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HZ Insurance Research

Nicht alle sprechen offen über heikle Themen

Das Thema Nachhaltigkeit ist für die schweizerische Versicherungsbranche wichtig. Eine Umfrage unter neun grossen Gesellschaften zeigt einige Unterschiede – aber auch viele Gemeinsamkeiten.

Matthias Niklowitz

Nachhaltig Investieren
Wie nachhaltig sind die Schweizer Versicherer wirklich? CraftyImago - stock.adobe.com

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Nachhaltigkeit ist in der Schweizer Assekuranz längst kein Randthema mehr. Was vor wenigen Jahren vor allem in Nachhaltigkeitsberichten und Corporate-Social-Responsibility-Abteilungen abgearbeitet wurde, ist heute Bestandteil strategischer Entscheidungen. Denn Klimarisiken beeinflussen die Schadenentwicklung, regulatorische Anforderungen verändern zudem die Berichterstattung und institutionelle Investoren erwarten nachvollziehbare ESG-Vorgehensweisen. Für Versicherungsunternehmen bedeutet das gleich eine mehrfache Herausforderung hinsichtlich Strategie, Umsetzung und Transparenz.
Die Datengrundlagen: Selbstauskünfte und Nachfragen nach Beispielen
Um eine solide Ausgangsbasis für eine Umfrage aufzubauen, lohnt es sich, die beiden wichtigen Nachhaltigkeitshebel von Versicherungen getrennt zu betrachten. Einerseits betrifft es das, was eine Versicherungsgesellschaft versichert. Andererseits erscheint wichtig, worin eine Versicherungsgesellschaft investiert. Viele Gesellschaften sind bei den eigenen Betriebsabläufen (Optimierung der Energieeffizienz von Gebäude, Fahrzeugflotten im Aussendienst, bei Geschäftsreisen und der Umstellung des Stromverbrauchs auf erneuerbare Quellen) relativ weit – wer die Eingangshallen der Headquarters betritt, sieht meist entsprechende Qualitätssiegel. Aus Nachhaltigkeitssicht sind diese Themen deshalb deutlich weniger ergiebig als die Fragen rund um versicherte Wirtschaftsaktivitäten, um konkrete versicherte (oder nicht versicherte) Firmen und Projekte sowie bezüglich der Anreize für die Kundinnen und Kunden.

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Hinzu kommt die latente Diskrepanz zwischen Absichtserklärungen ("wie engagieren uns für den Klimaschutz") und konkretem Handeln ("welche Beispiele gibt es? Welche Kennzahlen werden sich verändern?) bei diesem Thema. Die Antworten auf so formulierte Fragen sind oft aussagekräftiger als viele Seiten schön gemachte Nachhaltigkeitsberichte. Denn viele Firmen – nicht nur Versicherungsgesellschaften - sind stark bei der Formulierung ihrer Policies, solide bei der Umsetzung und deutlich schwächer beim Nachweis der Wirkung. Hier entstehen die interessantesten Debatten. Und hier setzen die Fragen dieser Umfrage ein.
Die Auswertung der Antworten von AXA, Helvetia/Baloise, Mobiliar, Swiss Life, Generali, Allianz und Vaudoise sowie der öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsberichte von Zurich und Swiss Re zeigt ein insgesamt hohes ESG-Niveau innerhalb der Schweizer Versicherungsbranche. Bis auf die beiden letztgenannten haben alle den Fragekatalog ausführlich beantwortet. Diese Antworten bilden die Bewertungsgrundlage. Für Zurich lag statt direkter Antworten der konzernweite „Climate Transition Plan 2024“, ergänzt um einzelne weitere Informationen von der Webseite vor. Für Swiss Re wurde der Sustainability-Teil des Geschäftsberichts 2025, ergänzt um den Sustainability-Report verwendet. Diese zwei Dokumente sind global angelegt und beantworten nicht jede Schweiz-spezifische Frage (wie beispielsweise zu Vergütungskoppelung auf Stufe Schweiz, internen Kontroversen oder sozialer Nachhaltigkeit). Niedrige Werte für Zurich/Swiss Re in den Kategorien „Soziales“ oder „Governance“ widerspiegeln deshalb teilweise die Daten- bzw. Dokumentenlage und sind nicht zwingend Hinweis für eine inhaltliche Schwäche.

