Medizinische Haftpflichtfälle stellen eine besondere Herausforderung dar. Sie sind durch komplexe Beweislagen und emotionale Spannungen geprägt. Die Regulierung der Schadensfälle erfordert nicht nur einschlägiges Know-how zur interdisziplinären Bewertung medizinischer und rechtlicher Aspekte, sondern auch einen hohen Koordinationsaufwand. Gegensätzliche Interessen erschweren einen konstruktiven Dialog und begrenzen den Handlungsspielraum für tragfähige Lösungen. In der Folge kann sich die Schadenregulierung über Jahre hinziehen - mit weitreichenden Folgen für Patient:innen, Leistungserbringer sowie Privat- und Sozialversicherer. Die bisherigen Regulierungsansätze gewährleisten nur eine bedingt steuerbare Prozessführung. Das «Alles-oder-Nichts-Prinzip» im medizinischen Haftungsrecht wirkt konfliktverschärfend, da es oftmals nur die vollständige Anerkennung oder Ablehnung von Ansprüchen zulässt.