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Vorsorge

Welche Pensionskassen-Variante bringt dem KMU mehr?

Vollversicherung oder Teilautonomie? Sicherheit oder Rendite? Die Wahl des Vorsorgemodells ist eine wichtige Entscheidung.

Matthias Niklowitz

Rettungsring am Hafen
Sie sind beliebt, weil sie Sicherheit vermitteln: vollautonome Versicherungen. Aber sie haben ihren Preis. S.Kobold - stock.adobe.com

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Bei der Einfรผhrung des BVG im Jahr 1985 gab es in der Schweiz rund zwanzig Versicherungsgesellschaften, die Vollversicherungen fรผr KMU anboten. Inzwischen sind es noch fรผnf โ€“ denn die demografische Entwicklung, die inzwischen abgeschlossene lange Tiefzinsphase und der politische Reformstau hatten das bei KMU beliebte Modell fรผr die Anbieter unattraktiv gemacht.
KMU mรถgen oft das Vollversicherungspaket, weil es ihnen viele Themen um die berufliche Vorsorge ihrer Mitarbeitenden abnimmt โ€“ und dazu gehรถren auch die Anlagerisiken.
Swiss Life zรคhlt zu den grossen Versicherungen, die laut eigenen Angaben ihren Unternehmenskunden als Vollsortimenterin das gesamte Spektrum von Lรถsungen in der beruflichen Vorsorge anbietet. Die Versicherung berรคt die KMU, immer auf deren Bedรผrfnisse und Risikofรคhigkeit abgestimmt, individuell. ยซEs ist uns deshalb wichtig, dass wir diese Angebotsbreite hier darstellen und โ€“ so, wie wir es auch fรผr unsere Kunden tun โ€“ einordnen kรถnnenยป, sagt Swiss-Life-Sprecherin Julie Albisser.

Vollautonome schliessen Risiken aus

In der Vollversicherung werden laut Swiss Life jegliche Nachschusspflichten fรผr angeschlossene Vorsorgewerke bewusst ausgeschlossen, sodass jahrelange zusรคtzliche Beitrรคge zulasten der Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden unter allen Umstรคnden verhindert werden. ยซDiese Sicherheiten entsprechen nicht nur einem Bedรผrfnis von KMU, sondern auch von grรถsseren, auch international tรคtigen Firmenยป, so die Sprecherin. Die Vollversicherungslรถsung sei fรผr diejenigen Unternehmen gut, die in Rรผcksprache mit ihrer Vorsorgekommission eine langfristig konstante Verzinsung der Altersguthaben suchen und dabei die Risiken mรถglicher Sanierungsmassnahmen definitiv ausschliessen mรถchten (nicht zuletzt auch, um die Flexibilitรคt zu erhalten, jederzeit รผber eine Anpassung und gegebenenfalls einen Wechsel der Pensionskassenlรถsung nachzudenken).

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Die Vollversicherung kรถnne laut Albisser grundsรคtzlich fรผr jedes KMU eine Option sein. ยซIm gemeinsamen Gesprรคch mit den Kundinnen und Kunden evaluieren wir individuell, welche Lรถsung am besten geeignet ist. Dabei kรถnnen sie aus unserem Vollsortiment, bestehend aus Vollversicherung (Stiftungen tragen keinerlei Anlageentscheide und -risiken) wรคhlen sowie aus allen teilautonomen Modellen, beispielsweise den kollektiv gefรผhrten Anlagen der Altersguthaben auf Stufe Stiftung und der Lรถsung mit anschlussspezifisch gefรผhrten Anlagen der Altersguthaben.ยป

Teilautonome sind freier

Die Axa ist 2018 spektakulรคr aus dem Vollversicherungsgeschรคft ausgestiegen โ€“ viele KMU sind dann von Swiss Life รผbernommen worden. Axa-Sprecherin Anna Ehrensperger weist denn auch auf die Nachteile hin. ยซVollversicherungen bieten zwar eine weiter gefasste Garantie, dafรผr zahlen KMU jedoch einen hohen Preis in Form von tiefer Verzinsung, tieferen Renten und hรถheren Kosten- und Risikobeitrรคgen.ยป
Teilautonome BVG-Lรถsungen, wie sie Axa und viele weitere inzwischen anbieten, hรคtten ein besseres Preis-Leistungs-Verhรคltnis. ยซSie sind deutlich freier in der Anlagestrategie, da sie nicht an das enge regulatorische Korsett der Vollversicherung gebunden sindยป, so Ehrensperger. ยซDadurch kรถnnen sie langfristig deutlich bessere Ertragschancen zugunsten der Versicherten erzielen.ยป Dank dem Zinseszinseffekt hรคtten die Versicherten somit die Aussicht auf eine hรถhere Rente im Alter. ยซZudem werden in den teilautonomen BVG-Lรถsungen die Leistungen bei Tod oder Invaliditรคt ebenfalls durch die Lebensversicherung rรผckgedecktยป, erklรคrt die Axa-Sprecherin.

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Kurzfristig gesehen wirken sich die steigenden Zinsen negativ auf die Performance auf dem bestehenden Obligationenportfolio aus. ยซDa Vollversicherungen einen deutlich grรถsseren Anteil ihrer Anlagen in Obligationen investieren, sind sie von der negativen Wertentwicklung durch den Zinsanstieg stรคrker betroffenยป, so Ehrensperger. ยซLรคngerfristig gesehen haben steigende Zinsen den Vorteil, dass Neuanlagen in Obligationen wieder mehr Rendite abwerfen โ€“ fรผr die Zukunft ist dies positiv zu werten, was die Rendite von Pensionskassengeldern betrifft.ยป
Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in der Handelszeitung Nr. 46, 17. November 2022, unter dem Titel ยซGute Argumente fรผr beide Variantenยป.
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