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Die Bewertung beruht auf den Selbstauskünften der Unternehmen, punktuell ergänzt um Angaben aus den Geschäftsberichten, Nachhaltigkeitsberichten und Medienmitteilungen. Die Tiefe und Offenheit einer Antwort ist ein Indikator für Reife des Nachhaltigkeitsmanagements, aber kein vollwertiger Ersatz für eine externe, unabhängige Prüfung der tatsächlichen Wirkung. Und auch die unterschiedlichen Geschäftsmodelle (Lebensversicherer Swiss Life, Rückversicherer Swiss Re) schränken die Vergleichbarkeit einzelner Unterkategorien ein, beispielsweise bei der Prämienkalkulation für Naturgefahren bei einem Lebensversicherer.
Für ein Gesamtbild und einen aussagekräftigen Vergleich gab es für die sieben Themenfelder eine unterschiedliche Gewichtung: Das Thema Kapitalanlagen wird mit 30 Prozent gewichtet, Underwriting mit 25 Prozent. Die Themen Klimarisiken und Resilienz sowie Governance/Strategie bekamen Gewichte von je 15 Prozent. Und auf die Themen Biodiversität, soziale Nachhaltigkeit und Transparenz/Berichterstattung entfielen je 5 Prozent.
Kapitalanlagen: Der grösste Hebel wird nicht überall ausgespielt
Kapitalanlagen sind der am stärksten gewichtete Bereich. Näher angeschaut und verglichen wurden Abdeckungsgrad der ESG-Kriterien, Ausschlusslisten, Dekarbonisierungspfade und, als entscheidender Wirkungsindikator, ob das Engagement tatsächlich zu Veränderungen geführt hat.

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Bei diesem Thema zeigt sich die klarste Differenzierung der gesamten Analyse: AXA und Zurich liegen deutlich vorne, weil beide nicht nur Ziele formulieren, sondern Reduktionsfortschritte belegen und konkrete, quantifizierte Beispiele liefern. AXA nennt die bereits erreichte Reduktion der Anlage-CO₂-Intensität um 70 Prozent seit 2019 und 2,5 Mrd. Franken an grünen Investitionen. Zurich kommt mit dem konkret bezifferten Iberdrola-Green-Bond-Beispiel (22 000 Tonnen CO₂-Emission pro Jahr vermieden) und einem auf 10 Mrd. US-Dollar bezifferten Klimalösungs-Zielvolumen bis 2030.
Generali bildet mit nicht gemachten Angaben zu Wirkungsbeispielen das Schlusslicht unter den angefragten Gesellschaften, obwohl das eigene Zwischenziel von minus 60 Prozent CO₂-Intensität bis 2030 für sich genommen erwähnenswert und ambitioniert ist. Swiss Re zeigt ein ähnliches Muster in abgeschwächter Form: Die bereits erreichte Reduktion von 47 Prozent im direkten Unternehmensanleihen- und Aktienportfolio ist eine der stärksten Einzelzahlen der gesamten Analyse, verliert aber an Gewicht, weil das hinterlegte Zwischenziel nur 32 Prozent des Gesamtportfolios abdeckt und der Anteil grüner Anleihen mit 5,1 Prozent vergleichsweise gering bleibt.

