Die grossen schweizerischen Versicherungen haben vergangenes Jahr solide gearbeitet. Bei Helvetia/Baloise wird die Integration spürbare Auswirkungen haben. Mobiliar muss ohne Einmaleffekte auskommen.
«Wen interessiert schon das vergangene Jahr?» – Die Frage, welche die Finanz und Wirtschaft zu Helvetia/Baloise aufwarf, betraf vor allem die Haltung von Investoren. Für viele Mitarbeitende dagegen hängen Bonus, Aktienpläne und Beförderungen von guten Leistungen der Vergangenheit ab. Für die Analysten und Marktbeobachter sind diese Zahlen ebenso wichtig. Sie zeigen, welches Management einen guten Job gemacht hat, wo solide gearbeitet wurde – und auch, wo Einmaleffekte die schwachen Leistungen im operativen Geschäft kaschierten und wo gerade grössere interne Baustellen von der Arbeit für die Kundinnen bzw. Kunden ablenken. Die Prämienentwicklung des vergangenen Jahres legt das Fundament für das laufende Jahr – und es zeigt, wer die bessere Distribution aufgebaut hat.
Rückblick: Diese Gesellschaften haben am besten gearbeitet
Rückblickend lässt sich bei den sechs grossen Gesellschaften, bei denen ausreichend Daten zum Geschäftsverlauf vorliegen, ein starkes Jahr konstatieren. Alle sechs hier analysierten Gruppen steigerten ihren Gewinn oder hielten ihn auf hohem Niveau, profitierten von einer günstigen Schadenlage (weniger Elementarschäden als in Vorjahren) und verbesserten ihre Combined Ratios. Der Felssturz in Blatten (VS) vom Mai 2025 war das prägende Einzelereignis mit branchenweiten Bruttoschäden von rund 330 Mio. Franken gesamt.
Partner-Inhalte
Werbung
Zurich Schweiz / Zurich Insurance Group
Zurich verzeichnete im Jahr 2025 in allen Geschäftsbereichen Rekordergebnisse. Der Reingewinn der Gruppe stieg um 10 Prozent auf USD 6,8 Mrd., der Betriebsgewinn der Gruppe (BOP) um 13 Prozent auf 8,9 Mrd. US-Dollar Besonders stark war das Schaden- und Unfallversicherungsgeschäft mit einem Betriebsgewinn von 5,1 Mrd. Dollar (+22Prozent). In der Schweiz wuchsen die Bruttoprämien (NL) um 4 Prozent auf 3,9 Mrd. Franken, der BOP NL legte um 10 Prozent auf 318 Mio. Fr. zu.
Die Combined Ratio verbesserte sich in der Schweiz auf 94,0 Prozent (–1,8 Prozentpunkte), auf Gruppenebene sogar auf 92,6 Prozent. Die Eigenkapitalrendite (ROE, bereinigt) erreichte mit 26,9 Prozent einen Rekordwert. Die SST-Quote liegt bei 259 Prozent, die Dividende wird um 7 Prozent auf 30 Franken je Aktie erhöht.
Zurich zeigte einen starken Start in den Zyklus 2025–2027 und auf dem besten Weg, ihre finanziellen Ziele zu erreichen und weiterhin Mehrwert für alle ihre Anspruchsgruppen zu schaffen. Allerdings stellen sich hier einige Fragen um die Neubesetzung bzw. Nachfolgen des Top-Managements sowie des Verwaltungsrats. Gerade die Personalie Mario Greco ist offen – neben zwei, drei internen Kandidatinnen bzw. Kandidaten gibt es auch europaweit einige ganz hervorragende Leute, die sich einen Wechsel an den Mythenquai in Zürich vorstellen können.
Werbung
Mobiliar
Die Mobiliar überraschte mit einem Gewinnsprung von 111 Prozent auf 825 Mio. Franken. Dieser ist jedoch zu einem bedeutenden Teil auf Sondereffekte zurückzuführen: die Reduktion der Beteiligung an der Swiss Marketplace Group (SMG) beim Börsengang im September 2025 sowie hohe Realisierungsgewinne. Hier hatte man ein sehr gutes Timing gezeigt – die SMG-Aktie, die beim IPO im September 2025 für 50 Franken auf den Markt gekommen war, ist derzeit nur wenig mehr als die Hälfte wert. Befürchtungen, dass die agentische KI (auch) solche Marktplätze obsolet machen könnte, wurden bisher nicht überzeugend widerlegt.
