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HZ Insurance Sommergespräch

«Ich glaube nicht, dass unsere Wohnungen und Häuser für solche Temperaturen gebaut wurden»

Swiss-Re-CEO Andreas Berger im grossen Sommergespräch über falsche Sicherheit, unterschätzte Risiken und warum Ruanda der Schweiz ähnlicher ist als man denkt.

Andrea Hohendahl

«Mit der zunehmenden Nutzung des Weltraums steigt auch der Bedarf an klaren Regeln – ähnlich wie im Strassenverkehr.»
«Mit der zunehmenden Nutzung des Weltraums steigt auch der Bedarf an klaren Regeln – ähnlich wie im Strassenverkehr.»Tom Haller für BILANZ

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Herr Berger, sind Sie gut durch die Hitzewellen gekommen?
«Einigermassen. Wir haben hier das Privileg, durch den nahen See im ganzen Gebäude immer eine angenehme Kühlung zu erfahren. Ich bin ja in Kigali in Ruanda geboren, wo konstante Temperaturen herrschen. Tagsüber ist es dort immer zwischen 25 und 30 Grad warm. Abends kühlt es dann angenehm ab. Hier hingegen wird es inzwischen so richtig heiss. Ich glaube allerdings nicht, dass unsere Wohnungen und Häuser für solche Temperaturen gebaut wurden.»
Was machen Sie als Erstes, wenn Sie morgen aufstehen?
«Rituale sind wichtig, sie geben einem Stabilität. Ich gehe jeden Morgen schwimmen. So fängt der Tag gut an, und wenn man sich bewegt, können sich die Gedanken frei entfalten. Anschliessend lese ich die Nachrichten des Tages, insbesondere was Geopolitik und Märkte betrifft. Die ersten anderthalb Stunden des Tages sind frei von Terminen, damit ich mich optimal vorbereiten kann.»
Sie haben Jura, Betriebswirtschaft und Romanistik studiert. Was prägt Sie mehr: Paragraphen, Bilanzen oder Literatur?
«Diese Studiengänge setzen unterschiedliche Schwerpunkte, die sich aber alle miteinander verbinden lassen. Ich arbeite gerne interdisziplinär.
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«Letzthin habe ich die KI gefragt, wie sich Swiss Re im Vergleich zu seinen Mitbewerbern schlägt.»Tom Haller für BILANZ
«Letzthin habe ich die KI gefragt, wie sich Swiss Re im Vergleich zu seinen Mitbewerbern schlägt.»Tom Haller für BILANZ
Bei der Jurisprudenz geht es darum, Strukturen und Systematiken zu verstehen. Etwa, wie Menschen zusammenleben und auf welcher Grundlage das geschieht. Das zeigt sich im öffentlichen wie im privaten Leben, ebenso wie in Unternehmen. Die Betriebswirtschaft wiederum vermittelt die Zusammenhänge innerhalb und ausserhalb eines Unternehmens, aber auch auf Marktebene. Und die Geisteswissenschaften sind deshalb so wichtig, weil es am Ende immer um den Menschen geht. Besonders die Linguistik, aber auch die Literaturwissenschaft interessieren mich, weil sie ein Spiegel der Kultur und der menschlichen Seele im jeweiligen Kontext sind. Damit schliesst sich der Kreis zu meinem eigenen Leben, denn ich habe in einigen Ländern gelebt.»

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Wenn Sie zurückblicken, welche beruflichen Stationen haben Sie besonders geprägt?
«Im Kern waren es immer die Menschen, die mich geprägt haben. Interessanterweise haben mir die Medien im Laufe meiner Karriere sehr viele Etiketten gegeben. Zuschreibungen dazu, wer oder was ich sei. Vermutlich, weil ich in sehr unterschiedlichen beruflichen Situationen immer wieder besondere Herausforderungen bewältigen musste.»
Wir verteilen keine Labels, aber erzählen Sie.
«Mal galt ich als «Wachstumsmensch», in anderen Phasen stand das Thema Restrukturierung im Vordergrund, dann war ich der «Restrukturierer». Musste ich sanieren, dann hiess ich «Sanierer». Aber wer mich näher kennt, weiss, dass für mich immer die Menschen im Mittelpunkt stehen. Am Ende basiert unsere Industrie auf drei zentralen Faktoren: Menschen, Daten und einer starken Bilanz. Für unsere Kunden wird Swiss Re vor allem durch die Menschen erlebbar, mit denen sie zusammenarbeiten. Dafür braucht es Vertrauen, Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit. Das ist das höchste Gut, das wir haben. Ich bin ein Team-Mensch aus Überzeugung, weil ich die Ansicht vertrete, dass keine einzelne Person alles wissen kann. Wie in einem guten Fussballteam: Jede und jeder spielt die eigene Rolle und vertraut darauf, dass die andere Person ihre genauso gut spielt. So gewinnt man am Ende.»