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Besonders konkret wird die Mobiliar bei der Wirkungsfrage: Als einziges Unternehmen benennt sie über die SVVK-Mitgliedschaft die sogenannte Deny-Debt-Empfehlung mit sieben namentlich genannten Ölkonzernen: Chevron, ExxonMobil, Marathon Petroleum, PBF Energy, Phillips 66, Saudi Arabian Oil und Valero. Von diesen sollen künftig keine neuen Obligationen mehr gezeichnet werden. Auch Swiss Life liefert mit dem Hinweis, dass ein Unternehmen nach dem Engagement-Dialog erstmals umfassende Emissionsreduktionsziele über alle Scopes offengelegt habe, ein nachvollziehbares, wenn auch nicht namentlich benanntes Wirkungsbeispiel.
Underwriting: Hier ist man noch weniger weit als bei Kapitalanlagen
Das Underwriting bildet mit 25 Prozent Gewichtung den zweitwichtigsten Hebel für die Nachhaltigkeit bei Versicherungsgesellschaften. Hier zeigt sich am deutlichsten, ob Nachhaltigkeit nur in der Kapitalanlage oder auch im Kerngeschäft, der Frage, wer und was versichert wird, verankert ist.
Underwriting ist branchenweit der etwas schwächer entwickelte der beiden Kernbereiche, bei denen Gesellschaften ihre Nachhaltigkeitsziele einbringen und konkret umsetzen können: Während bei Kapitalanlagen alle neun Versicherer über quantifizierte Ziele verfügen, räumen vier Unternehmen (Mobiliar, Vaudoise, Swiss Life, teilweise Helvetia Baloise) hier ein, dass die Nachhaltigkeit im Zeichnungsgeschäft (noch) kein eigenständiges Kriterium ist oder die Datengrundlagen fehlen.

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Zurich, Swiss Re und AXA zeigen demgegenüber, dass Ausschlusslisten aus der Kapitalanlage konsequent auch auf das Versicherungsgeschäft übertragen werden können. Das ist ein Beispiel für den Unterschied zwischen „man redet über Nachhaltigkeit“ und „man versichert entsprechend“. Bei den konkreten Produktbeispielen liefert praktisch jedes Unternehmen mindestens einen Einzelfall: AXA übernimmt über „Energie Plus“ in der Hausratversicherung die Mehrkosten für energieeffizientere Ersatzgeräte nach einem Schaden, Allianz Suisse schafft über ihre Gebäudeversicherungslösungen gezielte Anreize, nach einem gedeckten Schaden nachhaltiger zu reparieren und Vaudoise reduziert den Selbstbehalt bei Glasschäden an Fahrzeugen, wenn nur repariert statt ersetzt wird.
Mobiliar fördert klimafreundliches Verhalten nicht nur über Photovoltaik-Deckungen, sondern auch über Cybertrainings als Präventionsinstrument. Das ist ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen Nachhaltigkeit breiter als rein klimabezogen versteht. Generali ergänzt sein E-Mobilitäts-Angebot um die nachhaltige Vorsorgelösung „Tomorrow Invest“, während Swiss Life mit den „Grünen Hypotheken“ ein konkretes Preisinstrument ausserhalb der E-Mobilität nennt.

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Am konsequentesten bleibt die Verknüpfung von Ausschluss und Zeichnung jedoch bei Swiss Re, das seine gestuften Netto-Null-Zeichnungsziele (50 Prozent der Öl- bzw. Gas-Prämien aus netto-Null-verpflichteten Produzenten bis 2025, 100 Prozent bis 2030) an dieselben Schwellenwerte koppelt, die auch für die eigene Kapitalanlage gelten.
Klimarisiken und Resilienz: Auch kleine Gesellschaften können viel unternehmen
Bewertet wurden bei diesem Thema, das für die Gesamtbewertung mit 15 Prozent gewichtet wird, Modellierungsansätze für physische Klimarisiken in der Schweiz, eine Berücksichtigung in der Prämienkalkulation sowie konkrete Präventionsmassnahmen für Kundinnen und Kunden.
Hier zeigt sich, dass auch im internationalen Vergleich relativ kleine Gesellschaften viel unternehmen können: Die Mobiliar, als rein national tätige Genossenschaft, übertrifft mit ihrer langjährigen, konkret bezifferten Präventionsarbeit (50 Mio. Franken, 180 Projekte über mehr als 20 Jahre, 24 mit mobilen Hochwasserschutzsystemen ausgestattete Stützpunktfeuerwehren) die internationalen Konzerne, deren Stärke eher in globaler Modellierungskompetenz liegt. Über das eigene „Mobiliar Lab für Naturrisiken“ und das öffentlich zugängliche Tool hochwasserrisiko.ch macht diese Gesellschaft dieses Wissen zudem breit verfügbar, statt es nur intern für Risikokalkulationen zu verwenden.