Das finanzielle Ergebnis allein betrug 901,9 Mio. Fr. Das operative Nichtlebengeschäft blieb mit einer Combined Ratio von 97,0 Prozent (Vorjahr 97,1 Prozent) eher bescheiden, obwohl das Prämienvolumen um 5,4 Prozent auf 4,2 Mrd. Franken wuchs. Die Eigenkapitalrendite verdoppelte sich auf 10,5 Prozent.
Bemerkenswert: Die Mobiliar ist mit einem Marktanteil von 20,9 Prozent der grösste Nichtlebenversicherer der Schweiz. Die SST-Quote von 519 Prozent ist mit Abstand die höchste in der Branche und zeigt eine ausserordentlich komfortable Kapitalisierung. Der Felssturz Blatten belastete mit 140 Mio. Franken brutto am stärksten aller analysierten Unternehmen.
Werbung
Wäre die Mobiliar ein börsengelistetes Unternehmen, hätte sie längst aktivistische Investoren im Haus: Diese würden eine Reduktion des überreichlich vorhandenen Kapitals verlangen und Kostensparmassnahmen durchsetzen. Wäre das die Hölle für das Management und das Unternehmen? Nicht unbedingt – denn damit kommen auch Bonus- und Beteiligungsprogramme, welche gerade für die Leistungsträger und das Talent-Recruiting interessant sind.
Vaudoise
Die Vaudoise erzielte 2025 einen Rekordgewinn von 156,3 Mio. Fr. (+16,7Prozent). Das Nichtlebengeschäft war der Haupttreiber: Die Bruttoprämien wuchsen um 7,5 Prozent (deutlich über Marktdurchschnitt), und die Combined Ratio verbesserte sich auf 96,4 Prozent (–1,5 Prozentpunkte). Das Wachstum war geographisch breit: Deutschschweiz +9,5 Prozent, Westschweiz +6,8 Prozent. Es zeigt sich auch, dass die Gesellschaft aus der Romandie diesseits des Röstigrabens das Aufholpotenzial ausnutzt, ohne jedoch die Kostenbasis spürbar zu verschlechtern.
Das Lebengeschäft zeigte hingegen einen Rückgang von 3,4 Prozent beim Prämienvolumen. Die SST-Quote ist mit 344 Prozent sehr solide, die Eigenkapitalrendite mit 6,0 Prozent eher moderat. Positiv herauszuheben ist die Gewinnweitergabe von 40 Mio. Franken an Nichtleben-Kunden (Prämienrabatt von 10 Prozent auf MFZ-Versicherungen 2026–2027), was dem genossenschaftlichen Geschäftsmodell entspricht.
Werbung
Helvetia Baloise
Das Jahr 2025 war für Helvetia Baloise ein Sonderjahr: Die Fusion der beiden Holding-Gesellschaften wurde am 5. Dezember 2025 abgeschlossen. In der IFRS-Rechnung erscheint deshalb nur das Helvetia-Ergebnis; der Baloise-Beitrag fliesst erst ab 2026 vollständig ein.
Helvetia allein erzielte Underlying Earnings von 633 Mio. Franken (+19,8 Prozent), das IFRS-Periodenergebnis betrug 575 Mio. Franken (+14,4 Prozent). Die Combined Ratio NL verbesserte sich auf 93,1 Prozent (–1,9 Prozentpunkte). Grund hierfür ist eine deutliche Verbesserung der Schadenquote. Baloise erzielte standalone einen bereinigten Aktionärsgewinn von 570,6 Mio. Franken (+19,7 Prozent) und eine Combined Ratio von 92, 2 Prozent. Der Gewinn Nichtleben blieb unter den Erwartungen (- 8,3 Prozent), der Underlying Gewinn dieser Sparte dagegen klar über den Erwartungen.