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Sie etablieren bei Swiss Re eine Leistungskultur. Wie richten Sie diese aus, dass die Menschen trotz des Renditefokus gerne zur Arbeit kommen?
«Bei den Veränderungen, die wir im Rahmen unserer Strategie «Built to Lead» vorgenommen haben, zeigt sich ein hohes Engagement der Belegschaft. Es liegt deutlich über dem Marktdurchschnitt, wie unsere Mitarbeiterbefragung belegt. Daraus schliesse ich, dass unsere Mitarbeitenden verstehen, weshalb wir bestimmte Veränderungen vornehmen, um die Relevanz und Stärke von Swiss Re zu erhalten und dass sie dennoch engagiert bleiben. Die Mehrheit spricht sich dabei für eine Leistungskultur aus, die mit dem Swiss-Re-Spirit vereinbar ist und zugleich klar leistungsorientiert bleibt. Sie sehen sich als Teil eines A-Teams. Das ist auch der Anspruch, den unsere Kunden an uns stellen.»
Künstliche Intelligenz ist ein strategischer Pfeiler bei Swiss Re: Wie lautete Ihr letzter Prompt?
«Letzthin habe ich gefragt, wie sich Swiss Re im Vergleich zu seinen Mitbewerbern schlägt.»
Und?
«Wir führen dazu unsere eigenen umfangreichen Analysen durch. Der Vergleich war interessant und hat uns zusätzliche Perspektiven aufgezeigt. Natürlich nutze ich die KI aber auch, um komplexe Datenstrukturen schneller zu verarbeiten. Dabei gilt für mich der Grundsatz: «The human in the loop.» Der Mensch steht im Mittelpunkt und trifft die Entscheidung. Technologie soll Freiräume schaffen, damit sich unsere Mitarbeitenden auf das konzentrieren können, was wirklich zählt: den direkten Kontakt mit den Kundinnen und Kunden. Mehr Zeit für Beratung bedeutet letztlich auch mehr Geschäft, das ist ein klarer Mehrwert. Deshalb engagieren sich Swiss Re und auch ich persönlich stark für den ersten Geneva AI Summit 2027. Die Schweiz hat die Chance, sich als Standort zu positionieren und ihren Beitrag zur globalen KI-Diskussion leisten. Das ist eine Aufgabe, der wir uns als Schweizer Unternehmen gerne stellen und auf die wir stolz sind.»

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Was wird sich für Swiss Re durch KI verändern?
«Zum einen ist KI ein zentraler Pfeiler der Konzernstrategie von Swiss Re, denn unser Ziel ist es, ein führender KI-gestützter Rück- und Erstversicherer zu werden, indem wir KI in unsere Kernprozesse in den Bereichen Underwriting, Schadenmanagement und Betrieb integrieren.
Zum andern erweitert KI die Expertise unserer Mitarbeitenden. Sie ermöglicht es uns, grössere und komplexere Datenmengen zu analysieren, Muster früher zu erkennen, tiefere Erkenntnisse zu gewinnen und bessere Lösungen zu entwickeln. So schaffen wir einen noch grösseren Mehrwert für unsere Kunden. Entscheidend ist, dass wir KI mit klar geregelter menschlicher Verantwortung, fachlicher Aufsicht und einheitlichen Standards einsetzen.
Einige konkrete Beispiele: In Corporate Solutions konnten wir mithilfe von KI die Ausstellung einer lokalen Versicherungspolice deutlich beschleunigen - von 25 auf weniger als 5 Tage. Im Bereich P&C Reinsurance transformieren wir die Underwriting-Prozesse in der fakultativen Rückversicherung, um die Analyse eingehender Anfragen deutlich effizienter zu gestalten und zusätzliche Kapazitäten freizusetzen. In L&H Reinsurance setzen wir KI-gestützte Tools ein, die Erstversicherer beim Underwriting und im Schadenmanagement unterstützen.»