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Die AXA setzt einen anderen, ebenfalls konkreten Akzent: Die „AXA Foundation for Human Progress“ finanziert an der Universität Genf einen neuen Lehrstuhl, an dem ein interdisziplinäres Team untersucht, wie sich der Klimawandel auf alpine Naturgefahren wie Felsstürze, Murgänge und Überschwemmungen auswirkt. Das ist eine Investition in die Grundlagenforschung, die kein anderer Versicherer in dieser Form unternimmt.
Swiss Re liefert demgegenüber die Anhaltspunkte für die grössten Massstäbe: Allein für 2025 bezifferte das Unternehmen die weltweiten versicherten Naturkatastrophenschäden auf rund 107 Mrd. US-Dollar und die gesamten wirtschaftlichen Schäden aus klimabedingten Katastrophen auf bis zu 145 Mrd. Dollar. In diesen Zahlendimension bewegt man sich als global tätiger Rückversicherer, auch wenn daraus keine handfesten Präventionsangebote für Privatkunden in der Schweiz erwachsen.
Generali übersetzt Prävention in ein alltagsnahes Produkterlebnis: Nach grösseren Hagelereignissen werden betroffene Kundinnen und Kunden aktiv per SMS oder E-Mail informiert und sie können ihr Fahrzeug kostenlos in einem Drive-in-Center begutachten lassen. Hier zeigt sich, dass eine konkrete, regional angelegte Wirkung oft aussagekräftiger ist als globale Vorgehensweisen.

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Governance/Strategie: Kleine sprechen offener über Kontroversen
Bewertet wurden bei diesem mit 15 Prozent gewichteten Themenkomplex die Verankerung der Nachhaltigkeit in die Unternehmensstrategie, die Zielsysteme bis 2030, die Vergütungskoppelung und, als Lackmustest für Offenheit, die Antwort auf die Frage nach der intern umstrittensten Nachhaltigkeitsentscheidung.
Die AXA und Allianz führen hier mit den granularsten, am stärksten ins Kerngeschäft heruntergebrochenen Zielsystemen. AXA Schweiz hat sich beispielsweise vorgenommen, die betrieblichen CO₂-Emissionen zwischen 2019 und dem Jahr 2030 um weitere 44 Prozent zu senken und zusätzlich bis 2030 3750 Tonnen CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre zu entfernen, ergänzt durch die auf 2 Mio. Quadratmeter bezifferte Biodiversitätsaufwertung im Rahmen der Initiative „Flora Futura“. Allianz unterlegt den eigenen Net-Zero-Transformationsplan mit ebenso vielen wie unterschiedlichen Sektorzielen. Diese reichen von minus 45 Prozent Emissionsintensität im Firmenversicherungsgeschäft über minus 30 Prozent bei den Motorfahrzeug-Privatkundenportfolios in neun europäischen Märkten inklusive der Schweiz bis zur Halbierung der Emissionsintensität der Eigenanlagen, jeweils bis 2030.

