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Finanzplanung

Pensionskassen: Von den Jungen zu den Alten

Wer den Vorsorgeausweis der Pensionskasse prรผft, stellt in der Regel fest: Die voraussichtlichen Renten sinken drastisch.

Martin Suter

Die Umwandlungssรคtze fรผr die Berechnung der Altersrente sinken zunehmend.
Die Umwandlungssรคtze fรผr die Berechnung der Altersrente sinken zunehmend.Getty Images

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Der Blick auf den Pensionskassenausweis zeigt es: Die aufgefรผhrte Altersrente liegt tiefer als im Vorjahr. Was sind die Grรผnde, was unternimmt die Politik โ€“ und wie kรถnnen Unternehmen der Entwicklung entgegenwirken?
Hans Krienbรผhl (60), Abteilungsleiter in einem Maschinenbauunternehmen mit einem Jahreseinkommen von 110'000 Franken, beschรคftigt sich mit seiner Altersvorsorge. Sein Pensionskassenausweis prognostiziert eine voraussichtliche Rente im Alter von 65 Jahren von 27'000 Franken. Er mutmasst, dass die Altersrente frรผher deutlich hรถher war. Der Vergleich mit dem Vorjahresausweis bestรคtigt seinen Verdacht: Da waren es noch 30'000 Franken. Er erinnert sich an einen Brief seiner Pensionskasse, in dem die Senkung des Umwandlungssatzes von 6 auf 5,4 Prozent in Teilschritten innerhalb von drei Jahren angekรผndigt wurde. Die Altersrente hat sich also um 10 Prozent reduziert, ohne dass sein Sparkapital kleiner geworden ist. Die BVG-Mindestrente von 24'300 Franken hat sich indessen nicht verรคndert.

Massiv sinkende Umwandlungssรคtze

In der Tat senken Sammelstiftungen und firmeneigene Pensionskassen die Umwandlungssรคtze fรผr die Berechnung der Altersrente zunehmend und teilweise drastisch in Richtung 5 Prozent. Zwar haben einzelne Einrichtungen noch Sรคtze von รผber 6 Prozent, jedoch wurden fast รผberall Senkungsschritte angekรผndigt. Nur das Senkungstempo unterscheidet sich. Firmeneigene Pensionskassen haben verbreitet bereits Umwandlungssรคtze unter 5 Prozent umgesetzt.

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Die BVG-Mindestrente, die mit einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent berechnet wird, darf dabei nicht unterschritten werden. Sie gilt aber nur auf dem gesetzlichen Minimalsparkapital. Hรถhere Zinsen, ein tieferer Koordinationsabzug, Altersgutschriften auf Lohnteilen รผber dem BVG-Maximallohn von 86'040 Franken fรผhren zu รผberobligatorischem Sparkapital, das nun zur Erfรผllung der BVG-Mindestrente bei einem tieferen Umwandlungssatz herangezogen wird.

Hurra โ€“ wir leben lรคnger!

Die Grรผnde fรผr die Senkung der Sรคtze liegen einerseits bei der steigenden Lebenserwartung und anderseits bei den tiefen Zinsen. Die Lebenserwartung von 65-jรคhrigen Mรคnnern hat sich zwischen 2005 und 2019 von 83,1 Jahren auf 85 Jahre erhรถht, diejenige der 65-jรคhrigen Frauen von 86,6 Jahren auf 87,7 Jahre โ€“ und Corona hat diese Zahlen nur gering relativiert. Das bis zur Pensionierung gesparte Kapital muss deshalb fรผr eine lรคngere Rentenbezugsdauer reichen.
Um die mit einem Umwandlungssatz von 6,8 Prozent berechnete Altersrente ausrichten zu kรถnnen, mรผsste ein jรคhrlicher Zins von annรคhernd 5 Prozent erwirtschaftet werden. Eine solche Rendite ist auch mit grรถsseren Anlagerisiken in Zeiten von Negativzinsen nicht nachhaltig zu erzielen. Somit mรผssen Ertrรคge auf dem Kapital der aktiven Versicherten fรผr die Finanzierung der Renten verwendet werden. Dadurch reduziert sich die Verzinsung von deren Altersguthaben. Diese Umverteilung von den Jungen zu den Alten ist ungewollt und ungerecht.

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Pensionskassen rechnen mit einem technischen Zinssatz von 1,5 bis 2,0 Prozent, um die Rรผckstellungen fรผr laufende Rentenverpflichtungen zu bestimmen. Der versicherungsmathematisch korrekte Umwandlungssatz betrรคgt je nach Rechnungsgrundlage einer Pensionskasse 4,4 bis 5,0 Prozent. Rentenversprechen mit einem hรถheren Umwandlungssatz fรผhren zu sogenannten Pensionierungsverlusten, die die erwรคhnte Umverteilung zur Folge haben.

