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Datenschutz

Studie: Digitale Ethik gewinnt an strategischer Relevanz

Versicherer engagieren sich mehr fΓΌr Ethik und Datenschutz als andere Branchen, zeigen Erfahrungen.

Michaela Geiger, HANDELSZEITUNG, HZ Insurance

Die ethischen Aspekte der Digitalisierung werden fΓΌr Schweizer Unternehmen wichtiger, zeigt eine neue Studie.
Die ethischen Aspekte der Digitalisierung werden fΓΌr Schweizer Unternehmen wichtiger, zeigt eine neue Studie.Getty Images

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Ethik und Vertrauen in technologische Innovationen ist ein Megatrend, der die nΓ€chsten Jahre bestimmen wird: Was bereits der Deloitte-Report Tech Trends 2020 aufzeigte, belegt auch das aktuelle Stimmungsbarometer Digitale Ethik 2022 des Centre for Digital Responsibility (CDR) und des Institute for Digital Business der Hochschule fΓΌr Wirtschaft ZΓΌrich (HWZ). Es basiert auf der SelbsteinschΓ€tzung von 225 Personen fΓΌr ihr Unternehmen in der Schweiz.

Zunehmende Sensibilisierung

Bereits heute sind demnach die ethischen Aspekte der Digitalisierung fΓΌr Schweizer Unternehmen – unabhΓ€ngig von ihrer GrΓΆsse – von grosser Bedeutung. Wer bereits aktiv ist, fokussiert auf den verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Dabei spielt der Datenschutz eine wichtige Rolle.
Die Umfrage zeigte, dass ethische Themen in mehreren Unternehmen bereits in interne Richtlinien und Prozesse integriert wurden: Jede zweite Person gibt an, dass das Datenmanagement (51 Prozent) sowie die Datenstrategie (46 Prozent) entsprechende Vorgaben enthΓ€lt. Oft existiert eine Ethik-Richtlinie (38 Prozent) oder sie ist zumindest geplant.
Generell zeigt sich laut Studienleiterin Cornelia Diethelm: Β«Grosse Unternehmen verfΓΌgen ΓΌber Vorgaben im Rahmen des Datenmanagements und der Datenstrategie und sie haben eine Ethik-Richtlinie.Β» UnabhΓ€ngig von der GrΓΆsse werde aber in vielen Unternehmen an ethischen Vorgaben gearbeitet.

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Teil der Befragung waren gemΓ€ss Cornelia Diethelm auch viele nicht an der BΓΆrse kotierte Unternehmen. Die Teilnehmer sollten sich unter anderem Γ€ussern, wie sie die Situation an ihrem Arbeitsplatz wahrnehmen.

Versicherer engagieren sich fΓΌr Datenethik

Die Sicht der Befragten wurde dabei nicht aufgeschlΓΌsselt nach Branchen. Nach EinschΓ€tzung von Cornelia Diethelm engagieren sich Versicherer allerdings stΓ€rker als andere Branchen. Β«Ich nehme diese Branche in der Schweiz mit Blick auf digitale Ethik stΓ€rker wahr als andere, zum Beispiel die BankenΒ», sagt sie auf Anfrage von HZ Insurance. Das bestΓ€tigt auch das neueste Rating der Stiftung Ethos, wonach Versicherer aus Investorensicht mehr Wert auf digitale Verantwortung legen als andere Branchen.
Als Versicherer hat sich gemΓ€ss Cornelia Diethelm zum Beispiel die Mobiliar Β«ernsthaft und relativ frΓΌhΒ» um das Thema Datenethik gekΓΌmmert. Der Versicherer beteiligt sich mit einem eigenen Beitrag an der Shift 2022 – einer am 7. April vom CDR organisierten Konferenz zur digitalen Ethik. Geplant ist, dass Matthias BrΓ€ndle, Head Data Strategy and Product Owner Analytics Nearshore bei der Mobiliar, als Speaker Einblick gibt in das Thema Β«Umgang mit mΓΆglichen WidersprΓΌchen zwischen Verhalten und Erwartungen der KundschaftΒ».

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Kunden erwarten mehr Transparenz

Generell beschΓ€ftigt Unternehmen laut CDR/HWZ-Stimmungsbarometer stark die Erwartung der Gesellschaft nach einer verstΓ€ndlichen und transparenten Kommunikation. Das betrifft auch die angekΓΌndigten Regulierungen, etwa bei der Datennutzung oder beim Einsatz kΓΌnstlicher Intelligenz. Gleichzeitig sei eine gewisse Verunsicherung bei Kundinnen und Kunden spΓΌrbar.
Deutlich macht die Umfrage auch: Bei datenbasierten Innovationen ist oft nicht klar, ob sie wirklich ein Problem lΓΆsen und im Interesse der Kundinnen und Kunden sind. Die Studienautoren kommen zu dem Schluss: Β«Innovationen sowie der Einsatz neuer Technologien sollten kein Selbstzweck sein.Β»
Weiter zeigt das Stimmungsbarometer: Die meisten Unternehmen wissen, welche Datenauswertungen erlaubt sind, und sie setzen sich mit neuen Risiken auseinander. Rund 70 Prozent der Befragten berichten allerdings auch von ethisch umstrittenen Projekten. Dies betrifft vor allem den Umgang mit gesammelten Daten, welche Datenanalysen und -auswertungen unter Einbezug von Kundendaten ermΓΆglichen (77 Prozent). Deutlich weniger verbreitet seien Massnahmen, die zur Überwachung der Mitarbeitenden beitragen, sowie der Einsatz umstrittener Technologien wie Gesichts- oder Stimmerkennung.

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Ethik ist Chefsache

Die Umfrage zeigt ausserdem, dass digitale Ethik in der Chefetage prΓ€sent ist: Die GeschΓ€ftsleitung gehΓΆre zu den wichtigsten internen BefΓΌrwortern, bestΓ€tigt Ralph Hutter, Head of Product Development and Research am HWZ IDB. Er sagt: Β«Digitale Ethik ist gelebte digitale Verantwortung. FΓΌr Unternehmen ist es eine weitsichtige Investition in gute Kundenbeziehungen.Β»
Unternehmen benΓΆtigten fΓΌr die Umsetzung konkreter Massnahmen zu mehr digitaler Ethik allerdings noch mehr Standards und Checklisten – zum Beispiel mit Blick auf den verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Erforderlich sei flΓ€chendeckend Know-how, wie digitale Ethik in das eigene Unternehmen integriert werden kann. An manchen Orten fehle es auch noch am nΓΆtigen Bewusstsein der Mitarbeitenden oder mΓΌsste die Unternehmensleitung eine stΓ€rkere Rolle ΓΌbernehmen.
Als zentrale Treiber der digitalen Ethik werden vor allem Personen aus dem Datenschutz wahrgenommen. Unterschiede verdeutlichen, dass innerhalb eines Unternehmens auch Ziele verfolgt werden, die sich widersprechen. Cornelia Diethelm betont: Β«Die bewusste Auseinandersetzung mit digitaler Ethik kann helfen, interne Zielkonflikte systemisch anzugehen. GeschΓ€ftspraktiken mΓΌssen mit ethischen Richtlinien in Einklang gebracht werden, welche die Werte des Unternehmens widerspiegeln und auch von aussen entsprechend wahrgenommen werden.Β»

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