Im letzten Teil der Serie zur IFZ-Versicherungsstudie geht es um die VertriebskanΓ€le der Schadenversicherer im Schweizer RetailgeschΓ€ft.
SΓ€mtliche Ergebnisse stammen aus einer empirischen Umfrage des Instituts fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug IFZ unter ausgewΓ€hlten EntscheidungstrΓ€gern der Schweizer Assekuranz (n=130). Die Antworten auf die Frage, welche Rolle die in der Abbildung aufgefΓΌhrten VertriebskanΓ€le fΓΌr die Schadenversicherer im Schweizer RetailgeschΓ€ft spielen, reichten von Β«1: Γberhaupt keine BedeutungΒ» bis hin zu Β«5: Sehr grosse BedeutungΒ».
Autor:
Prof. Dr. Florian Schreiber ist Insurance Lead am Institut fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern β Wirtschaft. In dieser Rolle fungiert er auch als Programmleiter des Weiterbildungslehrgangs CAS Future of Insurance sowie als Herausgeber des IFZ Insurance Insights Blog.
Generalagenturen von herausragender Wichtigkeit
Im Einklang mit den Hypothesen unserer vorherigen KurzauszΓΌge wird aus der Abbildung ersichtlich, dass der eigene Vertrieb via Generalagenturen den mit Abstand bedeutendsten Distributionskanal im Schweizer RetailgeschΓ€ft darstellt (β : 4,05): Insgesamt 77 Prozent der befragten EntscheidungstrΓ€ger bemessen die gegenwΓ€rtige Bedeutung als Β«grossΒ» bzw. Β«sehr grossΒ» und unterstreichen damit die gewichtige Rolle der Generalagenturen im Schweizer Versicherungsmarkt. Insbesondere die grossen Branchenvertreter unterhalten alle ein flΓ€chendeckendes Agenturnetzwerk, das ΓΌber die Jahre gewachsen ist und sich bei den Kunden entsprechend bewΓ€hrt hat. Die in einem gewissen Rahmen als selbststΓ€ndige Kleinunternehmen agierenden Generalagenturen bieten ihren Kunden einen direkten Austausch in der NΓ€he ihres Wohnortes und sorgen damit fΓΌr eine vertraute und persΓΆnliche AtmosphΓ€re. In vielen FΓ€llen geht diese Bindung sogar so weit, dass die Kunden ihrer Ansicht nach beispielsweise nicht bei der Baloise, sondern bei Β«CharlieΒ» (als stellvertretend genanntem Generalagenten) versichert sind.
Eventuell ist dieser starke Fokus auf den Generalagentur-Kanal auch dadurch begrΓΌndet, dass noch nicht alle Produkte bei allen Versicherern vollstΓ€ndig digital abgeschlossen werden kΓΆnnen: Insgesamt 19 Prozent der befragten Branchenvertreter haben angegeben, dass ein vollstΓ€ndig digitaler Abschluss in ihrem Hause noch nicht mΓΆglich ist. Interessanterweise gibt es auf der anderen Seite auch eine nicht zu vernachlΓ€ssigende Fraktion von Umfrageteilnehmenden (18 Prozent), fΓΌr die der Vertrieb via Generalagenturen ΓΌberhaupt keine Bedeutung hat.
Broker und Makler sowie Direktvertrieb sind ebenfalls von hoher Bedeutung
Der Broker-und-Makler-Kanal findet sich auf dem zweiten Rang wieder: So bewerten 66 Prozent der befragten EntscheidungstrΓ€ger dessen Bedeutung mit mindestens Β«grossΒ», was sich auch im hohen Durchschnitt von 3,85 widerspiegelt. Im Gegensatz zur Bewertung der Generalagenturen ist auffallend, dass es nur sehr wenige Vertreter gibt, fΓΌr die dieser Kanal ΓΌberhaupt nicht relevant ist (2 Prozent). Ein in der jΓΌngeren Vergangenheit in den Medien prΓ€senter Versicherer, der sich klar auf den Maklervertrieb fokussiert, ist die Wefox Insurance AG (vormals One Versicherung AG). Mit Stand MΓ€rz 2021 arbeitet der Versicherer gemΓ€ss eigenen Angaben mit 3000 Vertriebspartnern zusammen, was gegenΓΌber dem Jahr 2019 einem Zuwachs um 50 Prozent entspricht.
Mit einer durchschnittlichen EinschΓ€tzung von 3,49 kristallisiert sich der Direktvertrieb ebenfalls als bedeutender Absatzkanal heraus, wohingegen digitale Partnernetzwerke (β : 3,05) momentan noch keine gewichtige Rolle einnehmen. Die demografisch bedingten Verschiebungen fΓΌhren jedoch unweigerlich dazu, dass die sogenannten Generation Z (JahrgΓ€nge ab 1997, die von Kindheit an mit digitalen Technologien aufwachsen) in KΓΌrze die Mehrheit der aktiven Schweizer BevΓΆlkerung darstellen werden. Deren vorrangiges Kommunikationsmedium zur Interaktion mit Anbietern ist das Smartphone und sie sind, im Gegensatz zu frΓΌheren Generationen, vielmehr an einer ganzheitlichen Customer Experience interessiert (und weniger stark an einem technischen Produkt). Versicherer kΓΆnnen diese Chance nutzen und sich im Zusammenspiel mit anderen Partnern in denjenigen Lebenssituationen positionieren, in denen die Kunden momentan ein unerfΓΌlltes BedΓΌrfnis haben. Die kΓΌrzlich verkΓΌndete Γbernahme des Immobilienportals Flatfox durch die Mobiliar bestΓ€rkt als eines von vielen Beispielen diese Hypothese.
ZurΓΌckhaltende Beurteilung von Bancassurance-LΓΆsungen
Abschliessend ist festzuhalten, dass der Banken-Kanal momentan eine deutlich untergeordnete Rolle spielt (β : 2,44). FΓΌr 36 Prozent der Befragten ist dieser momentan ΓΌberhaupt nicht relevant; lediglich 28 Prozent der Umfrageteilnehmenden messen diesem eine hohe Bedeutung zu. Angesichts der zunehmenden Bewegung im Schweizer Bancassurance-Markt β stellvertretend sind hier die Kooperationen Mobiliar und Raiffeisen, Axa und Credit Suisse, UBS und Zurich, Smile und Neon genannt β scheint es, dass sich die Versicherer durch die digitalen MΓΆglichkeiten einen Nutzen versprechen. Diese wΓ€ren auch im Einklang mit den EinschΓ€tzungen der befragten Kunden (siehe unseren vierten Kurzauszug).