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Vaudoise strukturiert ihre Governance entlang fünf strategischer Achsen (Versicherer, verantwortungsvoller Investor, Arbeitgeber, Corporate Citizen sowie übergreifende Klimafragen) und ist damit die einzige hier vertretene Versicherung, die ihr Modell so explizit in einzelne Rollen aufschlüsselt.
Generali stützt sich auf eine vergleichbare Vier-Säulen-Logik (verantwortungsvolle Versicherung, Investorin, Arbeitgeberin, Bürgerin), bleibt aber bei der Vergütungsfrage auf Schweizer Stufe vage. Zurich hat dagegen seine Governance am klarsten institutionalisiert: Der konzernweite Climate Transition Plan wird von vier Verwaltungsratsausschüssen getragen und eine operative CO₂Emissions-Kennzahl fliesst mit 10 Prozent Gewichtung in die langfristige Vergütung der Geschäftsleitung ein. Swiss Life schliesslich hat seine Doppelziel-Strategie bereits am Investorentag von 2024 kommuniziert und an die individuellen Zielvereinbarungen der Konzernleitungsmitglieder gekoppelt. Das ist ein frühes und öffentlich dokumentiertes Commitment, welches die Ernsthaftigkeit der eng gefassten Strategie unterstreicht.
Bemerkenswert ist, dass gerade die kleineren Schweizer Versicherer (Helvetia Baloise, Vaudoise) bei der heikelsten Frage, der internen Kontroverse, am offensten antworten, während zwei der vier Grosskonzerne (AXA, Allianz) diese Frage in ihren Antworten aussparen.

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Biodiversität/Naturkapital: Dieses Thema ist am wenigsten weit entwickelt
Dem Thema Biodiversität ist mit 5 Prozent das geringste Gewicht für die Gesamtbewertung zugeordnet. Die Antworten zeigen, dass dieses das am wenigsten weit entwickelte ESG-Thema ist. Sechs der neun Versicherer schneiden unterdurchschnittlich ab und es ist das Thema, bei denen die Gesellschaften insgesamt am wenigsten punkteten.
Lediglich AXA und Allianz verfügen über belastbare Methoden. AXA geht dabei besonders weit: Neben der dokumentierten Ausschlusspolitik für Palmöl-, Soja- und Rinderfarmen mit Regenwaldrodungsbezug bestehen eigene Einschränkungen für das Underwriting von Projekten in oder im direkten Kontakt mit UNESCO-Weltnaturerbestätten. Das ist eine Verknüpfung von Biodiversitätsschutz und Zeichnungsgeschäft, das sonst kein Unternehmen in dieser Form vorweist bzw. hier nennt.
Allianz stützt sich auf eine 2024 durchgeführte Pilotbewertung nach dem LEAP-Ansatz der Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD), die drei Anlageklassen des eigenen Portfolios abdeckt, bleibt aber, anders als AXA, noch ohne quantifizierte Ziele. Zurich kann mit dem Zurich Forest Project zumindest ein konkretes Leuchtturmprojekt vorweisen: die Wiederaufforstung von mehr als 700 Hektar Mata Atlântica in Brasilien. Swiss Re engagiert sich über die Swiss Re Foundation philanthropisch, etwa über die Terratai-Initiative zum Schutz von Natur und Biodiversität in Asien. Das ist indes ein Engagement, das ausserhalb der eigentlichen Risiko- und Anlagestrategie steht.

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Mobiliar nutzt für die Titelselektion das „ESG Impact Rating“ des Schweizer Datenanbieters Inrate, das auf der Messung positiver und negativer ökologischer und sozialer Auswirkungen von Unternehmen basiert und kündigt zudem an, das bestehende Risiko-Framework um „naturbezogene Finanzrisiken“ zu erweitern. Bei allen übrigen Unternehmen dominieren Formulierungen wie „im Aufbau“ oder „berücksichtigt, aber keine eigenständige Strategie“. Das sind Beispiele für die Haltung „Policies vorhanden, aber Wirkung noch nicht nachweisbar“.
Soziale Nachhaltigkeit: Einzelne machen hier sehr viel
Bewertet wurden bei diesem 5-Prozent-Gewichtungsthema die Zugänglichkeit von Versicherungsschutz für vulnerable Gruppen, der Diskriminierungsschutz im Underwriting/ Schadenprozess sowie die KI-Fairness-Governance.
Dass hier Zurich und Swiss Re unterdurchschnittlich abschneiden, spiegeln primär die Dokumentenlage wider und sollte nicht als inhaltliche Schwäche missverstanden werden. Unter den direkt befragten Versicherern liegt AXA mit dem konkret terminierten Ziel vorne, über „AXA EssentiALL“ bis Ende 2026 mehr als 20 Mio. Kundinnen und Kunden in Schwellenländern mit Versicherungsdeckungen zu erreichen.
Helvetia Baloise liefert bei diesem Punkt das mit Abstand am besten strukturierte Antwortpaket: Die Massnahmen reichen von einem Vier-Augen-Prinzip bei kritischen Underwriting-Entscheiden über das Monitoring von Proxy-Variablen zur Aufdeckung indirekter Diskriminierung bis zu einem zentralen KI-Inventar mit jährlichen Risiko-Reviews.

