Was Versicherungskunden umtreibt: Umfrage zeigt differenziertes Bild mit einer Konstanten
Der Verband Digitalversicherung Schweiz VDVS lanciert gemeinsam mit weiteren Partnern den zweiten Swiss Insurance Monitor.
Fabian Korn,
David Finken
Versicherungsnehmerinnen und -nehmer haben 2022 mehr Policen abgeschlossen, sie sind jedoch durchschnittlich bei weniger Unternehmen versichert. Adobe Stock
Sich รผber Versicherungen zu informieren, zu entscheiden, abzuschliessend und dann im Ernstfall einen Schaden abwickeln zu kรถnnen ist im hiesigen nationalen Grossangebot keine einfache Aufgabe. Wie der Swiss Insurance Monitor 2022 zeigt, schreckt dies die Schweizer Bevรถlkerung aber nicht vom Thema ab, auch weil Versicherungskundinnen und -kunden immer mehr und lieber auf digitale Lรถsungen setzen.
Schweizerinnen und Schweizer kรถnnen zwischen รผber 60 verschiedenen Krankengrundversicherungen auswรคhlen. Bei Nichtlebens- und Lebensversicherungen sieht es รคhnlich aus. Hier das passende Versicherungspaket zu finden, wird immer komplexer. Das schreckt die Menschen allerdings nicht ab, wie der Swiss Insurance Monitor 2022 zeigt. Im Gegenteil: Ein Drittel der im Land lebenden Bevรถlkerung hat sich zu Versicherung innerhalb er letzten 12 Monate informiert und insgesamt zeigt sich ein leicht steigender Bedarf an Versicherungslรถsungen.
Die Studie zu Kundinnen und Kunden in der Schweizer Versicherungslandschaft
In der zweiten Auflage des Swiss Insurance Monitors hat das Konsortium bestehend aus FinanceScout24, der elaboratum suisse GmbH, dem Verband Digitalversicherung Schweiz, der Universitรคt Luzern (Institut fรผr Marketing & Analytics) sowie weiteren Versicherungspartnern Versicherungskundinnen und -kunden in den Vordergrund gestellt. Basierend auf der reprรคsentativen, auf Kundenbedรผrfnisse und der Customer Journey fokussierten Studie wurde zum zweiten Mal eine Bestandsaufnahme zum Schweizer Versicherungswesen erhoben und der Puls der Kundinnen und Kunden gefรผhlt.
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Versicherungssituation der Schweizer Wohnbevรถlkerung im Vergleich
Im Vergleich zum Vorjahr schlossen Versicherungsnehmer und -nehmerinnen 2022 mehr Versicherungen ab, sind jedoch durchschnittlich bei weniger Versicherungsunternehmen versichert. Wรคhrend die Loyalisierung und das Cross-Selling bei Bestandeskundinnen und -kunden also gut zu funktionieren scheinen, wird es schwieriger fรผr Versicherungen, Neukunden und Neukundinnen fรผr sich zu gewinnen.
Evaluation von Versicherungen
Versicherungskundinnen und -kunden evaluieren ihre Versicherungen insgesamt positiv; insbesondere dann, wenn diese zum Zeitpunkt der Befragung bereits einen Schaden gemeldet hatten, wenn diese unter anderem auch mit Kundenberater und -beraterinnen interagieren, oder wenn sich Kundinnen und Kunden mit ihrer Versicherungen identifizieren, d.h. wenn die eigene Persรถnlichkeit der Kunden und Kundinnen mit der Marke ihrer Versicherung รผbereinstimmt. Letzteres Ergebnis betont insbesondere die Wichtigkeit in die Markenwahrnehmung konstant zu investieren.
ยซOnlineยป, der neue Standard?
ยซOnlineยป bietet fรผr Versicherungen grosses Potenzial, doch kann es zukรผnftig auch Kundinnen und Kunden begeistern? Betrachtet man verschiedene Schritt innerhalb der Customer Journey von Versicherungskunden und -kundinnen, so zeigt sich ein zwiegespaltenes Bild. So prรคferieren Kundinnen und Kunden die Informationssuche (Fokusthema erster Artikel), die Berechnung von Offerten (Fokusthema zweiter Artikel) sowie die Interaktion im Schadensfall รผber Online-Wege. Bei vertragsbezogenen Vorgรคngen hingegen zeigt sich ein anderweitiges Meinungsbild: Vertragsabschlรผsse und Kรผndigungen werden nach wie vor prรคferiert รผber Offline-Wege vollzogen.
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Exkurs I zur Customer Journey: Berechnung von Versicherungsofferten
Wรคhrend fรผr 40 Prozent der Kunden und Kundinnen eine Offertenberechnung innerhalb der letzten 12 Monate รผber Versicherungsberater von statten gegangen ist, berechnet die Mehrheit der Befragten Versicherungsofferten รผber Online-Wege. Insbesondere jรผngere und technologieaffine Personengruppen prรคferieren den Onlinekanal gegenรผber Offlinekanรคlen der Offertenberechnung.
Exkurs II zur Customer Journey: Vertragsabschlรผsse
Zwei Drittel der Befragten zeigten sich offen dafรผr, Vertrรคge รผber Online-Wege abzuschliessen. Beispiele hierfรผr sind der E-Mail-Weg oder direkt auf der Seite eines Vergleichsportals. Mehr als die Hรคlfte der in der Schweiz lebenden Bevรถlkerung (55 Prozent) kann sich zudem vorstellen, Versicherungsdokumente kรผnftig ausschliesslich digital zu signieren. Trotz dessen zeigt die Studie, dass Versicherungsvertrรคge der letzten 12 Monate vorwiegend รผber Versicherungsberaterinnen und -berater abgeschlossen wurden, wobei direkt an zweiter Stelle die Webseite von Versicherungen folgt. Altersabhรคngige Prรคferenzen hinsichtlich des bevorzugten Kanals sind hierbei nicht รผberraschend (jรผnger: online, รคlter: offline) und beherbergen direkte Implikationen fรผr das Marketing-Management.
