Die Assekuranz gehΓΆrt zweifellos zu den wichtigsten Pfeilern der Schweizer Volkswirtschaft: Als RisikotrΓ€gerin reduziert sie Unsicherheiten fΓΌr Personen und Unternehmen und nimmt darΓΌber hinaus weitere wichtige Rollen als Arbeitgeberin, Steuerzahlerin und institutionelle Investorin ein.
Vor diesem Hintergrund hat sich das Institut fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern zum Ziel gesetzt, erstmalig einen transparenten und aggregierten Γberblick des Schweizer Direktversicherungsmarkts auf individueller Unternehmensebene bereitzustellen.
Autor:
Prof. Dr. Florian Schreiber ist Insurance Lead am Institut fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug IFZ der Hochschule Luzern β Wirtschaft. In dieser Rolle fungiert er auch als Programmleiter des Weiterbildungslehrgangs CAS Future of Insurance sowie als Herausgeber des IFZ Insurance Insights Blog.
Sechsteilige Sonderserie
Das wissenschaftliche Studiendesign erlaubt die Beantwortung einer Vielzahl wichtiger Fragestellungen, wie beispielsweise: Wie schΓ€tzt die Branche die Herausforderungen durch verschiedene Makrotrends ein? Welche digitalen Technologien erachtet sie als relevant und welche nicht? Welche Versicherer erzielen die hΓΆchsten Kapitalrenditen? Wie sind die GeschΓ€ftsleitungen bzw. die VerwaltungsrΓ€te der Versicherer zusammengesetzt? Im Rahmen einer sechsteiligen Sonderserie werden wir Ihnen in den nΓ€chsten drei Wochen eine abwechslungsreiche LektΓΌre mit spannenden AuszΓΌgen aus der IFZ Versicherungsstudie 2020 prΓ€sentieren.
Neue Wettbewerber auf dem Vormarsch?
Den Startschuss hierzu bildet heute die Frage, in welchem Gewand sich das zukΓΌnftige Wettbewerbsumfeld der Schweizer Assekuranz prΓ€sentieren wird. WΓ€hrend die Branche in der Vergangenheit vornehmlich die direkten Versicherungskonkurrenten β also diejenigen Unternehmen mit Γ€hnlichen Produkten, Dienstleistungen, VertriebskanΓ€len, Marktanteilen etc. β als primΓ€re Wettbewerber identifiziert hat, muss die Aufmerksamkeit in Zeiten der digitalen Transformation zunehmend auch versicherungsfremden Industrien und Unternehmen gelten. Auch wenn diese augenscheinlich nicht direkt mit den traditionellen Anbietern im Wettbewerb stehen β indem sie beispielsweise keine klassischen Versicherungsprodukte vertreiben β so konkurrenzieren sie mittels innovativer Angebote und GeschΓ€ftsmodelle dennoch um die Gunst der Kundschaft und sollten daher mit der nΓΆtigen Sorgfalt beobachtet werden.
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Wettbewerb vornehmlich branchenintern erwartet
Um zu beleuchten, inwieweit die Schweizer Versicherer den Eintritt neuer Wettbewerber als wahrscheinlich erachten, haben wir eine empirische Umfrage unter den EntscheidungstrΓ€gern der Branche lanciert. Die Antworten auf die Frage, welche Konkurrenz zukΓΌnftig von den in der Abbildung 1 aufgefΓΌhrten Anbietertypen zu erwarten ist, reichten von Β«1: Γberhaupt keine KonkurrenzΒ» bis hin zu Β«5: Sehr hohe KonkurrenzΒ». Entgegen der seit geraumer Zeit im Raum stehenden Vorhersage, dass die Branchengrenzen zunehmend verschwimmen und neuen Wettbewerbern TΓΌr und Tor geΓΆffnet sein werden, ist dieser Trend fΓΌr die Schweizer Assekuranz derzeit noch nicht wirklich absehbar. Die in Abbildung 1 dargestellten Ergebnisse belegen, dass die befragten Versicherer mit einer ΓΌberwΓ€ltigenden Mehrheit (84 Prozent) ihre heutigen Mitwettbewerber β also diejenigen Anbieter, die in den gleichen Versicherungssparten tΓ€tig sind β auch als grΓΆsste zukΓΌnftige Konkurrenten betrachten (Γ: 4,24).
Abbildung 1: Konkurrenz der ZukunftΒ βΒ EinschΓ€tzungen des Markts.zVg
Abbildung 1: Konkurrenz der ZukunftΒ βΒ EinschΓ€tzungen des Markts.zVg
Tech-Konzerne und Insurtechs nur mittelmΓ€ssig relevant
Ungeachtet der zum Teil gewaltigen Summen, die weltweit an Risikokapital in Startups investiert werden, ist der grosse Insurtech-Knall in der Schweiz bisher ausgeblieben. Dass dies auch zukΓΌnftig so bleiben wird, erwarten immerhin 61 Prozent der Umfrageteilnehmenden. Lediglich 9 Prozent schreiben den Startups ein Β«sehr hohesΒ» Konkurrenzpotenzial zu.
Die knapp 300-seitige IFZ Versicherungsstudie 2020 β welche fortan auf jΓ€hrlicher Basis erscheinen wird β umfasst unter anderem die folgenden Schwerpunktthemen:
Herausarbeitung zentraler strategischer Herausforderungen der Schweizer Assekuranz (unter anderem globale Makrotrends, digitale Technologien etc.)
Faktenbasierte Benchmarking-Analyse der einzelnen Versicherer in den Sparten Leben und Nichtleben anhand zwΓΆlf ausgewΓ€hlter KPI
Untersuchung der Corporate-Governance-Strukturen der Versicherer, mit Fokus auf den Verwaltungsrat und die GeschΓ€ftsleitung
Factsheets aller Schweizer Versicherer fΓΌr einen transparenten Γberblick der Assekuranz