Wohnen ist fΓΌr viele Menschen in der Schweiz der grΓΆsste Kostenblock. Entsprechend hoch ist auch die Bereitschaft, sich gegen Risiken abzusichern. Das aktuelle Ranking der besten Versicherungen im Bereich Wohnen und Eigentum zeigt jedoch nicht nur QualitΓ€tsunterschiede zwischen den Anbietern, sondern wirft auch die grundsΓ€tzliche Frage auf, ob viele Haushalte nicht lΓ€ngst ΓΌberversichert sind.
Haushalts- und Hausratversicherung: Γhnlich, aber nicht identisch
In der Kategorie Haushaltsversicherung liegt die Mobiliar mit dem hΓΆchsten Beliebtheits-Score an der Spitze, gefolgt von Smile und der Allianz Suisse. Die Haushaltsversicherung ist dabei meist ein BΓΌndelprodukt: Sie kombiniert Hausrat- und Privathaftpflicht und wird oft als Β«Rundum-Sorglos-PaketΒ» verkauft. Davon abzugrenzen ist die Hausratversicherung, die SchΓ€den am beweglichen Eigentum deckt β etwa durch Feuer, Wasser, Einbruch oder Elementarereignisse. Hier fΓΌhrt Visana das Ranking an, knapp vor der Mobiliar und der Zurich. In der Praxis besitzen viele Haushalte beide Policen, ohne zu wissen, dass der Hausrat in der Haushaltsversicherung in der Regel bereits enthalten ist. Das Resultat: doppelte PrΓ€mien, aber kein zusΓ€tzlicher Schutz.
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Bei der Wertsachenversicherung (Schmuck, Uhren, Kunst) liegt ebenfalls die Mobiliar vorn, vor der Zurich und der Helvetia. Diese Zusatzversicherung kann sinnvoll sein, allerdings nur fΓΌr Haushalte mit hochpreisigen EinzelstΓΌcken. Viele Hausratversicherungen decken Wertsachen bereits bis zu einer gewissen Limite ab β vielfach bewegt sich diese zwischen 20β000 und 50β000 Franken. Eine separate Police lohnt sich daher nur, wenn der tatsΓ€chliche Wert diese Grenze deutlich ΓΌbersteigt. Andernfalls handelt es sich um ein klassisches Beispiel fΓΌr Γberversicherung.
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Bei der Mietkautionsversicherung fΓΌhrt die Zurich knapp vor der Mobiliar, gefolgt von der Swisscaution. Das Produkt ist bequem: Statt mehrere Tausend Franken auf einem Sperrkonto zu blockieren, zahlt man eine jΓ€hrliche PrΓ€mie. Finanziell dΓΌrfte sich das fΓΌr die meisten Mieterinnen und Mieter selten auszahlen. Bei einer Kaution von 6000 Franken und einer JahresprΓ€mie von rund 300 Franken summieren sich die Kosten ΓΌber zehn Jahre hinweg auf 3000 Franken β ohne RΓΌckerstattung. FΓΌr Menschen mit genΓΌgend LiquiditΓ€t ist das klassische Mietkautionskonto langfristig fast immer gΓΌnstiger.
FΓΌr WohneigentΓΌmer ist die GebΓ€udeversicherung zentral. Im Ranking liegt hier die Baloise vorn, vor der Mobiliar und der Zurich. Je nach Kanton besteht ein Monopol, in anderen Kantonen herrscht Wettbewerb. Problematisch wird es, wenn EigentΓΌmer zusΓ€tzlich zur obligatorischen GebΓ€udeversicherung weitere Policen abschliessen, die Γ€hnliche Risiken abdecken β etwa Feuer oder WasserschΓ€den. Auch hier entstehen Γberschneidungen, die kaum Mehrwert bringen.
Γberversicherung: Ein weit verbreitetes PhΓ€nomen
Laut SchΓ€tzungen der Stiftung fΓΌr Konsumentenschutz (SKS) sowie von Vergleichsplattformen wie Comparis zahlen Schweizer Haushalte jΓ€hrlich mehrere Hundert Franken zu viel fΓΌr Versicherungen, die sich ΓΌberschneiden oder Risiken abdecken, die faktisch kaum eintreten. Comparis beziffert das Sparpotenzial bei einer regelmΓ€ssigen ΓberprΓΌfung bestehender Policen je nach Haushalt auf 300 bis ΓΌber 1000 Franken pro Jahr. Eine Familie mit Haushalts-, separater Hausrats-, Wertsachen-, Reise- und Cyberversicherung kann problemlos ΓΌber 1500 Franken pro Jahr an PrΓ€mien zahlen β obwohl ein grosser Teil der Risiken bereits mehrfach abgesichert ist.
