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Nachhaltigkeit: Zehn Versicherer im Vergleich

Versicherer gelten als nachhaltige Unternehmen. Die Auswertung der bekannten Ratings zeigen indes Unterschiede.

Matthias Niklowitz

Save the Forest, Nachhaltigkeit
Save the Forest. patpitchaya - stock.adobe.com

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Die Versicherungsindustrie gilt als nachhaltige Branche. RΓΌckversicherungsgesellschaften beispielsweise haben eine weit zurΓΌckreichende Geschichte ausgesprochener Warnungen vor Naturkatastrophen, inklusive mΓΆglicher Pandemien, wie auch vor von Menschen mitverursachten Desastern. Das Motiv liegt auf der Hand: SchΓ€den, die vermieden oder deren finanzielle Folgen eingedΓ€mmt werden kΓΆnnen, belasten die Versicherungswirtschaft weniger. Und weil RΓΌckversicherungen die sind, die die Rechnungen am Ende bezahlen mΓΌssen, sind sie die Ersten, die frΓΌh warnen.

Grosse Versicherungsgesellschaften schlagen sich gut

Die grossen RΓΌckversicherer schneiden indes bei einem exklusiv fΓΌr HZ Insurance vorgenommenen Vergleich von der ZΓΌrcher Firma Datahouse, einer Tochtergesellschaft von WΓΌest Partner, unterschiedlich ab. Datahouse hat die Ratings von den drei Ratingagenturen Sustainalytics, S&P und MSCI ausgewertet. Dabei wurden die Unterschiede bei den Methoden der drei Ratingprovider laut eigenen Angaben nicht untersucht. MΓΆgliche inhaltliche Unterschiede der Ratings sind somit nicht berΓΌcksichtigt.
Untersucht wurden nur die RΓ€nge der Firmen, die sie innerhalb der Ratings belegen. Demnach schΓ€tzen die Agenturen Sustainalytics und S&P die beiden RΓΌckversicherer Swiss Re und Munich Re relativ gleich ein, nur der RΓΌckversicherer Scor fΓ€llt dagegen deutlich ab.

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Die statistische Analyse (Spearman-Rangkorrelation) hat darΓΌber hinaus ergeben, dass es gewisse ZusammenhΓ€nge gibt. Die grossen Erstversicherer erhalten von allen drei Ratingagenturen gute bis teilweise hervorragende EinschΓ€tzungen: Axa, Allianz, Generali und Zurich kommen gut und vor allem trotz den unterschiedlichen Methoden der Rating-Agenturen gut weg. Bei Swiss Life ist das Bild etwas uneinheitlich, einer guten EinschΓ€tzung bei MSCI steht je eine etwas weniger gute von Sustainalytics und von S&P gegenΓΌber.

Swiss Life: Nachhaltigkeit in vier Bereiche aufgeteilt

Β«Die Ratings unterscheiden sich bezΓΌglich Methodologie, Vergleichsgruppe und SchwerpunkteΒ», sagt Swiss-Life-Sprecherin Fabienne Schneider. Β«Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unseres GeschΓ€fts. Mit unserer Beratung, unseren Dienstleistungen und unseren Produkten unterstΓΌtzen wir Menschen dabei, ein selbstbestimmtes Leben zu fΓΌhren, und unsere Kundenbeziehungen mit Privat-, Unternehmens- und institutionellen Kunden dauern oft mehrere Jahrzehnte.Β» Entsprechend sei nachhaltiges und vorausschauendes Wirtschaften in dem GeschΓ€ft die Basis fΓΌr langfristigen Erfolg.
Swiss Life hat laut Schneider die NachhaltigkeitsgrundsΓ€tze in einer gruppenweiten Strategie festgehalten und in vier Bereiche unterteilt: Nachhaltigkeit in der GeschΓ€ftstΓ€tigkeit, als Arbeitgeberin, in der Gesellschaft und in Bezug auf die Umwelt.

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Steuerungsorgan in Nachhaltigkeitsfragen ist die Konzernleitung unter der Leitung des Group CEO. Eine gruppenweite Organisation bestehend aus Nachhaltigkeitsspezialisten und Vertretern aus allen Divisionen stellt gemΓ€ss Schneider sicher, dass die auf Gruppenstufe beschlossenen Massnahmen lokal in den Divisionen umgesetzt werden.
Β«Im Rahmen unserer Anlagestrategie beziehen wir systematisch Umwelt- und Sozialfragen sowie Fragen einer guten UnternehmensfΓΌhrung (ESG-Faktoren) ein: Bei 90 Prozent aller von Swiss Life Asset Managers verwalteten VermΓΆgen werden im Anlageprozess ESG-Faktoren berΓΌcksichtigtΒ», so Schneider weiter. Β«Die Nachhaltigkeitsratings verstehen wir als hilfreiche Richtschnur, um Weiterentwicklungen und Diskussionen im Unternehmen anzustossen, die uns helfen, einen Mehrwert fΓΌr unsere Stakeholder zu schaffen. Wir managen verschiedene Nachhaltigkeits-Ratings, verfolgen aber konsequent unsere eigene Nachhaltigkeitsstrategie.Β»

Helvetia: Weiterentwicklung entlang der Verbesserungsbereiche

Β«Es gibt verschiedene GrΓΌnde fΓΌr das Abschneiden von Helvetia in diesem Peer-VergleichΒ», sagt Helvetia-Sprecher Jonas Grossniklaus. Β«Wir nehmen externe Ratings als AusseneinschΓ€tzung fΓΌr einen Vergleich mit Peers sehr ernst und entwickeln unsere Corporate Responsibility entlang der aufgezeigten Verbesserungsbereiche kontinuierlich weiter. Uns sind dabei ein systematisches Vorgehen und eine nachhaltige Verankerung wichtig, welche sich nicht immer unmittelbar in den Bewertungen niederschlΓ€gt.Β»

