwirtschaft bis 2035 wert sein. Was davon bleibt bei den Schweizer Versicherern hΓ€ngen?

Andrea Hohendahl

Das grosse Geld lΓ€sst sich (noch) nicht mit Policen fΓΌr Totalverluste von Satelliten verdienen.
Das grosse Geld lΓ€sst sich (noch) nicht mit Policen fΓΌr Totalverluste von Satelliten verdienen. BESTIMAGE

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Die Weltraumwirtschaft soll bis 2035 auf 1,8 Billionen Dollar wachsen. Zu dieser SchΓ€tzung gelangt die Studie Β«Space: The $1.8 Trillion Opportunity for Global Economic GrowthΒ» des World Economic Forum und McKinsey & Company. Die Schweizer Versicherer verdienen daran vor allem auf zwei Wegen: mit Satellitendaten im KerngeschΓ€ft und mit der Absicherung einer Infrastruktur, von der die Volkswirtschaft lΓ€ngst abhΓ€ngt.
Ein Nischenmarkt mit Klumpenrisiko
Der naheliegende Weg ins All fΓΌhrt demnach ΓΌber die Police fΓΌr den Satelliten. Doch dieses GeschΓ€ft ist klein, konzentriert und launisch. Der globale Markt fΓΌr Start- und In-Orbit-Deckungen bringt laut der Tracking-Website Orbitalradar jΓ€hrlich etwa zwischen 500 bis 600 Millionen Dollar an PrΓ€mien ein, verteilt auf wenige Anbieter. 2023 standen 557 Millionen Dollar PrΓ€mien fast einer Milliarde Dollar SchΓ€den gegenΓΌber. Ein einziges Ereignis genΓΌgt, um das Bild zu kippen: Der Verlust des spanischen Satelliten SpainSat NG-2 im Dezember 2025, versichert mit ΓΌber 400 Millionen Dollar, trieb die Schadenquote des Jahres laut dem Broker Gallagher von rund 15 auf 75 Prozent.
Wer solche Schwankungen trΓ€gt, muss sie mit anderem GeschΓ€ft ausgleichen kΓΆnnen – oder er lΓ€sst die Finger davon. Swiss-Re-Chef Andreas Berger, dessen Haus beides kΓΆnnte, ordnet das Segment nΓΌchtern ein. Die Weltraumversicherung bleibe bis auf weiteres ein Spezialmarkt mit wenigen Anbietern und mache nur einen kleinen Teil des GeschΓ€fts aus. Β«Als Swiss Re werden wir sicher nicht das zweite SpaceX aufbauenΒ», sagte er im SommergesprΓ€ch mit HZ Insurance.

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Daten statt Hardware sind der wahre Hebel
Die Zahlen geben Berger recht. Nach Angaben der EuropΓ€ischen Weltraumagentur ESA, aufbereitet vom Staatssekretariat fΓΌr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) in der Β«VolkswirtschaftΒ», entfielen 2024 lediglich 63 Milliarden Euro auf das Upstream-Segment – Bau, Start und Betrieb von Satelliten –, aber 408 Milliarden Euro auf Downstream-Dienste, die Satellitendaten zu Anwendungen verarbeiten.
Genau dort setzt die Swiss Re an. «Wir investieren in die Nutzung dieser Daten, nicht in deren Erzeugung», sagt Berger. Satellitendaten speisen Naturkatastrophenmodelle und ermâglichen digitale GebÀudezwillinge. In der Ernteversicherung erfasst der Rückversicherer Dürren, Überschwemmungen und Hagel weltweit aus dem Orbit. Die Daten bilden die Grundlage für parametrische Deckungen, bei denen ein messbarer Auslâser die Zahlung automatisch auslâst. Wie gross der Bedarf ist, zeigte der Hagelsturm vom 28. August 2026: Allein die Mobiliar zÀhlte rund 18'000 Meldungen, die Allianz Suisse über 11'000 FahrzeugschÀden.
Die unsichtbare AbhΓ€ngigkeit
Dieselbe Infrastruktur, die den Versicherern Daten liefert, hΓ€lt auch den Rest der Wirtschaft am Laufen – meist, ohne dass es jemand bemerkt. Renato Krpoun, bis Sommer 2026 Leiter der Abteilung Raumfahrt im SBFI und heute fΓΌr Axiom Space tΓ€tig, bezifferte am HZ Insurance Forum 2026 in ZΓΌrich, wie gross diese AbhΓ€ngigkeit ist: Sieben bis zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts hingen von den Signalen globaler Navigationssatellitensysteme ab. Der Finanzplatz synchronisiert Transaktionen mit Zeitstempeln aus dem All, und allein am Flughafen ZΓΌrich stΓΌtzen sich rund 70'000 FlΓΌge pro Monat auf satellitengestΓΌtzte Anflugverfahren. FΓΌr Industrieversicherer ist das ein Kumulrisiko – und ein Feld fΓΌr Betriebsunterbrechungs- und Cyberdeckungen.

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Die Haftung im Orbit ist der nΓ€chste Markt
Dazu kommt der Schrott. Mehr als 50'000 erfasste Objekte kreisen laut Krpoun um die Erde; das World Economic Forum rechnet allein im erdnahen Orbit bis 2035 mit Trümmerkosten von 26 bis 42 Milliarden Dollar. Wer dafür geradesteht, ist offen: Das Weltraumhaftungsübereinkommen von 1972 nimmt Staaten in die Pflicht, nicht aber die privaten Betreiber, die den Orbit heute füllen. Berger wünscht sich deshalb Regeln «Àhnlich wie im Strassenverkehr». Der Bund hat mittlerweile reagiert: Nach der Rekordzeichnung von 781 Millionen Euro am ESA-Ministerrat 2025 arbeitet er an einem Bundesgesetz über die Raumfahrt. Ob es den Betreibern eine Versicherungspflicht auferlegt, entscheidet mit über einen künftigen Markt und über Standorte: Das EPFL-Spin-off ClearSpace, Partner der ESA-Mission zur Schrottbergung, sitzt heute in Luxemburg.
Der Ertrag liegt somit weniger im Versichern von Raketen als im Übersetzen von Orbitdaten in bessere Preise, schnellere Schadenabwicklung und neue Deckungen für eine Wirtschaft, die ohne Satelliten nicht mehr funktioniert.

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