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Besonders hΓ€ufig betroffen sind Haushalte mit mehreren Zusatzdeckungen, mit alten Policen, die nie ΓΌberprΓΌft wurden, und mit Versicherungen, die nur aus einem gewissen SicherheitsgefΓΌhl heraus statt aufgrund eines realen Bedarfs abgeschlossen wurden. Dies dΓΌrfte vor allem beim Thema Cyberversicherung der Fall sein, da die zunehmenden BetrugsfΓ€lle zu einer Verunsicherung in der BevΓΆlkerung fΓΌhren.
Cyberversicherungen fΓΌr Privatpersonen werben mit Schutz vor Onlinebetrug, Datenmissbrauch oder IdentitΓ€tsdiebstahl. In der Praxis sind viele der versprochenen Leistungen jedoch bereits durch andere Stellen oder Policen abgedeckt. Entscheidend ist im konkreten Schadenfall jeweils die Frage der GrobfahrlΓ€ssigkeit. Denn grundsΓ€tzlich haften zum Beispiel die Schweizer Banken in vielen FΓ€llen bei Onlinebankingbetrug, es sei denn, Kundinnen und Kunden missachten elementare Sicherheitsregeln.
Dazu zΓ€hlen unter anderem: die Weitergabe von Login-Daten oder TAN-Codes per E-Mail oder Telefon, die Eingabe von Zugangsdaten auf gefΓ€lschten Websites (Phishing), obwohl Warnsignale klar erkennbar sind, die Nutzung von unsicheren GerΓ€ten ohne aktuelle Sicherheits-Updates oder das Ignorieren von ausdrΓΌcklichen Sicherheitswarnungen der Bank. Kein grobfahrlΓ€ssiges Verhalten liegt in der Regel vor, wenn BetrΓΌger technisch ausgefeilte Methoden einsetzen, etwa tΓ€uschend echte Fake-Websites oder manipulierte Zahlungsprozesse. In solchen FΓ€llen erstatten Banken den Schaden hΓ€ufig vollstΓ€ndig oder zumindest teilweise.
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Beim Onlineshopping bieten Bank- und KreditkartenvertrΓ€ge bereits einen gewissen Schutz, darunter der Schutz bei Kartenmissbrauch, die RΓΌckerstattung nicht autorisierter Zahlungen und teilweise auch einen Einkaufsschutz bei OnlinekΓ€ufen, wie zum Beispiel bei Nichterhalt von bestellter Ware. Voraussetzung ist meist, dass der Schaden umgehend gemeldet wird und keine grobe FahrlΓ€ssigkeit vorliegt.
Cyberversicherung lohnt sich nur fΓΌr wenige
Auch klassische Versicherungen greifen bei CyberfΓ€llen hΓ€ufiger als angenommen. Die Hausratversicherung ΓΌbernimmt in gewissen Tarifen die SchΓ€den durch Onlinebetrug im Zusammenhang mit versicherten GegenstΓ€nden, die Kosten fΓΌr den Ersatz gestohlener oder missbrΓ€uchlich genutzter Zahlungsmittel und teilweise sogar die Aufwendungen fΓΌr die Datenwiederherstellung. Und die Rechtsschutzversicherung deckt hΓ€ufig die Rechtsberatung bei Onlinebetrug sowie die Kosten fΓΌr die Durchsetzung von Forderungen gegenΓΌber HΓ€ndlern und bei Streitigkeiten bei KaufvertrΓ€gen im Internet, auch mit auslΓ€ndischen Anbietern. Gerade im Fall von Konflikten mit Onlineshops oder Plattformen ist der Rechtsschutz hΓ€ufig das wirksamere Instrument als eine Cyberversicherung.
Eine Cyberversicherung kann jedoch sinnvoll fΓΌr Personen sein, die sehr viele Onlinetransaktionen tΓ€tigen, digitale IdentitΓ€ten intensiv nutzen und auf Social Media oder im Onlinehandel sehr aktiv sind und keine Rechtsschutzversicherung besitzen. FΓΌr den durchschnittlichen Privathaushalt hingegen dΓΌrften die meisten Cyberrisiken durch Banken, KreditkartenvertrΓ€ge sowie bestehende Sach- und Rechtsschutzversicherungen abgedeckt sein.
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Wer alle Policen regelmΓ€ssig ΓΌberprΓΌft und darlegt, welche Risiken real bestehen β und welche bereits durch bestehende Policen abgedeckt sind β, kann sich besser und oft deutlich gΓΌnstiger absichern. Weniger Versicherungen bedeuten dabei nicht unbedingt ein hΓΆheres Risiko, sondern hΓ€ufig schlicht mehr Γbersichtlichkeit und unterm Strich weniger Kosten.