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ESG-Themen haben laut Grossniklaus einen hohen Stellenwert bei Helvetia. Β«Grundlage sind unsere Mitgliedschaften in relevanten Nachhaltigkeitsnetzwerken wie beispielsweise bei Swiss Sustainable Finance, beim UN Global Compact oder als Unterzeichnerin der Principles for Responsible Investments. Wir implementieren seit lΓ€ngerem ESG-Aspekte in unser GeschΓ€ft, weil wir davon ΓΌberzeugt sind, dass ein Versicherungsunternehmen nur erfolgreich sein kann, wenn es das eigene Handeln langfristig ausrichtet.Β» So habe man zum Beispiel den Umgang mit ESG-Risiken in einem ΓΌbergreifenden ESG-Risiko-Framework festgehalten und sich fΓΌr die Verwaltung der Kundengelder ein Netto-null-Ziel gesetzt. Β«Wir setzen mit unseren CR-Massnahmen Schwerpunkte im Bereich ESG Due Diligence, Responsible Investments und bereiten uns darauf vor, das Risiko des Klimawandels aktiv zu managenΒ», so Grossniklaus weiter. DafΓΌr habe man im FrΓΌhjahr die Empfehlungen der Taskforce fΓΌr Climate-related Disclosure unterzeichnet.

Baloise: MΓΌssen sich nicht verstecken

Β«Im Vergleich zu international agierenden Versicherern wie Axa, Allianz, Zurich und Swiss Re schneidet die Baloise schlechter ab, da wir gewisse Risikofelder (wie zum Beispiel Human Rights) nicht als dringlichste Risiken fΓΌr uns ansehen, da wir vorwiegend in Europa tΓ€tig sind und keine Investments in den Emerging Markets habenΒ», sagt Kim Berrendorf, Managerin Nachhaltigkeit bei der Baloise. Β«Mit einem MSCI-Rating von BBB und dem historischen Verlauf unseres MSCI-Ratings mΓΌssen wir uns nicht verstecken.Β»

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ESG-Ratings wΓΌrden die NachhaltigkeitsaktivitΓ€ten von Unternehmen, also auch die der Baloise, nach individuellen Methodologien, die mehr oder weniger gut auf die jeweilige Industrie angepasst sind, bewerten. Β«Oft werden dabei lediglich ΓΆffentlich zugΓ€ngliche Dokumente zurate gezogen. Als Beispiel: Hat eine Unternehmung keine separate vom CEO unterzeichnete Human Rights Policy, wird das Unternehmen heruntergestuft oder tiefer eingestuftΒ», so Berrendorf.
Sie verweist auf die Fortschritte, die man im Sustainalytics-Rating in den letzten Jahren gemacht hat: Β«Durch die Kommunikation von umgesetzten Massnahmen wie der EinfΓΌhrung unserer Nachhaltigkeitsgovernance, der Verbreiterung und Vertiefung unseres verantwortungsbewussten Investmentansatzes und der Erneuerung und Ausweitung unserer Strategie fΓΌr Informationssicherheit konnten wir im Jahr 2020 unter anderem unser Sustainalytics-Rating um 5 Punkte von 31 (high risk) auf 26 (medium risk) verbessern.Β» Ein weiterer Fortschritt ist laut Berrendorf die Aufnahme in die Indexreihe FTSE4Good im Jahr 2020.
Β«ESG-Themen sind ein integraler Bestandteil unserer nΓ€chsten strategischen Phase und werden aktuell mit viel Elan und Hochdruck bearbeitetΒ», sagt Berrendorf weiter. Β«ESG-Themen ziehen sich immer stΓ€rker durch alle GeschΓ€ftsprozesse der Baloise und wir wΓ€gen kontinuierlich ab, mit welchen Anpassungen in unserem GeschΓ€ft wir den grΓΆsstmΓΆglichen Wert fΓΌr alle Ressourcen unseres WertschΓΆpfungsmodells und fΓΌr die Baloise selbst schaffen kΓΆnnen.Β» Das mache den Ansatz einzigartig, es erschwere jedoch die standardisierte Vorgehensweise der ESG-Ratings, da man sich mit der Baloise beschΓ€ftigen muss, um sie einschΓ€tzen zu kΓΆnnen. Β«Da wir viele langjΓ€hrige Investoren haben, gibt uns das die MΓΆglichkeit, unseren Ansatz unabhΓ€ngig von einem Rating glaubwΓΌrdig darzustellen und zu erlΓ€utern.Β»

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Und auch hier hat man sich fΓΌr die Zukunft viel vorgenommen. Β«Wir arbeiten an verschiedenen Umsetzungen und der Integration von ESG in unsere GeschΓ€ftsprozesseΒ», so Berrendorf. Β«Uns ist es ein Anliegen, dass man sich mit der Baloise und ihrem WertschΓΆpfungsansatz auseinandersetzt. Deshalb arbeiten wir daran, unseren Ansatz, unsere Werte und Umsetzungen einfach und klar zu kommunizieren. Sowohl gegenΓΌber der breiten Γ–ffentlichkeit als auch gegenΓΌber den Rating-Agenturen, mit denen wir in Kontakt stehen.Β»
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