Versicherungs-Kontaktpunkte mit Kunden und Kundinnen antizieren
Fรผr Versicherungen sind Kontaktpunkte mit Kundinnen und Kunden fรผr eine positive Evaluation ihrerseits zu fokussieren. Dies spiegelt sich beispielsweise in Neuabschlรผssen und Wechselzahlen wider. Kunden und Kundinnen, die ein Lebensereignis innerhalb der vergangenen 24 Monate (z.B. einen Jobwechsel, einen Umzug oder Nachwuchs) erlebt haben, zeigten eine 65 Prozent hรถhere Wahrscheinlichkeit fรผr einen Wechsel oder einem Neuabschluss, als dies bei der Vergleichsgruppe ohne ein derartiges Lebensereignis der Fall ist. Bei jeder vierten befragten Person fรผhrte zudem eine Verรคnderung der privaten Lebensumstรคnde dazu, sich mit dem Thema eines Wechsels zu beschรคftigen. Derartige Lebensereignisse zu antizipieren ist eine zentrale Herausforderung im Rahmen von Kontaktpunkten zu den Kundinnen, nicht nur um neue Kunden fรผr sich zu gewinnen, sondern vielmehr auch, um bestehenden Kundinnen zu begeistern und teure Abwanderungen vorzubeugen. Massennahmen zur Identifikation von Lebensereignissen von Versicherungskunden und -kundinnen sollte somit im Vordergrund einer ganzheitlichen Kundenzentrierung stehen.
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Versicherungen โ ein Kampf um Preisfรผhrerschaft?
Dass der Preis bei der diesjรคhrigen Erhebung hรคufig im Vordergrund steht bei der Wahl von Produkten und Dienstleistungen ist keine รberraschung. So auch in der Versicherungsbranche: Drei Viertel der Befragten geben an, dass das Preis-Leistungs-Verhรคltnis ausschlaggebend dafรผr ist, sich aktiv mit dem Wechsel einer bestehenden oder der Suche nach einer neuen Versicherung zu beschรคftigen.
So suchten die Befragten entweder nach einer gรผnstigeren Prรคmie fรผr dieselbe Leistung (46 Prozent) oder nach mehr Leistung zum selben Preis (28 Prozent). Doch kรถnnen Versicherungskundinnen und -kunden ein derartiges Preis-Leistungs-Verhรคltnis รผberhaupt umfassend evaluieren oder werden vermehrt Heuristiken angenommen? Insbesondere bei Vergleichsportalen stehen der Faktor ยซPreisยป im Vordergrund, obwohl anderweitige Faktoren โ wie beispielweise Zeitersparnis oder Einfachheit โ weniger ins Kalkรผl von Konsumenten und Konsumentinnen einfliessen. Versicherungen und Online-Vergleichsportale sollten gerade in Sachen ยซPreisยป anfangen zu experimentieren, Mut zeigen, und diesen nicht unbedingt ins Zentrum eines Vergleichs stellen. Insbesondere bei der hohen Anzahl an Versicherungen in der Schweiz kann dies Kunden und Kundinnen helfen, ihr passendes Angebot anhand von einzigartigen Merkmalen zu finden.
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Artikelserie zum Schweizer Versicherungskunde
Dieser Artikel bildet den Auftakt zu vier weiteren Artikeln, welche Einblicke zu Schweizer Versicherungskundinnen und -kunden geben und versuchen, Mรถglichkeiten aufzuzeigen, inwieweit Versicherungen attraktiv sein und gleichzeitig ihre Leistungsversprechen auf hรถchstem Niveau erfรผllen kรถnnen. Die Einblicke basierend auf der Datengrundlage des ยซSwiss Insurance Monitors 2022ยป (siehe Box) sowie dem Expertengremium aus Industrie, Verband, Plattform und Hochschule.
Die grosse Studie zur Schweizer Versicherungslandschaft
Der Fokus des zweiten Swiss Insurance Monitor lag insbesondere auf der Analyse der Customer Journey von Versicherungskunden. Des Weiteren haben die Studienautorinnen und -autoren allgemeine Bedรผrfnisse von Versicherungskunden erhoben, die Prรคferenzen bei der Online- vs. Offline-Interaktion mit Versicherungen analysiert und eine Segmentierung nach ausgewรคhlten Kundencharakteristika vorgenommen.
Der Swiss Insurance Monitor ist Teil der Studienreihe der Swiss Consumer Studies des Instituts fรผr Marketing & Analytics (IMA) der Universitรคt Luzern und wurde gemeinsam mit durch FinanceScout24, elaboratum suisse GmbH und dem Verband Digitalversicherung Schweiz realisiert.
In regelmรคssigen Abstรคnden fรผhrt das IMA รผber das Online-Panel von LINK fรผr die Schweiz reprรคsentative Studien zum Konsumentenverhalten durch. Die im Rahmen der Studien gewonnenen Erkenntnisse sind von Interesse fรผr in- und auslรคndische Unternehmen und die breite รffentlichkeit. Darรผber hinaus sind die Erkenntnisse Grundlage fรผr Forschungsprojekte am IMA und bei Partnerinstitutionen.