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ESG-Kriterien

Pensionskassen mΓΌssen bei der Nachhaltigkeit vorwΓ€rtsmachen

Erst ein Drittel der Pensionskassen hat ESG-Kriterien im Anlagereglement verankert. Neue Regulierungen sorgen fΓΌr Handlungsbedarf.

Dr. Kurt Speck, Chefredaktor i.o.New Management © Bruno Arnold

Insgesamt 17 Ziele fΓΌr eine nachhaltigere Welt haben sich die Staaten der Erde bis 2030 gesetzt.
Insgesamt 17 Ziele fΓΌr eine nachhaltigere Welt haben sich die Staaten der Erde bis 2030 gesetzt.imago/IPON

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Die geopolitischen Risiken sind mit dem Ukraine-Krieg zwar in den Vordergrund gerΓΌckt, doch die Debatte um die KlimaerwΓ€rmung ist deswegen nicht verstummt. Damit bleiben auch die Pensionskassen in der Verantwortung. Immer mehr StiftungsrΓ€te und Anlagekommissionen beziehen Kriterien in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance bei der Festlegung ihrer Asset Allocation mit ein. Es gibt aber noch viel Spielraum nach oben. GemΓ€ss der jΓΌngsten Swisscanto-Pensionskassenstudie hat erst ein Drittel der Vorsorgeeinrichtungen spezielle ESG-(Β«Environment, Social, GovernanceΒ»-)Kriterien im Anlagereglement verankert. Klar ist aber: Der inlΓ€ndische Finanzsektor beschΓ€ftigt sich zunehmend mit den Vorgaben der Vereinten Nationen und dem Pariser Klimaabkommen. Β«Die institutionellen Investoren haben erkannt, welche Bedeutung die Nachhaltigkeit in der Gesellschaft hatΒ», sagt Antoinette Hunziker-Ebneter, die sich als GrΓΌndungspartnerin von Forma Futura schon vor bald zwei Jahrzehnten der nachhaltigen VermΓΆgensverwaltung verschrieben hat.
Anteil Pensionskassen mit ESG-Kriterien im Anlagereglement
Anteil Pensionskassen mit ESG-Kriterien im Anlagereglement
Anteil Pensionskassen mit ESG-Kriterien im Anlagereglement.Β Quelle: Swisscanto Pensionskassenstudie 2022.Swisscanto
Anteil Pensionskassen mit ESG-Kriterien im Anlagereglement.Β Quelle: Swisscanto Pensionskassenstudie 2022.Swisscanto

EU-Taxonomie als Taktgeber

Bisher setzt die Schweiz beim Thema Nachhaltigkeit vor allem auf freiwillige Empfehlungen und weniger auf gesetzgeberische Massnahmen. Einzig im Gefolge der Abzocker-Initiative wurden die Pensionskassen verpflichtet, bei den Manager-VergΓΌtungen und der Wahl des Verwaltungsrats von bΓΆrsenkotierten Schweizer Firmen ihre Stimmrechte auszuΓΌben und dies gegenΓΌber den Versicherten offenzulegen. Anders ist das in der EuropΓ€ischen Union (EU), wo regulatorische Initiativen den Kurs bestimmen. Mit der EU-Taxonomie wird definiert, welche WirtschaftstΓ€tigkeiten als ΓΆkologisch nachhaltig angesehen werden. Die internationale Entwicklung beeinflusst auch die AktivitΓ€ten in der beruflichen Vorsorge. AngefΓΌhrt durch bundesnahe Pensionskassen wie SBB, Post oder Swisscom wurde der Schweizer Verein fΓΌr verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK) gegrΓΌndet. FΓΌr die Mitglieder massgeblich sind die UNO-Prinzipien. Der Verein identifiziert anhand der ESG-Kriterien problematische Unternehmen und fΓΌhrt mit ihnen einen Dialogprozess. Im Zentrum steht eine Β«Schwarze ListeΒ» mit Firmen, die gegen Schweizer Gesetze oder ratifizierte internationale Konventionen verstossen.