Auf Pro-Forma-Basis (als wäre die Fusion ein Jahr früher erfolgt) ergibt sich ein kombinierter Underlying-Gewinn von 1,035 Mrd. Franken und ein Geschäftsvolumen von 19,8 Mrd. Franken, womit Helvetia Baloise zum grössten Allbranchenversicherer der Schweiz avanciert. Die Integrationssynergien sind auf Kurs (21 Prozent von 650 Mio. Franken realisiert), wie das kombinierte Top-Management am Analysten-Tag Mitte April 2026 in London erklärte.
Werbung
Kommentatoren vermerkten eine insgesamt gute Entwicklung, die getragen ist durch weitere versicherungstechnische Verbesserungen ist, was sich auch gut in den vorteilhaften Underlying Earnings-Kennzahlen zeigt. Vorteilhaft ist zudem auch, dass bereits ein Teil der Integrationskosten für die Übernahme der Baloise-Geschäfte im vergangenen Jahr abgebucht ist. Hier wurde 2025 offenbar solide weiter gearbeitet, obwohl sich bereits grössere Einsparmassnahmen abzeichneten, die indes erst im laufenden Jahr bemerkbar machen werden.
AXA Schweiz
AXA Schweiz ist für das global aktive Unternehmen überaus wichtig: Man spielt hierzulande zwar lediglich 5 bis 6 Prozent des gesamten Prämienvolumens ein, aber man erarbeitet auch 8 bis 10 Prozent des Nettogewinns der Gruppe. AXA ist seit Jahren der Schweizer Marktführer in der Schadenversicherung und zeigte 2025 das stärkste Prämienvolumenwachstum der analysierten Gruppe: +7 Prozent auf 6,6 Mrd. Franken. Der Reingewinn stieg um 3 Prozent auf 805 Mio. Fr. Besonders herausstechend: Das Einzellebengeschäft wuchs um 21 Prozent Dank der "SmartFlex"-Produkte, die Gesundheitsvorsorge um 20 Prozent.
Die Combined Ratio NL von 90,1 Prozent ist die beste unter allen verglichenen Unternehmen, auch wenn die Verbesserung mit –0,3 Prozentpunkten moderat ausfiel. AXA ist mit 56 Mrd. Franken verwalteten Drittkunden-Assets auch als Vermögensverwalterin stark aufgestellt. Eine separate SST-Quote wurde nicht publiziert. – Die jahrelang gehaltene Marktführerschaft wird in diesem Jahr an Helvetia abgegeben werden. Am Stellenwert des Unternehmens in der Schweiz und innerhalb der Gruppe ändert das nichts.
Werbung
Swiss Life
Swiss Life blieb seiner Strategie als Lebensversicherer mit starkem Fee-Geschäft treu. Der Reingewinn blieb mit 1,26 Mrd. Fr. stabil, der Betriebsgewinn stieg um 3 Prozent auf 1,83 Mrd. Fr. Die Eigenkapitalrendite verbesserte sich auf 17,2 Prozent (Ziel: 17–19 Prozent p. a.). Das ist eines der stärksten Werte im Vergleich.
Das Fee-Geschäft (2,59 Mrd. Fr, +5 Prozent) und das Asset Management (verwaltete Drittvermögen 146 Mrd. Fr., +17 Prozent, Nettoneugeldzuflüsse fast verdoppelt) sind die differenzierenden Stärken. Allerdings machen auch immer wieder Spekulationen um mögliche grössere Zukäufe, beispielsweise einer Privatbank, die Runde (das Management dementiert das). Damit liesse sich das Geschäft mit vermögenden (aber nicht sehr reichen) Privatkunden deutlich stärken. Die seit Jahren laufende Anwerbekampagne für Banker hat sich hier nicht als echter Game-Changer erwiesen.
Die SST-Quote liegt bei rund 210 Prozent, oberhalb des eigenen strategischen Ziels von 140–190 Prozent. Das Aktienrückkaufprogramm (750 Mio. Franken) läuft planmässig, die Dividende steigt auf 36.50 Franken (+4Prozent).
