Ein ΓΌberparteiliches Komitee von SP, GrΓΌnen und Gewerkschaftsbund hat am Dienstag in Bern das Referendum zur Teilabschaffung der Verrechnungssteuer mit knapp 60'000 Unterschriften eingereicht. Die Verrechnungssteuer besteuert in der Schweiz KapitalertrΓ€ge, Lottogewinne, Leibrenten, Pensionen und Versicherungsleistungen, und die Umsatzabgabe wird auf dem Handel mit bestimmten Wertpapieren erhoben, so auch auf dem Handel mit Obligationen.
Das Parlament beschloss im Dezember gegen den Willen der Linken, die Verrechnungssteuer auf inlΓ€ndischen ZinsertrΓ€gen weitgehend abzuschaffen und die Umsatzabgabe auf Schweizer Obligationen aufzuheben. Damit soll es attraktiver werden, inlΓ€ndische Obligationen ΓΌber einen inlΓ€ndischen EffektenhΓ€ndler zu erwerben.
Β«Freipass zur SteuerkriminalitΓ€tΒ»
Die Massnahmen sollen den Schweizer Finanzplatz stΓ€rken. SP, GrΓΌne und der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) ergriffen das Referendum. Die Verrechnungssteuer gebe es, damit dubiose VermΓΆgensverwalter, reiche Grossanleger und Oligarchen bei den Steuern nicht betrΓΆgen, hiess es in einer Mitteilung. Ihre Abschaffung sei ein Β«Freipass zur SteuerkriminalitΓ€tΒ», auf Kosten der Allgemeinheit. FΓΌr Sparkonti nΓ€mlich bleibe die Verrechnungssteuer bestehen. Β«Diese SelbstbedienungsmentalitΓ€t der Teppichetage muss gestoppt werdenΒ», liess sich die Luzerner SP-NationalrΓ€tin Prisca Birrer-Heimo zitieren.
Das Referendumskomitee argumentiert auch mit finanziellen Verlusten fΓΌr den Bund. Nationalrat Samuel Bendahan (SP/VD) sprach von einer finanzpolitischen Zeitbombe: Β«Neben einmalig einer Milliarde Franken rechnet das Finanzdepartement im aktuellen Tiefzinsumfeld mit jΓ€hrlichen SteuerausfΓ€llen von knapp 200 Millionen Franken.Β» Stiegen die Zinsen, dΓΌrfte es ein Vielfaches davon sein.
Steigen Zinsen, steigen Mindereinnahmen
Altersvorsorge, Klimawandel und der Verlust an BiodiversitΓ€t seien grosse finanzpolitische Herausforderungen, macht das Komitee geltend. Da bleibe es ein RΓ€tsel, weshalb nun jene Steuerprivilegien erhalten sollten, die sie am wenigsten nΓΆtig hΓ€tten, sagte GrΓΌnen-Nationalrat Gerhard Andrey (FR). Wichtige Investitionen in die Zukunft wΓΌrden so verhindert. Finanzminister Ueli Maurer hatte in der Parlamentsdebatte argumentiert, dass die Vorlage sich bezΓΌglich Mindereinnahmen und Mehrausgaben ungefΓ€hr die Waage halte. Entlastungen in diesem Bereich hΓ€tten letztlich immer zu mehr Steuersubstrat gefΓΌhrt.
Laut Mitteilung des Bundesrates fΓΌhrt die Teilabschaffung der Verrechnungssteuer zu einmaligen Mindereinnahmen von einer Milliarde und wiederkehrenden Β«statischenΒ» Mindereinnahmen von 170 Millionen Franken. Steigen die Zinsen, tun dies allerdings auch diese Mindereinnahmen. Bei der Milliarde handle es sich um RΓΌckstellungen, die der Bund fΓΌr bereits bezahlte Steuern noch schulde.
Für den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse ist die vom Parlament beschlossene Reform «überfÀllig», wie er schrieb. Die Betriebe im Inland seien faktisch gezwungen, ihr Kapital für Investitionen im Ausland aufzunehmen. Die Reform bringe Steuern zurück und trage zur StabilitÀt und gesunden Staatsfinanzen bei. (awp/sda/hzi/mig)