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Digital Health

E-Rezept in Deutschland: Zur Rose erleidet weiteren RΓΌckschlag

Das E-Rezept in Deutschland sollte den Umsatz der Online-Apotheke Zur Rose auf 4 Milliarden Franken verdoppeln. Daraus wird nun nichts.

Zentrale von Zur Rose in Frauenfeld (imago)
Zentrale von Zur Rose in Frauenfeld (imago)IMAGO/Andreas Haas

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NΓ€chster RΓΌckschlag bei der EinfΓΌhrung des E-Rezepts in Deutschland und damit auch eine weitere Hiobsbotschaft fΓΌr die Thurgauer Online-Apotheke Zur Rose: Die einzige E-Rezept-Pilotregion fΓΌr Arztpraxen legt das Vorhaben auf Eis. Die KassenΓ€rztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) setzt die EinfΓΌhrung der elektronischen Verschreibung aus.
Hierzu sehe man sich wegen der Haltung des Bundesdatenschutzbeauftragten gezwungen, teilte die Γ„rztevereinigung in Dortmund mit. Der Datenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) hatte im September sein Veto gegen den Plan zur Nutzung von Versichertenkarten eingelegt. Westfalen-Lippe ist die einzige Pilotregion in Deutschland, in der das E-Rezept im grossen Stil eingefΓΌhrt werden sollte. Anfang September stiegen 250 Praxen ein, diese Zahl sollte schrittweise erhΓΆht werden – dies geschieht nun aber nicht mehr.
Bisher kann man das E-Rezept nur ΓΌber sein Handy beziehungsweise ΓΌber einen Ausdruck abrufen. FΓΌr eine App braucht man eine PIN von seiner Krankenkasse – die bekommt man nur nach einer persΓΆnlichen Verifizierung vor Ort bei seiner Kasse oder in der Post. Offenbar ist vielen das Prozedere zu mΓΌhsam, AntrΓ€ge fΓΌr die PIN gab es nur wenige.

Zur Rose: Schadenbegrenzung statt Wachstum

FΓΌr Zur Rose ist dies eine weitere schlechte Nachricht. UrsprΓΌnglich hΓ€tte das E-Rezept bereits 2022 flΓ€chendeckend in ganz Deutschland eingefΓΌhrt werden sollen und die Schweizer Gesellschaft sah sich in bester Ausgangslage, um davon zu profitieren. Der Umsatz sollt dank dem E-Rezept innert drei bis fΓΌnf Jahre auf 4 Milliarden Franken verdoppelt werden. Es folgte bei der EinfΓΌhrung des digitalen Rezepts aber ein RΓΌckschlag nach dem anderen und Zur Rose ist inzwischen darum bemΓΌht, statt weiter zu wachsen die Verluste in Grenzen zu halten.

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Bei der schleppenden EinfΓΌhrung kommt erschwerend hinzu, dass die Skepsis in der Γ„rzteschaft gross ist. In diesem Jahr wurden bisher nur rund 525'000 Digitalverschreibungen eingelΓΆst. Zum Vergleich: Pro Jahr werden in Deutschland circa 500 Millionen Verschreibungen als rosa Zettelchen ausgestellt – der Anteil der Digitalverschreibung ist also verschwindend gering.

Datenschutzbedenken ΓΌberwiegen

Auf freiwilliger Basis kΓΆnnen in Deutschland zwar alle Praxen das E-Rezept anbieten, von einer flΓ€chendeckenden Anwendung ist das Produkt aber weit entfernt. Mit der Pilotregion Westfalen-Lippe sollte die Digitalverschreibung neuen Schwung bekommen – die dortige KassenΓ€rztliche Vereinigung hatte sich bereiterklΓ€rt, die EinfΓΌhrung aktiv zu begleiten und Schritt fΓΌr Schritt mehr Praxen einzubinden. Schleswig-Holstein sollte ebenfalls voranschreiten, brach dies bei Arztpraxen wegen Datenschutzbedenken zur geplanten Nutzung von SMS und E-Mails aber ab.
Der Bundesdatenschutzbeauftragte hatte im Falle von Westfalen-Lippe befΓΌrchtet, dass es in der geplanten Form Datenmissbrauch in Apotheken geben kΓΆnnte. Notwendige technische NachrΓΌstungen mit Updates fΓΌr Konnektoren – also Routern – und die Apotheken-Software dauern wohl bis Mitte 2023. So lange wollte die KVWL nicht warten und zog nun die Reissleine.

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BankrotterklΓ€rung fΓΌr die Digitalisierung

Β«Die Entscheidung des DatenschΓΌtzers ist eine BankrotterklΓ€rung fΓΌr die Digitalisierung im Gesundheitswesen generell und speziell in der ambulanten VersorgungΒ», sagte KVWL-Vorstand Thomas MΓΌller. Das angestrebte Ziel, dass 25 Prozent aller Verschreibungen von gesetzlich Versicherten elektronisch erfolgen, kΓΆnne nicht erreicht werden.
Durch die Entscheidung des Bundesdatenschutzbeauftragten sei der angestrebte Fortschritt fΓΌr Patienten, Γ„rzte und alle weiteren Beteiligten in Frage gestellt. Β«Wir fordern erneut eine rein digitale LΓΆsung – nur dann kann eine Fortsetzung des Rollouts durch die KVWL erfolgenΒ», sagte MΓΌller.
Die fΓΌr die Digitalisierung des Gesundheitswesens zustΓ€ndige Berliner Firma Gematik Γ€usserte sich ebenfalls enttΓ€uscht. Man bedauere die Entscheidung der KVWL, die EinfΓΌhrung des E-Rezepts vorlΓ€ufig nicht weiter zu forcieren. Das E-Rezept werde aber bundesweit weiterhin genutzt, stellte sie heraus. Seit Anfang Oktober hΓ€tten mehr als 3700 Arztpraxen E-Rezepte ausgestellt, die in mehr als 9200 Apotheken eingelΓΆst worden seien.  Die Anzahl der fΓΌr die App Β«Das E-RezeptΒ» ausgegebenen PIN sei zwar noch niedrig, aber Berichte von Patienten bestΓ€tigten die Vorteile des komplett papierlosen Wegs.

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E-Rezept: Bundesweite EinfΓΌhrung im 2023

Die nΓ€chsten Schritte fΓΌr die bundesweite EinfΓΌhrung des E-Rezepts werden die Gesellschafter der Gematik – neben dem Mehrheitseigner Bundesgesundheitsministerium auch Interessenorganisationen aus der Gesundheitsbranche – bei einer ihrer nΓ€chsten Versammlungen abstimmen. Das Ziel einer flΓ€chendeckenden EinfΓΌhrung des E-Rezepts im Jahr 2023 bleibe bestehen, so die Gematik.
Die Umstellung von Papierrezept auf Digitalverschreibung ist ein Grossvorhaben im deutschen Gesundheitswesen, das bereits Startprobleme hatte. Ein Pilotprojekt in Berlin-Brandenburg verlief im vergangenen Jahr weitgehend im Sande, eine bundesweite Testphase begann spΓ€ter als geplant. Die eigentlich fΓΌr Januar 2022 vorgesehene PflichteinfΓΌhrung wurde abgebrochen. Die freiwillige EinfΓΌhrung mit Pilotregionen, wo die Motivation in der Γ„rzteschaft relativ hoch ist, entwickelt sich nun ebenfalls zum Rohrkrepierer. (awp/hzi/sec)
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