NACHGEFRAGT bei Thomas Deigendesch:
«In der Regel wird das Ertragswertverfahren angewendet»
Lässt sich der Wert einer Marke überhaupt berechnen oder ist da viel «Kaffeesatzlesen» drin?
Eine fundierte Markenwertberechnung hat nichts mit Kaffeesatzlesen zu tun, sondern folgt internationalen Standards, Normen und Verfahren.
Was sind das für Standards?
Es gibt beispielsweise die ISO-Norm 10668 für die finanzielle Bewertung von Marken und in Deutschland vom Institut der Wirtschaftsprüfer den IDW Standard 5 zur Bewertung von immateriellen Vermögenswerten. Diese tragen zur Erwirtschaftung der Unternehmensergebnisse bei und können auch bilanziert werden. Seriöse Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Markenbewertungsspezialisten orientieren sich an diesen Standards.
Und was ist das Wichtigste bei der Berechnung?
Um den Markenwert in einem laufenden, existierenden Geschäft zu ermitteln, wird in der Regel das Ertragswertverfahren angewendet. Der Wert definiert sich hier nach dem Gegenwartswert der zukünftig zu erwartenden Erträge oder Cashflows, die der Marke zugerechnet werden können.
Das tönt ziemlich komplex …
Vereinfacht ausgedrückt geht man in drei Schritten vor: Zuerst prognostiziert man in der Regel fünf Jahre in die Zukunft die zu erwartenden Erträge. Danach isoliert man die Marken-Erträge, also Erträge, die nicht durch andere materielle oder immaterielle Vermögensgegenstände wie Humankapital oder Patente verursacht werden. Da die prognostizierten Erträge einem Risiko der Eintrittswahrscheinlichkeit unterliegen, werden diese in einem dritten Schritt mit einem risikoangepassten Kapitalisierungszinssatz diskontiert.
Eine solche Markenwertberechnung erfordert eine fundierte Analyse der finanziellen Daten des Unternehmens sowie eine fundierte Analyse der Marke und ihrer akquisitorischen Kraft.