Swiss Life liesse sich auch als Immobilienfirma mit angehängtem Lebensversicherungsvertrieb bezeichnen (tatsächlich verfolgen einige Versicherungs-Analysten gleichzeitig auch die Immobilienfirmen in der Schweiz). Die Abhängigkeit vom Immobiliengeschäft ist weiterhin sehr hoch und hier verlässt man sich darauf, dass es in den kommenden zehn Jahren kaum negative Entwicklungen bei der Wohnimmobiliennachfrage geben wird. Selbst wenn die Zuwanderung stoppen würde, würde die Flächen-Nachfrage weiter steigen. Und ein robustes Geschäft bei Wohnimmobilien glättet auch die Wellen bei den Geschäftsimmobilien.
An dieser Stelle findest du einen ergänzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.
Produktivität pro Mitarbeitende 2025
Die hier verwendeten Mitarbeiterzahlen stammen aus den offiziellen Geschäftsberichten und Medienmitteilungen der Unternehmen für 2025. Natürlich gibt es hier Unschärfen beim Vergleich, wenn einzelne Versicherungen eher auf unabhängige Agenturen als Vertriebsnetz setzen und andere den ganzen Vertrieb auf der eigenen Payroll führen. Dennoch – so weit sind die Gesellschaften und die abgeleiteten Werte nicht auseinander.
Zurich Schweiz beschäftigt 7'000 Mitarbeitende in der Schweiz (Gruppe weltweit: mehr als 63'000). Die Mobiliar beschäftigt rund 6'600 Mitarbeitende (Stand Mitte 2025). AXA Schweiz zählt rund 4'700 Mitarbeitende sowie 3'100 Kolleginnen und Kollegen im Vertrieb. Helvetia Baloise beschäftigt nach der Fusion mehr als 22'000 Mitarbeitende in acht Ländern und baut davon mehr als 10 Prozent ab. Die Vaudoise weist gemäss den vorliegenden Dokumenten etwas mehr als 2'000 Vollzeit-Äquivalente aus. Swiss Life beschäftigt rund 11'000 Mitarbeitende und verfügt über ein Vertriebsnetz mit rund 17'000 Beraterinnen und Beratern.
Werbung
Hinweise zur Vergleichbarkeit: Die Zahlen sind nicht homogen. Zurich, Swiss Life und Helvetia Baloise sind internationale Konzerne, deren Schweizer Segment nur einen Teil der Belegschaft ausmacht. Für Zurich und Swiss Life werden deshalb zwei Perspektiven gezeigt (CH-Segment und Gruppe). Bei AXA werden nur die 4'700 fest angestellten Mitarbeitenden verwendet, ohne die 3'100 externen Vertriebsmitarbeitenden.
An dieser Stelle findest du einen ergänzenden externen Inhalt. Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen.
AXA Schweiz ist in dieser Betrachtung mit Abstand die produktivste Nichtlebenversicherung: 1,4 Mio. Franken Prämien und 171'000 Franken Reingewinn pro Mitarbeitenden. Allerdings sind hier die Konzernfunktionen nicht berücksichtigt, diese sitzt in Paris. Dieser Overhead wird bei den Mitbewerben in der einen oder anderen Form mitgerechnet und -berücksichtigt.
Swiss Life erzielt strukturell bedingt die höchsten Prämien je Mitarbeitendem, was aber dem Lebensversicherungsmodell mit kapitalintensiven Produkten geschuldet ist. Helvetia Baloise weist den tiefsten Gewinn pro Kopf aus — hier drücken die 22'000 Mitarbeitenden und die erheblichen Fusionskosten auf die Kennzahl. Der geplante Abbau von bis zu 2'600 Stellen bis 2028 sowie die Frühpensionierungen werden die Produktivität pro Kopf deutlich verbessern.
Werbung
Ausblick 2026 / 2027: Fast alle haben Hausaufgaben zu machen
Zurich hat mit der Übernahme von Beazley den den wichtigsten Strategieentscheid seit Jahren getroffen und ist operativ in Bestform.Nach der Übernahme entstehtein globaler Specialty-Versicherer mit kombinierten Bruttoprämien von rund 15 Mrd. Dollar Die Kapitalerhöhung, die zur Teilfinanzierung nötig ist, bringt einen kurzfristigen Verwässerungseffekt für Aktionäre.