Reform BVG 21

Der Bundesrat hat am 25. November 2020 die Botschaft zur Reform BVG 21 an die Rรคte รผberwiesen. Die Kommission fรผr soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates (SGK-N) hat gemรคss einer Medienmitteilung vom 20. August 2021 ร„nderungen an der Vorlage beschlossen. So soll die Eintrittsschwelle fรผr die Aufnahme in die berufliche Vorsorge von heute 21'510 Franken auf 12'548 Franken gesenkt werden. Dies soll Personen mit Teilzeitstellen und tieferem Einkommen den Beitritt in die berufliche Vorsorge ermรถglichen. Zudem soll bereits ab einem Alter von zwanzig Jahren gespart werden.
Der Bundesrat hat eine Kompensation fรผr die รœbergangsgeneration vorgeschlagen. Dabei soll eine Zusatzrente von jรคhrlich 2400 Franken fรผr die ersten fรผnf Jahrgรคnge, 1800 Franken fรผr die zweiten fรผnf Jahrgรคnge und 1200 Franken fรผr die dritten fรผnf Jahrgรคnge ausgerichtet werden. Die SGK-N hat diese Kompensation eingeschrรคnkt. Sie soll nicht allen Versicherten gewรคhrt werden, sondern kommt nur infrage, wenn die neue BVG-Rente damit die reglementarische Rente der Pensionskasse รผbersteigt.

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Die aktuellen Umwandlungssรคtze der Pensionskassen sind jedoch bereits tiefer als die in der Gesetzesvorlage berรผcksichtigten 6 Prozent. Die Vorlage behebt die Probleme rund um die Baustelle Altersrente nur zum Teil. Zusรคzliche Leistungen fรผr Geringverdiener stehen mehr im Fokus als eine Lรถsung fรผr die problematische Umverteilung von Jung zu Alt.
Es ist nicht zu erwarten, dass eine BVG-Revision die Baustelle bei den Altersrenten der beruflichen Vorsorge behebt. Die Unternehmen sind deshalb gefordert, selbst gute Lรถsungen fรผr ihre Mitarbeitenden anzubieten.

Arbeitgeber sind gefordert

Damit die Beispielperson Hans Krienbรผhl auf eine bessere Altersrente kommt, muss er entweder lรคnger erwerbstรคtig sein oder bis zur Pensionierung ein hรถheres Altersguthaben angespart haben.
Diese Mรถglichkeiten haben Unternehmen, um Altersrenten zu verbessern: โ€ข Sie kรถnnen den Wechsel zu einer Sammeleinrichtung mit hรถherem Verzinsungspotenzial und/oder kurzund mittelfristig hรถheren Umwandlungssรคtzen prรผfen. Oftmals lassen sich dabei auch bei den Risikoprรคmien und Verwaltungskosten Einsparungen erzielen, die zur Erhรถhung der Sparbeitrรคge verwendet werden kรถnnen. Allerdings ist es fรผr Unternehmen mit einem Sparplan gemรคss BVG-Minimum kaum mรถglich, ein Angebot im Markt zu erhalten. Die Altersgutschriften mรผssten im Minimum um 1 Prozent des versicherten Lohnes erhรถht werden. Auch Unternehmen mit einem hohen Durchschnittsalter der Versicherten erhalten oft keine Angebote.

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โ€ข Durch eine Reduktion oder Elimination des Koordinationsabzuges, durch einen frรผheren Sparbeginn und durch eine Erhรถhung des versicherten Maximallohnes erhรถht sich das beitragspflichtige Einkommen. Zudem erhalten die Versicherten die Mรถglichkeit, sich zusรคtzlich einzukaufen.
โ€ข Die Arbeitgebersparbeitrรคge sowie generell oder wahlweise die Beitrรคge der Versicherten kรถnnen erhรถht werden. Dies nรผtzt allerdings denjenigen wenig, die kurz vor der Pensionierung stehen. Die hรถheren Sparbeitrรคge werden zu wenig lange einbezahlt.
โ€ข Der Arbeitgeber kann zur Kompensation von Rentenkรผrzungen zusรคtzliche Einlagen vornehmen. Solche Einlagen kรถnnen in annualisierter Form erfolgen, damit Personen, die das Unternehmen verlassen, nicht รผber das Austrittsdatum hinaus profitieren.
Martin Suter ist Practice Leader Berufliche Vorsorge bei Kessler & Co AG, Zรผrich.

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