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Mobiliar verankert vergleichbare Prinzipien in einem eigenen „Data & AI Ethics Code“, der unter anderem Solidarität, Verhältnismässigkeit und Erklärbarkeit als verbindliche Massstäbe definiert. Generali setzt den konkretesten Einzelfall: einen Rabatt von bis zu 40 Prozent auf die Vollkaskoversicherung für behindertengerechte Fahrzeuge, ergänzt um arbeitgeberseitige Massnahmen wie gleichen Lohn für alle und eine gezielte Förderung von Frauen in strategischen Positionen. Allianz wiederum lässt sich seine KI-Governance extern validieren: Die Auszeichnung im Evident AI Index 2026 für Fortschritte bei Transparenz und Governance im Bereich künstlicher Intelligenz ist die einzige unabhängige Validierung in dieser Kategorie.
Transparenz/Glaubwürdigkeit: Einige lassen extern prüfen
Bewertet wurden bei diesem mit 5 Prozent gewichteten Thema die Umsetzung der FINMA-Vorgaben, externe Prüfung der Kennzahlen und der offene Umgang mit nicht erreichten Zielen bzw. Zielkonflikten.
Bei der Transparenz zeigt sich ein interessantes Muster: Nicht die grössten, sondern die am stärksten regulatorisch geprüften Berichte erzielen die höchsten Werte. Swiss Life geht dabei am weitesten ins Detail: Einzelne Kennzahlen wie die Tabelle „Absolute Umweltkennzahlen“ oder die CO₂-Intensität der direkt gehaltenen Immobilien werden nicht nur von PwC geprüft, sondern im Bericht mit exakten Seitenangaben ausgewiesen. Das ist ein Detailierungsgrad an Nachvollziehbarkeit, den kein anderes Unternehmen in dieser Form bietet.

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Swiss Re lässt seinen Sustainability Report durch eine Big-4-Prüfgesellschaft im Rahmen einer Limited Assurance prüfen und unterstellt ihn zusätzlich einer konsultativen Abstimmung an der Generalversammlung. Das ist ein Schritt, der über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht. Dass das Unternehmen 2025 zugleich die Validierung seiner Klimaziele durch die Science Based Targets initiative eingestellt hat, relativiert dieses Bild leicht, auch wenn die Ziele selbst unverändert weiterverfolgt werden. Helvetia Baloise benennt mit den FINMA-Rundschreiben-Terminen 1.1.2027 (Klimarisiken) und 1.1.2028 (übrige naturbezogene Risiken) konkret, wann welche regulatorischen Pflichten greifen. Vaudoise verdient besondere Anerkennung dafür, als einzige Versicherung offen einzuräumen, dass die Kennzahlen noch nicht extern geprüft werden, und stattdessen auf ein internes Audit zu verweisen, das ausdrücklich Verbesserungspotenzial aufzeigte. Diese Ehrlichkeit über die eigenen Lücken ist selbst ein Transparenzsignal.
Bonusthema: "Bitte diese Fragen ausführen"
Bei drei Fragen wurde um eine Ergänzung gebeten. Hier gab es den Zusatz: "Diese letzte Frage bitte ausführen“: Konkret waren das die intern umstrittenste Nachhaltigkeitsentscheidung, konkrete Engagement-Beispiele mit messbarer Wirkung und konkrete Beispiele für Geschäftsverzicht aus Nachhaltigkeitsgründen. Diese drei Fragen sind bewusst so formuliert worden, dass reine Absichtserklärungen nicht ausreichen, um sie befriedigend zu beantworten.