Operativ ist Zurich auf sehr gutem Kurs: Der Zielkorridor für 2027 (ROE >23 Prozent, EPS-Wachstum >9 Prozent) wurde im ersten Jahr bereits übererfüllt (ROE 26,9 Prozent, EPS +13 Prozent). Das Aktionärspotenzial bleibt hoch – und das ist auch Ausdruck der fundamentalen Stärke der Gesellschaft. Die Dividende dürfte weiter steigen (Analysten projizieren 32 Franken für 2026 und 34 Franken für 2027), was gegenwärtig eine Rendite von rund 5,6 Prozent auf der Basis der Gewinnschätzung für 2027 ergibt.Beazley wird das Ergebnis ab 2027 mit beeinflussen, wenn alle Bewilligungen der involvierten Aufsichtsbehörden vorliegen.
Bei Zurich lohnt sich auch der Vergleich über die Landesgrenzen hinweg. Im Underwriting ist Zurich stark, spürt aber unter dem Preisrückgang in Commercial Lines und dem relativ geringen Life&Health-Wachstum. Die Verschiebung hin zu kürzerlaufenden L&H-Verträgen bei AXA und Zurich könnte das CSM-Wachstum bremsen, während Allianz und Generali mit ihrem Fokus auf langfristige Lebensvorsorge in diesem Bereich besser positioniert erscheinen.
Werbung
Allianz schlägt Zurich klar in der Combined Ratio (91,8 Prozent vs. Zurich mit 93 bis 95 Prozent) und profitiert zusätzlich vom grossen Asset-Management-Beitrag (PIMCO/AGI). Operativ der stärkste Player im Peer-Vergleich mit AXA und Generali.
Mobiliar hat operativen Verbesserungsdruck: Man kann sich nicht jedes Jahr elegant von einem hoch bewerteten Investment zum besten Zeitpunkt trennen. Ohne Sondereffekte wird das Ergebnis im laufenden Jahr deutlich tiefer ausfallen als die 825 Mio. Franken des Vorjahres. Der strategische Fokus liegt auf der Modernisierung der IT-Plattform («Avantage 2030») und dem Einsatz von KI in der Schadenregulierung.
Die Combined Ratio von 97 Prozent bleibt ein Schwachpunkt. Hier besteht Handlungsbedarf. Immerhin: Als grösster Sachversicherer der Schweiz mit 20,9 Prozent Marktanteil profitiert die Mobiliar überdurchschnittlich von Prämienerhöhungen. Das Jubiläumsjahr 200 Jahre (2026) wird für Marketingaktivitäten genutzt. Die hohe SST-Quote von 519 Prozent gibt darüber hinaus Spielraum für Wachstumsinvestitionen.
Vaudoise diversifiziert mit Procimmo: Die geplante Übernahme der Procimmo Group AG (Immobilien-Vermögensverwaltung) ist der wichtigste strategische Schritt für die Waadländer. Sie erweitert das Geschäftsmodell um eine neue Ertragsquelle ausserhalb des Versicherungsgeschäfts. Das Nichtleben-Prämienvolumen dürfte weiter über dem Markt wachsen (+6–8 Prozent p.a. sind realistisch). Das Lebengeschäft bleibt unter Druck; der Rückgang von 3,4 Prozent im Prämienvolumen 2025 ist ein Signal für strukturelle Herausforderungen in diesem Segment und den harten Wettbewerb. Die Combined Ratio von 96,4 Prozent hat noch erheblichen Verbesserungspotenzial bis zum Branchenprimus von 90 bis 93 Prozent.
Werbung
Helvetia Baloise vor wichtigem Integrationsjahr: 2026 ist das wichtigste Jahr für das Gelingen der Fusion. Die Fusionierung der Versicherungsgesellschaften in der Schweiz soll bis 1. Juli 2026 abgeschlossen sein, die ersten gemeinsamen Produkte kommen dann auf den Markt. Mehr als 1 Mrd. Franken an immateriellen Anlagen wird 2026 abgeschrieben (wegen des neuen Markenauftritts), was das IFRS-Ergebnis erheblich belasten wird.
