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Pensionskassen

Pensionskassen im Stresstest

Deckungsgrad, technischer Zins und der Anteil Aktivversicherter sind fΓΌr die Gesundheit der Pensionskassen die wichtigsten Indikatoren.

Matthias Niklowitz, Journalist und Jurymitglied des Swiss Insurance Innovation Award.

Eine Überprüfung der Vorsorgestiftung ist für KMUs in der Regel alle drei bis fünf Jahre sinnvoll.
Eine Überprüfung der Vorsorgestiftung ist für KMUs in der Regel alle drei bis fünf Jahre sinnvoll.Redgrisu - stock.adobe.com

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Exakt 10 Prozent steht der Pensionskassenindex der Credit Suisse Ende Oktober 2022 im Minus. Ohne den vergleichsweise guten Oktober mit einem Plus von knapp 2 Prozent wΓ€re die Zwischenbilanz noch dΓΌsterer gewesen – allein im September gab es einen RΓΌckschlag von 3,7 Prozent. Das Plus im Oktober war auf eine Erholung bei den Aktien zurΓΌckzufΓΌhren. Immobilien und LiquiditΓ€t belasteten dagegen die Monatsbilanz.
Damit stellt sich fΓΌr die Vorsorge bei den KMU eine Reihe von Fragen, zumal bewΓ€hrte Vorsorgeanlagerezepte im laufenden Jahr nicht mehr funktionieren: Aktien und Obligationen sind beide deutlich gefallen, und auch fΓΌr den Renditeobjekte-Immobilienmarkt verdΓΌstern sich gemΓ€ss den Expertinnen und Experten von Iazi die Perspektiven.

Nicht nur eine einzelne Zahl

Β«GrundsΓ€tzlich ist festzuhalten, dass steigende Zinsen mittel- und langfristig positive Auswirkungen fΓΌr Pensionskassen habenΒ», sagt Simon Tellenbach, GeschΓ€ftsleiter Firmenkunden bei der VZ-Gruppe in ZΓΌrich. Β«Denn sie haben immer noch einen bedeutenden Teil des VermΓΆgens in Zinswerte investiert, die nun zukΓΌnftig positive RenditebeitrΓ€ge erzielen sollten.Β» Trotzdem haben die in kurzer Zeit steigenden Zinsen bei Obligationen sowie die Entwicklung am Aktienmarkt fΓΌr deutliche KurseinbrΓΌche gesorgt. Β«Diese Entwicklung hat einige Pensionskassen mit einem sogenannten teilautonomen Modell in eine Unterdeckung getriebenΒ», so Tellenbach weiter.

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Bei VollversicherungslΓΆsungen garantiert die Versicherung das Altersguthaben unabhΓ€ngig von der Entwicklung am Kapitalmarkt. Β«Wir empfehlen grundsΓ€tzlich, sich bei der Pensionskasse ΓΌber die aktuelle finanzielle Lage zu informieren. Kurzfristige Unterdeckungen sind bei einem teilautonomen Modell mΓΆglich und auch nicht aussergewΓΆhnlich.Β» Das Pensionskassenmodell sollte laut Tellenbach daher langfristig gewΓ€hlt werden – und nicht aufgrund kurzfristiger massiver Kursschwankungen. Β«Ebenfalls empfehlen wir eine aktive Informationspolitik gegenΓΌber den versicherten Personen, konkret den eigenen versicherten Mitarbeitenden.Β»
FΓΌr die Beurteilung der finanziellen Gesundheit kΓΆnne grundsΓ€tzlich nicht eine einzige Kennzahl betrachtet werden, so Tellenbach. Β«Wir empfehlen, verschiedene Kennzahlen heranzuziehen.Β» Zentral ist der sogenannte Deckungsgrad – er gibt Auskunft ΓΌber die finanzielle Gesundheit einer Pensionskasse. Liegt der Deckungsgrad ΓΌber 100 Prozent, kΓΆnnte die Vorsorgeeinrichtung alle Verpflichtungen auszahlen, sofern sie vollstΓ€ndig zum Berechnungszeitpunkt fΓ€llig wΓ€ren. Β«Je hΓΆher der Deckungsgrad, umso besserΒ», fasst Tellenbach zusammen. Β«FΓ€llt der Deckungsgrad darunter, spricht man von einer Unterdeckung. Die Vorsorgeverpflichtungen kΓΆnnen nicht durch das Vorsorgekapital gedeckt werden.Β»

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Ab 90 Prozent Deckungsgrad spricht man von Β«erheblicher UnterdeckungΒ». Die Pensionskasse ist spΓ€testens dann verpflichtet, Sanierungsmassnahmen in die Wege zu leiten. Β«Die betreffen auch die Versicherten. Der Deckungsgrad sollte jedoch nicht isoliert betrachtet werdenΒ», so Tellenbach. Β«Auch der technische Zinssatz ist eine wichtige Kennzahl. Er wird herangezogen, um kΓΌnftige Rentenzahlungen zu bewerten. Je tiefer der technische Zins, desto hΓΆher muss das Vorsorgekapital in der PK sein.Β» Senkt sie im Laufe der Zeit den technischen Zins, muss mit einer Reduktion des Deckungsgrades gerechnet werden. FΓΌr die Beurteilung der AttraktivitΓ€t der Pensionskasse solle zudem auch das VerhΓ€ltnis von aktiv zu passiv Versicherten nicht ausser Acht gelassen werden, so Tellenbach.

Nicht zu rasch wechseln

Die Überprüfung der Vorsorgestiftung ist laut Tellenbach in der Regel alle drei bis fünf Jahre sinnvoll. «GrundsÀtzlich sollte das Pensionskassenmodell langfristig gewÀhlt werden. Neben dem optimalen Modell empfiehlt es sich auch von Zeit zu Zeit, den Vorsorgeplan und die Kosten kritisch zu hinterfragen.» In der aktuellen Lage an den FinanzmÀrkten sei bei einem Wechsel jedoch Vorsicht geboten. «Ist die bestehende Stiftung per Ende 2022 in Unterdeckung, kann es bei Kündigung des Anschlusses zu Kürzungen des Altersguthabens kommen», sagt Tellenbach.

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Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in der Handelszeitung Nr. 46, 17. November 2022, unter dem Titel Β«Pensionskassen im StresstestΒ».
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