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Auffällig ist, dass AXA, Zurich und Generali bei mindestens zwei der drei Fragen konkrete, überprüfbare Beispiele liefern, wobei Generali bei der dritten, der Engagement-Frage, keine Auskunft gibt. Allianz nennt trotz des granularen Zielsystems in der Governance-Kategorie nur bei einer der drei Signalfragen ein konkretes Beispiel (Geschäftsverzicht); die Kontroversen-Frage bleibt unbeantwortet, beim Engagement-Beispiel wird ausweichend geantwortet.
Insgesamt beantworten fünf der neun Versicherer (Mobiliar, Vaudoise, Swiss Life, Allianz und Generali) mindestens eine der drei Signalfragen ausweichend oder gar nicht. Bemerkenswert ist zugleich, dass gerade AXA und Allianz die Frage nach der internen Kontroverse in ihren Antworten aussparen, während kleinere Schweizer Versicherer (Helvetia Baloise, Vaudoise, Generali) hier Klartext sprechen.
Auffällig ist, dass AXA, Zurich und Generali bei mindestens zwei der drei Fragen konkrete, überprüfbare Beispiele liefern, wobei Generali bei der dritten, der Engagement-Frage, die Auskunft verweigert. Allianz erreicht trotz des granularen Zielsystems in der Governance-Kategorie nur bei einer der drei Signalfragen ein konkretes Beispiel (Geschäftsverzicht); bei der Kontroversen-Frage bleibt das Unternehmen unbeantwortet, beim Engagement-Beispiel ausweichend.

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Insgesamt beantworten fünf der neun Versicherer (Mobiliar, Vaudoise, Swiss Life, Allianz und Generali) mindestens eine der drei Signalfragen ausweichend oder mit expliziter Auskunftsverweigerung. Bemerkenswert ist zugleich, dass gerade AXA und Allianz die Frage nach der internen Kontroverse in ihren Antworten aussparen, während kleinere Schweizer Versicherer (Helvetia Baloise, Vaudoise, Generali) hier ungewöhnlich offen sprechen – ein Hinweis darauf, dass Offenheit nicht zwingend mit Unternehmensgrösse korreliert.
Gesamtranking: AXA und Zurich sind am weitesten
Der Gesamtscore basiert auf der in der Aufgabenstellung vorgegebenen Gewichtung (Kapitalanlagen 30 Prozent, Underwriting 25 Prozent, Klimarisiken/Resilienz 15 Prozent, Governance 15 Prozent, Biodiversität 5 Prozent, Soziales 5 Prozent, Transparenz 5 Prozent) und einer Bewertung jeder Antwort auf einer Skala von 1 (kaum entwickelt) bis 10 (Best Practice/vorbildlich) (hier nicht detailliert dargestellt).
Die Spitzengruppe, bestehend aus AXA, Zurich und Allianz, zeichnet sich durch granulare, quantifizierte Ziele und nachweisbare Umsetzungsergebnisse aus. Im Mittelfeld liegen Mobiliar, Swiss Re, Generali und Vaudoise mit jeweils klaren Stärken in einzelnen Kategorien, aber Lücken in anderen. Helvetia Baloise und Swiss Life bilden das Schlussfeld. Das liegt nicht etwa daran, weil ihre Antworten unseriös wären, sondern weil ihre Nachhaltigkeitsstrategien (fusionsbedingt bzw. bewusst fokussiert) noch enger gefasst sind.

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