Die Underlying-Earnings-Kennzahl, bereinigt um solche Effekte, bleibt aber die relevante Messgrösse. Bei gelungener Umsetzung sind die Finanzziele (16–18Prozent ROE bis 2028, EPS-Wachstum +10–12 Prozent p.a., Dividende 2029 +50 Prozent vs. 2025) realistisch. Das Risiko liegt in der Integrationskomplexität und dem Stellenabbau, der soziale und kulturelle Herausforderungen mit sich bringt.
AXA hat 2025 gezeigt, was sie kann: Stärkstes Prämienwachstum, beste Combined Ratio, klare Produktstrategie (SmartFlex). Der Schlüssel für 2026/2027 ist, ob das Einzellebengeschäft (+21 Prozent in 2025) nachhaltig ist oder ob es sich um einen Einmaleffekt durch die SmartFlex-Einführung handelt. Auch verändert sich das Wettbewerbsumfeld (vgl. Helvetia).
Das Unternehmenskundengeschäft wächst mit +2 Prozent schwächer als das Privatkundengeschäft — hier wird AXA zulegen müssen und auch hier haben die Mitbewerber Ambitionen. Der Trend zu zunehmenden Arbeitsabsenzen wegen psychischer Erkrankungen (47 Prozent der Invaliditätsfälle in Sammelstiftungen) ist ein wachsendes Risiko für die Schadenbelastung. Das Asset Management mit 56 Mrd. Franken verwalteter Drittvermögen ist ein stetig wachsender Ertragspfeiler, hat aber auch noch Potenzial.
Werbung
AXA verfolgt auf Konzernebene eine aggressive Wachstumsstrategie, hat 2025 mit dem Verkauf von AXA IM an BNP Paribas aber einen wichtigen Gewinnbeitrag abgegeben. Das operative Ergebnis blieb robust. AXA ist auf Konzernebene operativ auf Augenhöhe mit Zurich, mit starker Prämienentwicklung, aber etwas höherer strategischer Unsicherheit durch den Asset-Management-Umbau.
Swiss Life hat mit dem Programm «Swiss Life 2027» klare Ziele: Fee-Ergebnis > 1 Mrd. Franken (aktuell 858 Mio Franken., Ziel in zwei Jahren noch zu überbrücken), ROE 17–19 Prozent (2025: 17,2 Prozent und damit knapp im Ziel). Der fast verdoppelte Nettoneugeldzufluss im Asset Management auf 17,7 Mrd. Fr. ist ein sehr starkes Signal und dürfte das Fee-Geschäft weiter beflügeln. Die 750 Mio. Fr. Aktienrückkäufe (bis Mai 2026) stützen den Aktienkurs.
Die Dividende (2025: 36.50 Fr., +4 Prozent) dürfte weiter steigen. Das wichtigste Risiko für Swiss Life ist das Zinsumfeld: Bei der SNB mit Null Prozent Leitzins und steigenden Langfristzinsen ist die Reinvestition des umfangreichen Anlageportfolios anspruchsvoll, und ob und wie das Immobiliengeschäft hier kompensierend wirken wird, bleibt abzuwarten.
Der Contractual Service Margin (CSM), der wichtigste Vorausindikator für künftige Gewinne im Life-Geschäft unter IFRS 17, wuchs um fast 1 Mrd. Fr. auf 15,3 Milliarden Fr. Swiss Life verfolgt drei klare Säulen: Wachstum im Versicherungsgeschäft, Ausbau des Fee-Geschäfts (IFAs, Asset Management), und Steigerung der Cash Remittance an die Holding.
Werbung
Auch hier lohnt sich ein Vergleich mit den europäischen Peers. Das sind Generali, Aviva und L&G. Sowohl beim Return on Equity (RoE) als auch bei den Solvency-Kennwerten liegt man vorne (17 Prozent vs. 12 bis 15; 213 Prozent vs. 160 bis 210 Prozent). Im Gegensatz zur Konkurrenz wächst das Fee-Geschäft stärker, man ist aber aufgrund der Zinssituation im Heimmarkt auch stärker als die Peers auf eine Ausdifferenzierung der Einnahmen angewiesen.