Versicherer besetzen Top-Positionen immer ΓΆfter mit FrauenΒ
Der Verwaltungsrat der Zurich Versicherungen ist mit einem Frauenanteil von 55 Prozent einsame Spitze beim Thema Gender Diversity. Andere Firmen holen auf.
Wie in der gesamten Wirtschaft, steigt auch bei Schweizer Versicherern der Frauenanteil in obersten FΓΌhrungsgremien Schritt fΓΌr Schritt. Vakante FΓΌhrungspositionen werden immer ΓΆfter mit Frauen besetzt.
Immerhin zwei der nur neun weiblichen CEOβs bei grossen Schweizer Firmen leiten Versicherungsunternehmen. Zum Beispiel MichΓ¨le Rodoni: Auf Anfang 2021 trat die Tessinerin bei der Mobiliar die Nachfolge von Markus Hongler an. Zuvor war sie seit acht Jahren Mitglied der GeschΓ€ftsleitung. Bereits 2016 ΓΌbernahm Philomena Colatrella die Aufgaben als GeschΓ€ftsfΓΌhrerin und Vorsitzenden der Konzernleitung bei der CSS Versicherung.
Als VerwaltungsratsprΓ€sidentin der Groupe Mutuel setzt Karin Perraudin bereits seit 2014 gezielt Akzente fΓΌr mehr DiversitΓ€t und zΓ€hlt zu den einflussreichsten Frauen des Kantons Wallis.
Auch Annelis LΓΌscher HΓ€mmerli ist eine Neubesetzung als Finanzchefin bei der Helvetia Gruppe. Das Angebot, im Herbst 2020 von ihrer vorherigen Position als Chief Risk Officer bei Swiss Life Asset Managers in die CFO-Position zu wechseln, kam ΓΌber einen Headhunter. Neben Annelis LΓΌscher HΓ€mmerli gibt es derzeit nur noch acht weitere Frauen als CFO bei grossen Schweizer Unternehmen.
Generell stieg der Frauenanteil in den SMI-GeschΓ€ftsleitungen letztes Jahr um 5 Prozentpunkte auf 19 Prozent. Und die 100 grΓΆssten Schweizer Arbeitgeber besetzten neu 36 Prozent der vakanten GeschΓ€ftsleitungspositionen mit Frauen β ein neuer Rekordwert laut dem Schillingreport 2022, den der Kadervermittler Guido Schilling herausgibt.
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Hochqualifizierte Frauen in jedem Fachbereich
Den Verwaltungsrat der Zurich Versicherungen mit 55 Prozent Frauenanteil hebt Schilling als Β«einsame SpitzeΒ» und besonders positiv hervor. Zuletzt holte die Zurich die neue Chefin der UBS Schweiz, Sabine Keller-Busse, in den Verwaltungsrat. Bereits seit 2019 ist unter anderem die Ex-CEO des Energiekonzerns Alpiq, Jasmin Staiblin, dort Mitglied, ebenso wie die frΓΌhere Finma-VizeprΓ€sidentin Monica MΓ€chler. Diversity-Experte Guido Schilling sagt ΓΌber den Zurich-VR: Β«Dies ist ein gutes Beispiel dafΓΌr, dass sich heute fΓΌr alle Fachkompetenzen qualifizierte Frauen finden lassen, wenn das VR-PrΓ€sidium es will.Β»
Eine Entwicklung ist laut Schilling auffΓ€llig: Sobald bereits eine oder zwei Frauen im Verwaltungsrat sitzen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch eine dritte dazustΓΆsst. Die Unternehmen wΓΌrden die Vorteile von gemischten FΓΌhrungsgremien erkennen und sie weiter fΓΆrdern.
So stellen sich auch bei weiteren Versicherern die FΓΌhrungsgremien allmΓ€hlich diverser auf. Zum Beispiel wurden bei der BΓ’loise vor kurzem Claudia Dill und Maya Bundt, Frauen mit langjΓ€hriger Erfahrung in der Finanzindustrie, als Nachfolge fΓΌr die bisherigen VerwaltungsrΓ€te Andreas Beerli und Thomas Pleines vorgeschlagen. Sie sollen an der Generalversammlung im April 2022 gewΓ€hlt werden und kΓΌnftig auch ihre Β«Expertise von digitalen VerΓ€nderungsprozessenΒ» einbringen.
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DiversitΓ€t entwickelt sich rasant
Insgesamt beschΓ€ftigen heute 69 Prozent der Schweizer Unternehmen laut Schilling-Report mindestens eine Frau in der GeschΓ€ftsleitung. Vor vier Jahre lag dieser Wert noch bei 41 Prozent. Guido Schilling zeigt sich erfreut ΓΌber diese Entwicklung: Β«Noch nie war eine solche Dynamik zu spΓΌren und das Bewusstsein von Verwaltungsrat und Unternehmensleitung betreffend einer ausgewogenen Geschlechterdurchmischung so gross wie aktuell.Β» Die Unternehmen hΓ€tten allein in den vergangenen 48 Monaten einen Β«RiesensprungΒ» in diesem Generationenprojekt vollzogen.
Mit den bereits erreichten Quoten wird β zumindest was den Durchschnitt der Unternehmen betrifft β der im Aktienrecht festgeschriebene und ab 2031 verbindliche Geschlechterrichtwert von 20 Prozent Frauen im obersten Management schon so gut wie erreicht. Bei den VerwaltungsrΓ€ten folgte dieses Jahr eine Punktlandung mit 30 Prozent, die so laut Schillingreport den Richtwert bereits drei Jahre vor Ablauf der Γbergangsfrist erreicht haben.
Luft nach oben bleibt weiterhin
Immer noch gibt es in 31 Prozent der SMI-Unternehmen keine Frau in der GeschΓ€ftsleitung. Guido Schilling erwartet allerdings auch hier rasche VerΓ€nderungen. Ein Blick ins Ausland zeige, dass die Schweiz deutlichen Nachholbedarf habe. Zahlreiche europΓ€ische LΓ€nder, darunter Schweden und Grossbritannien, hΓ€tten auch ohne Richtwerte einen soliden Frauenanteil in den GeschΓ€ftsleitungen erreicht.