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Corona als Supernova im Klimawandel-Universum

Der Klimawandel bleibt fΓΌr Schweizer Versicherer trotz Corona-Pandemie weiterhin das umfangreichste und komplexeste Risiko.

Alexander Saheb

Auch wenn Corona in unseren KΓΆpfen weit prΓ€senter ist: Der Klimawandel bleibt die bedeutendste und dringlichste Herausforderung unserer Zeit.
Auch wenn Corona in unseren KΓΆpfen weit prΓ€senter ist: Der KlimawandelΒ bleibt die bedeutendste und dringlichste Herausforderung unserer Zeit.Getty Images

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Noch vor kurzem Γ€usserte Axa-CEO Thomas Buberl die Sorge, dass der Klimawandel angesichts der Corona-Pandemie nur noch wenig Platz im Risikobewusstsein seiner Branche haben kΓΆnnte. Denn der im Oktober publizierte Axa Future Risk Report 2020 zeigte, dass die Corona-Pandemie die Risikowahrnehmung unter Versicherungsexperten rasch und stark verΓ€ndert hatte. In der Rangliste der Risiken, welche in den kommenden fΓΌnf bis zehn Jahren das grΓΆsste Risiko fΓΌr die Gesellschaft bergen, sprang die Furcht vor einer Pandemie oder Infektionskrankheit vom achten auf den ersten Platz.

Corona verdrΓ€ngt Klimawandel

Erstmals seit 2015 wurde dadurch der Klimawandel vom ersten auf den zweiten Platz der Risikorangliste verdrΓ€ngt. Nur eine knappe Mehrheit der Fachleute sah ihn global als Hauptrisiko, auch wenn er fΓΌr europΓ€ische Experten weiterhin an erster Stelle rangierte. Die Studie konstatierte somit die Gefahr, dass angesichts des Wahrnehmungsfokus auf die Corona-Pandemie der Klimawandel als direktes und langfristig wirkendes Risiko ΓΌbersehen werde. Als besonders wichtig wurde nun die Gesundheit bewertet. Buberl betonte an dieser Stelle, dass dies jedoch den Kampf gegen den Klimawandel nicht beeinflussen dΓΌrfe, welcher Β«nach wie vor die bedeutendste und dringlichste Herausforderung unserer Zeit darstelltΒ».

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Axa Future Risk Report 2020
Axa Future Risk Report 2020

Breites Risikobewusstsein vorhanden

Katja Pluto, Chief Risk Officer EMEA der Zurich Insurance Group, betont die VerknΓΌpfungen in der heutigen Risikolandschaft. Als grΓΆsste Risiken – ohne sich in der Reihenfolge festlegen zu wollen – bezeichnet sie Risiken aus dem Klimawandel, einem sich Γ€ndernden Kundenverhalten, dem Tiefzinsumfeld sowie Cyberrisiken. Β«Die mit dem Klimawandel verbundenen Risiken betreffen die gesamte Gesellschaft und Unternehmen aus allen BranchenΒ», meint sie. Schrumpfende BiodiversitΓ€t und schrumpfende natΓΌrliche LebensrΓ€ume wΓΌrden die Verbreitung von Pandemien und einen Übersprung auf Menschen begΓΌnstigen. So sei die Pandemie mit den vorgenannten Risiken eng verknΓΌpft. Laut Pluto ist aber das Bewusstsein dafΓΌr vorhanden, sowohl im Versicherungssektor als auch in weiten Teilen der BevΓΆlkerung.

Neue NormalitΓ€t absehbar

Sie glaubt, dass die Pandemie zu einer neuen NormalitΓ€t fΓΌhren wird, deren Leitplanken aber noch nicht definiert sind. Es sei beispielsweise denkbar, dass starke Homeoffice-Nutzung den Bedarf an Privatfahrzeugen und entsprechenden Versicherungen sinken lΓ€sst. Sollte die BevΓΆlkerung aber das Vertrauen in den ΓΆffentlichen Verkehr verlieren, kΓΆnnte jener zunehmen. In beiden FΓ€llen resultierten neue AnsprΓΌche an das Versicherungsangebot.

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Corona schreckt die Schweizer nicht

Mit Blick auf die Corona-Krise geben sich die Schweizerinnen und Schweizer gelassener als die restliche Weltgemeinschaft. Auf die Frage nach persΓΆnlichen Konsequenzen, die man aus der erlebten Gesundheitskrise ziehe, antworten fast drei Viertel, kΓΌnftig besser auf ihre psychische Gesundheit zu achten. Das sind 12 Prozent weniger als der Durchschnitt, berichtet der Axa-Blog ΓΌber Schweiz-relevante Ergebnisse aus dem Axa Future Risk Report 2020. Auch zusΓ€tzliche finanzielle Polster wollen nur 43 Prozent anlegen, gegenΓΌber zwei Dritteln der Teilnehmenden weltweit.
In der Schweiz sieht man sich auch sonst als weniger anfΓ€llig fΓΌr Risiken als in vielen anderen LΓ€ndern. Immerhin 61 Prozent der Befragten gehen in der Regel Risiken ein, so viele wie in keinem anderen europΓ€ischen Land. In ihrem Alltag fΓΌhlen sich nur 20 Prozent oft verletzlich, verglichen mit 44 Prozent weltweit.
Der Klimawandel wird in der Schweiz zudem weiterhin als grΓΆsseres Risiko bewertet als Pandemien und Infektionskrankheiten. Laut Axa sind die Klimakrise, gefolgt von Gesundheitskrisen und Cybersicherheit die grΓΆssten Herausforderungen fΓΌr die nΓ€chsten fΓΌnf bis zehn Jahre. Ferner erachten 40 Prozent der Befragten die Risiken in Bezug auf natΓΌrliche Ressourcen und BiodiversitΓ€t als gross. Weltweit meinen das nur 22 Prozent. 

