Der Ausbau von Rechenzentren zΓ€hlt derzeit zu den dynamischsten Infrastrukturtrends ΓΌberhaupt β getrieben vor allem durch Cloud-Computing und den massiven Boom bei KI-Anwendungen. Allein auf die fΓΌhrenden sogenannten Β«HyperscalerΒ» wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP), IBM Cloud oder Oracle Cloud Infrastructure (OCI) entfallen ExpertenschΓ€tzungen zufolge derzeit rund 44 Prozent der globalen RechenzentrumskapazitΓ€ten β dieser Anteil soll bis 2030 auf etwa 60 Prozent steigen. Die Unternehmensberatung McKinsey geht einer Studie zufolge davon aus, dass im gleichen Zeitraum Investitionen in neue Rechenzentren von fast 7 Billionen US-Dollar nΓΆtig sein werden, um den rasant steigenden Bedarf zu decken.
Grosse Herausforderungen fΓΌr das Risikomanagement
Das sind gigantische Zahlen, die allein aufgrund ihrer schieren GrΓΆsse enorme Herausforderungen an das Risikomanagement stellen. Ein aktueller Bericht von Zurich North America Β«Data center risks right now: 6 critical questions to enable a resilient buildoutΒ» geht den Fragen nach, was fΓΌr einen widerstandsfΓ€higen Ausbau aus Sicht der Versicherungswirtschaft notwendig ist. Der Zurich-Bericht fokussiert sich zwar vor allem auf die USA, wo der Bau von Rechenzentren am schnellsten voranschreitet, die Herausforderungen sind weltweit aber vergleichbar.
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Verzwanzigfachung in fΓΌnf Jahren
Eine weitere eindrΓΌckliche Zahl, welche die rasante Entwicklung unterstreicht: Noch vor fΓΌnf Jahren lag der durchschnittliche Projektwert von bei Zurich versicherten Rechenzentren nach eigenen Angaben bei etwa 150 Millionen US-Dollar. Heute betrΓ€gt er 3 Milliarden Dollar, also eine Verzwanzigfachung innerhalb weniger Jahre. Dieser Megatrend ruft nicht nur zahlreiche Investoren auf den Plan, die zunehmend an der Finanzierung der Rechenzentren beteiligt sind β es gehen damit auch Fragen nach dem Versicherungsschutz einher. Die entsprechende VersicherungskapazitΓ€t, -struktur und -koordination sind nach Ansicht der Zurich-Experten wichtiger denn je, da milliardenschwere Campus-Projekte die traditionellen Deckungsgrenzen strapazieren und eine Lebenszyklusplanung unter Einbeziehung von Bauunternehmen, EigentΓΌmern, Kreditgebern, Versicherern und RΓΌckversicherern erfordern.
Gleichzeitig nehmen die Risiken fΓΌr Rechenzentren rapide zu, da die Nachfrage nach KI zu grΓΆsseren, dichter bebauten Projekten mit sich ΓΌberschneidenden Bau- und Inbetriebnahmephasen fΓΌhrt β wodurch neue Schnittstellen zwischen Wetter-, Brand-, AusrΓΌstungs-, Arbeits- und Stromrisiken entstehen, wie der Bericht hervorhebt.
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Integrierte Entscheidungsfindung
Die WiderstandsfΓ€higkeit hΓ€nge dabei laut Zurich-Experten von einer frΓΌhzeitigen, integrierten Entscheidungsfindung ab, die unter anderem eine realistische Schadensmodellierung, Redundanzen, qualifizierte ArbeitskrΓ€fte und proaktive AnsΓ€tze in Bezug auf Strom-, Wasser- und Unwetterrisiken umfasset. Β«Da die EinfΓΌhrung von KI die Nachfrage nach Rechenzentren ankurbelt, steigen Projektwerte, der Strombedarf und die KomplexitΓ€t der Umsetzung gleichzeitigΒ», hob Kelly Kinzer, PrΓ€sidentin und Global Head of Construction and Surety bei Zurich, bei der VerΓΆffentlichung des Berichts hervor. Β«Die FΓ€higkeit, diese Herausforderungen zu meistern und Resilienz einzubauen, ist nicht nur in den USA entscheidend, die den grΓΆssten Anteil an der weltweiten RechenzentrumskapazitΓ€t beherbergen. Viele LΓ€nder betrachten den Ausbau von Rechenzentren innerhalb ihrer Grenzen als entscheidend fΓΌr die wirtschaftliche WettbewerbsfΓ€higkeit und die digitale SouverΓ€nitΓ€tΒ», so die Expertin. Das Risikomanagement mΓΌsse deshalb den gesamten Lebenszyklus eines Rechenzentrums im Blick haben.
Β«Der Markt zeigt groΓes Interesse daran, den Rechenzentrumssektor zu unterstΓΌtzenΒ», ist sich Heather Fox, Leiterin des Bereichs Grosskunden von Zurich North America, sicher. Β«Da sich jedoch Bau, Inbetriebnahme und Betrieb mehr denn je ΓΌberschneiden, mΓΌssen Risikobewertungen team- und zeitΓΌbergreifend koordiniert werden. Dies gilt sowohl fΓΌr Bauherren und EigentΓΌmer, die DeckungslΓΌcken vermeiden wollen, als auch fΓΌr Versicherer und RΓΌckversicherer, die Risikokonzentrationen und die WiderstandsfΓ€higkeit ΓΌber verschiedene Portfolios hinweg steuern mΓΌssen.Β»
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Versicherungsbedarf und Risiken verΓ€ndern sich
Auf der Grundlage des Portfolios und der Projekterfahrung der Zurich-Experten erlΓ€utert der Bericht, wie sich Versicherungsbedarf, Risiken und Schadensursachen entwickeln, wΓ€hrend Rechenzentren an GrΓΆsse zunehmen, eigene Stromerzeugung vor Ort einrichten und ΓΌber traditionelle Hubs hinauswachsen. Dabei hebt er Wetterereignisse und Arbeiten mit Hitze wie zum Beispiel Schweissen sowie andere Schadensursachen hervor, die zu betrΓ€chtlichen Schadenskosten fΓΌhren kΓΆnnen. Zudem werden Risikominderungsstrategien vorgestellt, die auf dem Fachwissen von Risikoingenieuren und der Erfahrung im Underwriting basieren.
Β«Was in der Vergangenheit vielleicht noch ein begrenztes Ereignis war, kann heute exponentielle Auswirkungen auf Projekte haben, die unter hohem Zeitdruck und mit enormen AusrΓΌstungswerten gebaut werdenΒ», sagte Tobias Cushing, Leiter des Bereichs US-Bauwesen bei Zurich. Β«Es ist mittlerweile unerlΓ€sslich, Versicherungsschutz, Struktur und Umsetzung von Anfang an richtig zu gestalten, da die Standorte ein Volumen von mehreren Milliarden Dollar und eine FlΓ€che von mehreren Millionen Quadratmetern erreichenΒ».
Aus Sicht eines Versicherers ist der Boom bei Rechenzentren also kein normales Wachstumsthema mehr, sondern eine Verschiebung des Risikoprofils in mehreren Dimensionen gleichzeitig: hΓΆhere Werte pro Standort, neue Schadenursachen und deutlich komplexere Kumulrisiken. Die Assekuranz wird β Γ€hnlich wie bei den Cyberversicherungen β diesem Trend mit modularen und stark spezialisierten Deckungskonzepten begegnen. Ein attraktiver Markt ist es fΓΌr sie in jedem Fall.