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Seit Sie das Ruder übernommen haben, läuft es prächtig. 4,8 Milliarden Dollar Gewinn 2025, 4,5 Milliarden als Ziel für 2026, im ersten Semester bereits 2,8 Milliarden. Geht das nun ewig so weiter?
«Ich bin zuversichtlich. Natürlich bewegen wir uns geopolitisch in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Markt- und Preiszyklen gehören aber zu unserem Geschäft, weshalb es auch ein breit diversifiziertes Portfolio braucht. Unsere Ergebnisse im ersten Semester unterstreichen die Stärke unserer diversifizierten Gruppe, wobei jede Geschäftseinheit ihren Beitrag zur Stabilität unserer Erträge leistet. Swiss Re ist im Sach- und Haftpflichtgeschäft und in der Lebens- und Krankenrückversicherung tätig, und mit Corporate Solutions auch als bedeutender Industrieversicherer. Diese Breite schlägt sich kapitalseitig nieder und gibt uns die Stabilität, die unsere Kunden zu Recht von uns erwarten: Auch in schwierigen Zeiten verlässlich zur Seite stehen, eine starke Bilanz vorweisen, Lösungen liefern. Das ist unsere Aufgabe. Und unsere Aktionärinnen und Aktionäre erwarten darüber hinaus eine attraktive, wachsende Dividende.»
Um die sieben Prozent, ist zu lesen.
«Für das laufende Dreijahresprogramm haben wir uns eine Steigerung der Dividende pro Aktie von über sieben Prozent zum Ziel gesetzt, ergänzt durch ein nachhaltiges Aktienrückkaufprogramm von zunächst 500 Millionen. Wenn wir unsere Ziele erreichen und über überschüssiges Kapital verfügen, können wir entscheiden, ob wir zusätzliches Kapital an unsere Aktionärinnen und Aktionäre zurückführen – so wie wir es in diesem Jahr tun. Die Botschaft an unsere Investorinnen und Investoren ist klar: Swiss Re ist ein Dividendentitel. Wir haben seit unserem Bestehen durchgehend Dividenden ausgeschüttet, selbst in Kriegszeiten. Das ist kein Zufall, es ist ein Ausdruck von Stabilität. Und die dritte Gruppe, der wir verpflichtet sind, sind unsere Mitarbeitenden.

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«Wir wollen für unsere heutige Belegschaft attraktiv sein, aber ebenso für künftige Talente.»Tom Haller für BILANZ
«Wir wollen für unsere heutige Belegschaft attraktiv sein, aber ebenso für künftige Talente.»Tom Haller für BILANZ
Wir wollen für unsere heutige Belegschaft attraktiv sein, aber ebenso für künftige Talente, zum Beispiel für Absolventinnen und Absolventen der ETH, die HSG, der EPFL oder des IMD. Wir stehen mit all diesen Institutionen in engem Austausch: Wir profitieren von ihrem Wissen, sie von unserem Risiko-Know-how und der globalen Ausrichtung unserer Branche.»
Aber in den USA harzt es. Dort fressen Ihnen Klagewellen und Prozessfinanzierer die Margen weg. Ist das Gröbste mit den gebildeten Reserven vom Tisch?
«Die Reservebildungen sind Ausdruck unserer Haltung, dass bestehende Verträge auskömmlich reserviert sein müssen. Konkret haben wir uns gefragt, wie nachhaltig das US-Haftpflichtgeschäft wirklich ist. In bestimmten Bereichen sehen wir strukturelle Probleme: Die Prämien decken das Risiko nicht, es besteht ein Reformbedarf.»
Worauf führen Sie das zurück?
«Das hängt massgeblich mit den Prozessfinanzierungssystemen in den USA zusammen sowie mit einer Haftung- und Schadenersatzpraxis, die je nach Bundesstaat sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Wir sehen darin ein erhebliches Risiko, das wir bewusst auch öffentlich ansprechen, weil es letztlich den Wirtschaftsstandort USA insgesamt belastet.»
Gleichzeitig haben Sie zusätzliche 400 Millionen Dollar zurückgestellt. Diesmal wegen Geopolitik. Wie hängt das zusammen?