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Axa Future Risk Report 2020
Axa Future Risk Report 2020

Langfristige Risiken vermeiden

FΓΌr die Mobiliar Versicherung sind Risiken aus Naturgefahren wie Erdbeben oder Hochwasser finanziell gesehen am gewichtigsten. Laut Sprecherin Kim Allemann gehΓΆrt aber auch ein grosser Industrieunfall in die Rangliste. WΓ€hrend die Corona-Pandemie aus Versicherungssicht ein kurzfristiges PhΓ€nomen sei, mΓΌsse der Klimawandel vor einem sehr langfristigen Horizont betrachtet werden, hΓ€lt sie fest. Bei kurzfristigen Ereignissen mΓΌsse man so rasch wie mΓΆglich Risiken in der Unternehmensbilanz reduzieren. Bei langfristig absehbaren Gefahren gelte es, die Auswirkungen und gegenseitige Beeinflussung von Risiken zu verstehen und entsprechende Risiken zu vermeiden.

Nachhaltige Wirtschaft notwendig

Auch der SONAR-Bericht des Swiss Re Institute blendet den Klimawandel nicht aus. «Die Covid-19-EindÀmmungsmassnahmen und die Lockdowns mâgen die Umweltverschmutzung für einen kurzen Moment gemildert haben, aber sie werden die globale ErwÀrmung nicht aufhalten», konstatieren die Experten. Deshalb sei nun entscheidend, dass der Übergang zu einer emissionsneutralen und nachhaltig arbeitenden Wirtschaft fest in den zur Erholung angewandten Strategien verankert werde. Alle Sektoren, vor allem Verkehr, Landwirtschaft und Bauindustrie, müssten ihre Emissionen so weit wie mâglich begrenzen und reduzieren. Verbleibende Treibhausgase gelte es mit biologischen oder technischen Mitteln aus der AtmosphÀre zu entfernen und anschliessend dauerhaft zu speichern.

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Soziale Spannungen steigen

DarΓΌber hinaus verschΓ€rfe die Rezession als Folge der Corona-Massnahmen die lΓ€ngerfristigen strukturellen Probleme: In der Gesellschaft wachse laut dem SONAR-Bericht der Druck auf den Generationenvertrag. Γ„ltere Menschen seien in der Pandemie anfΓ€lliger, wΓ€hrend die Millennials mit hoher Arbeitslosigkeit und Schulden aus Bildungsausgaben konfrontiert wΓΌrden. Es bestehe angesichts einer hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen MΓ€rkten das veritable Risiko einer Β«verlorenen GenerationΒ», meinen die Experten. Gleichzeitig schmΓ€lere dieser Druck auf die Haushaltsbudgets den Absatzmarkt fΓΌr Versicherungsprodukte in der Zukunft.

Ungleiche Betroffenheiten

Im Future Risk report von Axa stehen gesellschaftliche Unruhen oder lokale Konflikte auf Rang fΓΌnf. Corona kΓΆnnte rund 50 Millionen Menschen weltweit in extreme Armut stΓΌrzen, was lokale Konflikte und allgemeine Unzufriedenheit sowohl in entwickelten Staaten wie in NiedriglohnlΓ€ndern anheizen dΓΌrfte. Die Pandemie habe die Ungleichheit verstΓ€rkt. WΓ€hrend Menschen mit BΓΌrojobs dank dem Ausweichen ins Homeoffice kaum von Lockdowns betroffen seien, sehe das fΓΌr Handwerker und die produzierende Industrie ganz anders aus. Diese EinflΓΌsse kΓΆnnten den sozialen Zusammenhalt in westlichen LΓ€ndern unterminieren.

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Computer bleiben Top-Risiko

Gefahrenpotenzial sehen beide Publikationen weiterhin in der Computernutzung. Cyberrisiken sind in der Axa-Studie um einen auf den dritten Platz der Risikorangliste abgerutscht. Die hier parallel zu den Experten befragten Privatpersonen sehen sich neben den aktuell prioritΓ€ren Gesundheitsrisiken vor allem Computerrisiken ausgesetzt. Dahinter stehen immer mehr breit eingesetzte neue Technologien sowie der markante Anstieg von Cyberangriffen wΓ€hrend der Corona-Krise.

Risiko an der Peripherie

Das Swiss Re Institute wiederum thematisiert vor allem das sogenannte Edge-Computing als besonders risikoreich. Hierbei steht die RechenkapazitΓ€t nicht mehr nur gut geschΓΌtzt im Zentrum eines Netzwerkes bereit, sondern wird an den vielen Punkten geschaffen, an denen sie zur augenblicklichen Datenverarbeitung gerade nΓΆtig ist. Dies wiederum ΓΆffnet Kriminellen potenziell Einfallstore, weil die dezentrale Struktur weniger gut geschΓΌtzt werden kann. An einzelnen Netzwerk-Zugangspunkten kΓΆnnten Hacker intelligente Schadsoftware leichter einschleusen als in stark ΓΌberwachten Knotenpunkt-Zentralrechnern. Ein Β«Internet vergessener DingeΒ» drohe zu entstehen und mache es Cyberkriminellen einfach, einzudringen.

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