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Fehlende Standards, keine Transparenz

Trotz intensiven BemΓΌhungen gibt es derzeit keinen international anerkannten Standard dafΓΌr, wie Unternehmen ΓΌber ihre Umwelt- und Sozialrisiken berichten sollen. Experten nennen die Finanzkennzahlen als Vorbild, wo die Rechnungslegungsvorschriften der International Financial Reporting Standards (IFRS) seit Jahrzehnten fΓΌr Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen. Davon ist die Berichterstattung im Bereich der ESG-Kriterien noch ein StΓΌck weit entfernt. Aus der Sicht von Nachhaltigkeitspionierin Hunziker-Ebneter braucht es mehr Transparenz: Β«Wir mΓΌssen erklΓ€ren kΓΆnnen, wie wir Nachhaltigkeit messen kΓΆnnen.Β» Erste erfolgversprechende AnsΓ€tze gibt es. Nebst der EU haben die Vereinten Nationen die Principles for Responsible Investment  (PRI) erarbeitet, die sich auch mit den Berichtspflichten von Unternehmen befassen. Trotzdem bleiben einheitliche Definitionen schwierig. Am weitesten fortgeschritten ist die Standardisierung im Bereich Umwelt. DemgegenΓΌber hinken die Rating-AnsΓ€tze bei den Kategorien Β«SozialΒ» und Β«UnternehmensfΓΌhrungΒ» hinterher. Im weltweiten Rahmen stΓΌtzen sich die grossen Investoren zu einem erheblichen Teil auf die ESG-Ratings der US-Ratingagentur MSCI.

Nachhaltigkeit versus Rendite

Bei der Beurteilung nach ESG-Kriterien kommen verschiedene Screening-Strategien zum Einsatz. Die ursprΓΌnglich passiven AnsΓ€tze (positives und negatives Screening) wurden um aktive Strategien (Engagement und Shareholder Activism) sowie den Best-in-Class Ansatz ergΓ€nzt. Trotz neuen Tools sind Investmentstrategien gestΓΌtzt auf Ausschlusskriterien weiterhin am stΓ€rksten verbreitet. Unternehmen mit kontroversen AktivitΓ€ten wie etwa Waffenproduktion, Tabak oder GlΓΌcksspiele werden gemieden. Wenn es um die Umsetzung der Nachhaltigkeitsaspekte geht, nehmen die grossen Pensionskassen mit verwalteten VermΓΆgen von mehr als 500 Millionen Franken eine Vorreiterrolle ein. Eva Maria Hintner, Country Head Switzerland beim Asset Manager Columbia Threadneedle, beobachtet bei den einheimischen Vorsorgeeinrichtungen Β«ein verstΓ€rktes EngagementΒ», das allerdings noch nicht das Niveau wie etwa in den Niederlanden oder den skandinavischen Staaten erreicht. Sie spricht von einem pragmatischen Ansatz, bei dem man Β«nicht mit einer hohen Nachhaltigkeit eine mΓΆgliche Rendite abgeben will.Β» Dabei zeigen verschiedene Studien auf, dass bei der finanziellen Performance von Socially Responsible Investments keine systematischen Unterschiede gegenΓΌber traditionellen Anlagen bestehen. Der nachhaltige MSCI World Socially Responsible Index hat sich ΓΌber eine Zehnjahresperiode hinweg praktisch identisch entwickelt wie sein klassischer Gegenpart MSCI World.

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Messung der CO2-Emissionen in % aller Vorsorgeeinrichtungen
Messung der CO2-Emissionen in % aller Vorsorgeeinrichtungen
Messung der CO2-Emissionen in Prozent aller Vorsorgeeinrichtungen.Β Quelle: Swisscanto Pensionskassenstudie 2022.Swisscanto
Messung der CO2-Emissionen in Prozent aller Vorsorgeeinrichtungen.Β Quelle: Swisscanto Pensionskassenstudie 2022.Swisscanto
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