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«Der Konflikt im Nahen Osten, insbesondere rund um die Strasse von Hormus, hinterlässt Spuren – nicht nur direkt bei der Sicherheitslage, sondern auch entlang der Lieferketten. Die inflationären Effekte sind bereits spürbar. Wie lange diese Entwicklung anhält, bleibt offen. Aber wir mussten handeln: Die krisenbedingte Inflation ist real, und das muss sich in unseren finanziellen Annahmen niederschlagen. Deshalb haben wir im Sinne des Vorsichtsprinzips 400 Millionen im ersten Quartal zurückgestellt. Sollte sich die Lage verbessern, können wir diese Reserven wieder auflösen.»
Zurück zur Hitze: Sie haben Ende Juni in Rüschlikon den ersten Resilienz-Tag lanciert. Dieser Sommer stellt alles Bisherige in den Schatten. Was kommt da auf uns zu?
«Wir sehen einen Trend. Hitzetage sind längst keine Einzelfälle mehr. Wie eingangs besprochen: Wir erleben eine neue Realität. Die Hitze war deshalb das erste von mehreren Themen, die wir am Resilienz-Tag künftig aufgreifen werden. Wir wissen: Hitze beeinträchtigt nicht nur Infrastrukturen und die Produktivität von Unternehmen, sondern auch die Gesundheit. Das Phänomen ist real, nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Europa. Die Schweiz ist glücklicherweise ein Land, das sich verhältnismässig rasch anpassen kann. Gerade auf kommunaler Ebene werden Massnahmen zügig umgesetzt. Etwa, indem Städte begrünt, Schwammstädte geschaffen werden, wie etwa Winterthur oder Teile von Regensdorf. Das kostet zwar, und es braucht Prioritätenentscheide. Aber man spricht offen darüber, handelt Zielkonflikte aus. Darin ist die Schweiz vorbildlich.»

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Anders als ein Hagelschaden ist Hitze kaum direkt versicherbar. Wie schliessen Sie diese Lücke?
«Extreme Hitze ist eines der drängendsten Klimarisiken. Gleichzeitig wird sie oft unterschätzt, weil sie nicht immer sichtbare Schäden hinterlässt. Die Folgen zeigen sich eher indirekt: in gesundheitlichen Belastungen, geringerer Produktivität, stärker beanspruchter Infrastruktur oder Unterbrechungen im Betrieb. Für die Versicherungsbranche geht es deshalb vor allem darum, Kunden dabei zu helfen, diese finanziellen Folgen besser zu verstehen, zu beziffern und abzusichern. Das ist besonders wichtig dort, wo Hitze zu Einkommensausfällen, Betriebsunterbrechungen oder zusätzlichen Kosten für Notfallmassnahmen führt. Parametrische Versicherungen können hier eine wichtige Rolle spielen. Denn die Auszahlung hängt nicht von einer aufwendigen Schadenbewertung ab, sondern von einem klar definierten, messbaren Auslöser – zum Beispiel einer bestimmten Temperaturschwelle oder einer Anzahl besonders kritischer Hitzetage.»
Leistet unsere Infrastruktur noch, was sie soll? Immer mehr Schienen verbiegen sich, Strassenbeläge brechen regelrecht auf.
«Bei Infrastrukturen geht es ja primär um die Bausubstanz. Swiss Re ist inzwischen in der Lage, von Gebäuden digitale Zwillinge zu erstellen. Diese setzen wir virtuell bestimmten Ereignissen aus. Man simuliert etwa, was passiert, wenn die Temperatur jährlich um ein, zwei oder drei Prozent steigt, und welche Auswirkungen das auf die Bausubstanz hat. So bekommt man frühzeitig Informationen, auf deren Basis Investitionsentscheidungen getroffen werden können. Vorbeugung und Investitionen zur Risikoverminderung sind immer besser und günstiger, als hinterher wieder aufzubauen.»

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Bei iptiQ hat Ihr Vorgänger ein hohes Lehrgeld bezahlt. Beim KI-Rückversicherer RIQ in Abu Dhabi halten Sie sich bewusst zurück. Wie lautet die neue Formel für Innovationswetten?
«Ich würde die Frage anders stellen: Muss man alles selbst machen, insbesondere in Bereichen, die nicht zum Kerngeschäft zählen? iptiQ war ein Innovationsvorhaben in einem spezifischen Marktumfeld, und jedes Unternehmen muss sich das leisten können. Wir haben festgestellt, dass wir nicht der beste Eigner eines solchen Geschäfts sind. Also haben wir uns auf das Kerngeschäft zurückbesonnen. Das ist gesund und muss zugleich Innovation finanzieren. Die neue Formel lautet: Kerngeschäft zuerst, Partnerschaften dort, wo uns Fähigkeiten fehlen. In Abu Dhabi will man einen Rückversicherungsplatz mit modernen Technologien aufbauen und suchte uns als Partner, weil wir Datentechnologie-Kompetenz und erhebliche Rückversicherungskapazität mitbringen.»
Apropos Rückversicherungshub: Wie lange hält Zürich die Pole Position noch?
«Ich bin optimistisch, aber das bedeutet nicht, dass man sich ausruhen darf. Die Schweiz bietet ausgezeichnete Rahmenbedingungen: Stabilität, Sicherheit, Verlässlichkeit, Rechtsstaatlichkeit. Ein Umfeld, in dem Menschen gerne leben und Unternehmen gerne tätig sind. Gerade in unsicheren geopolitischen Zeiten ist das ein echter Standortvorteil. Aber Wettbewerbsfähigkeit ist keine Selbstverständlichkeit. Im IMD-Wettbewerbsindex war die Schweiz lange die Nummer eins, seit diesem Jahr ist sie auf Rang drei zurückgefallen. Das mag nicht dramatisch klingen, sollte aber zu denken geben. Deshalb unterstütze ich Initiativen wie «Vision 2035», die CEOs und Verwaltungsratspräsidenten gemeinsam ins Leben gerufen haben, um den Standort zu stärken. Für uns als Unternehmen, das den Namen «Swiss» im Markennamen trägt, ist das keine Nebensache.»

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Space Economy gilt als das neue Eldorado. Wollen Sie jetzt auch ins Weltall?
«Als Swiss Re werden wir sicher nicht das zweite SpaceX aufbauen. Aber wir nutzen satellitengestützte Daten zunehmend. Sie fliessen bereits heute in unsere Modelle ein, auch in die Naturkatastrophenmodelle.
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«Im Kerngeschäft Rückversicherung sind wir auf dem ganzen afrikanischen Kontinent tätig.»Tom Haller für BILANZ
«Im Kerngeschäft Rückversicherung sind wir auf dem ganzen afrikanischen Kontinent tätig.»Tom Haller für BILANZ
Unsere Datenplattform stützt sich ebenfalls auf Satellitendaten, insbesondere für die Erstellung digitaler Zwillinge. Wir investieren in die Nutzung dieser Daten, nicht in deren Erzeugung. Daneben sind wir in der Luftfahrt- und Weltraumversicherung als Rückversicherer tätig. Es ist ein Spezialmarkt mit wenigen Anbietern, dazu gehören auch die grossen Rückversicherer. Dieser Bereich macht allerdings nur einen kleinen Teil unseres Geschäfts aus. Mit der zunehmenden Nutzung des Weltraums steigt auch der Bedarf an klaren Regeln – ähnlich wie im Strassenverkehr: Je mehr Fahrzeuge unterwegs sind, desto wichtiger werden verbindliche Vorgaben. Hier ist noch viel Arbeit nötig.»
Seit 75 Jahren ist Swiss RE in Afrika präsent, bleibt aber gemessen am Umsatz eine Randgrösse. Sie investieren aber trotzdem weiter.
«Südafrika ist unser wichtigster Standort auf dem Kontinent. Wir gehören dort zu den führenden Rückversicherern. Gemessen am Gesamtumsatz von Swiss Re ist Afrika klein, das stimmt. Afrika bietet jedoch eine echte Zukunftsperspektive. Der Kontinent verfügt über eine sehr junge Bevölkerung. Wir sehen eine strukturelle Wachstumschance, wir sind interessiert an langfristigem nachhaltigem Wachstum. Die Versicherungsdurchdringung ist in weiten Teilen des Kontinents weiterhin niedrig, während wirtschaftliche Entwicklung, Urbanisierung, Bevölkerungswachstum und Klimarisiken die Nachfrage nach Versicherungs- und Rückversicherungslösungen erhöhen. Wir glauben, dass die Versicherungslücke geschlossen oder zumindest verringert werden muss. Dazu wollen wir mit unserem Wissen beitragen, in enger Zusammenarbeit mit lokalen Versicherungsgesellschaften. Im Kerngeschäft Rückversicherung sind wir auf dem ganzen Kontinent tätig, ergänzt durch einige kleinere Beteiligungen an lokalen Gesellschaften.»

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Wann waren Sie zuletzt in Afrika?
«Nach Kigali reise ich regelmässig. Dieses Jahr will ich gemeinsam mit meiner Mutter, die aus Ruanda stammt, hinreisen. Sie möchte sehen, wie stark sich das Land verändert hat. Ruanda ist ein aufstrebendes Land, das viel aus seinen Möglichkeiten macht. Es hat einige Gemeinsamkeiten mit der Schweiz. Man nennt es daher auch die Schweiz Afrikas: hügelig, grün, sauber, verlässlich und sicher. Das sind Attribute, die man auch der Schweiz zuschreibt. Darauf bin ich ein bisschen stolz.»

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