Die zustΓ€ndige Kommission muss nun eine Vorlage erarbeiten. Γber das Volksbegehren selbst hat der Nationalrat am Montag noch nicht entschieden.
Beim Entscheid ΓΌber die AHV-Schuldenbremse folgte die grosse Kammer knapp, mit 93 zu 92 Stimmen bei einer Enthaltung, dem Antrag einer Minderheit ihrer Kommission fΓΌr soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-N).
Nebst der FDP votierten auch die SVP und die GLP dafΓΌr, das GeschΓ€ft an die Kommission zurΓΌckzuweisen. Dies gebe der Kommission eine Chance, eine bessere LΓΆsung fΓΌr die Finanzierung der Renten der Babyboomer zu finden, argumentierte Melanie Mettler (GLP/BE) mit Erfolg. Denn in der heutigen Situation sei der Generationenvertrag aus der Balance.
SVP schwenkt um
Das Ja der SVP-Fraktion zu dem RΓΌckweisungsantrag kam ΓΌberraschend. Denn Fraktionschef Thomas Aeschi (ZG) hatte zu Beginn der mehrstΓΌndigen Debatte angekΓΌndigt, man werde gegen den Minderheitsantrag stimmen. Auch eine AHV-Schuldenbemse laufe absehbar auf eine automatische RentenaltererhΓΆhung hinaus, sagte er.
In einem ersten Anlauf hatte der Nationalrat den RΓΌckweisungsantrag mit 90 zu 89 Stimmen bei einer Enthaltung angelehnt. Danach stimmte der Rat jedoch auf Antrag von Andri Silberschmidt (FDP/ZH) ein zweites Mal ab, weil zunΓ€chst noch nicht alle NationalrΓ€tinnen und NationalrΓ€te an ihrem Platz gewesen waren.
Umstrittener Automatismus
Γber die Volksinitiative Β«FΓΌr eine sichere und nachhaltige Altersvorsorge (Renteninitiative)Β» selbst entschied der Nationalrat am Montag nicht.
Die Jungfreisinnigen wollen mit dem Volksbegehren das Rentenalter an die durchschnittliche Lebenserwartung koppeln. In einem ersten Schritt wΓΌrde es fΓΌr beide Geschlechter auf 66 Jahre erhΓΆht. Danach soll das Rentenalter pro Monat zusΓ€tzlicher Lebenserwartung um 0,8 Monate steigen.
Der Bundesrat stellt sich gegen einen solchen Automatismus. Damit hΓ€tte die Politik keinen Spielraum mehr, um andere Kriterien wie etwa die Lage auf dem Arbeitsmarkt zu berΓΌcksichtigen, wandte er ein. Weitere Reformen der AHV seien zudem bereits in Arbeit.
Der StΓ€nderat hatte der Initiative im MΓ€rz eine Absage erteilt. Γber einen mΓΆglichen Gegenvorschlag hatte er nicht zu befinden, da kein entsprechender Antrag vorlag.
In der mehrstΓΌndigen Debatte zeichnete sich ab, dass es die Renteninitiative auch in der grossen Kammer schwer haben dΓΌrfte. Mit Ausnahme der Freisinnigen unterstΓΌtzte keine Fraktion das Vorhaben.
Nicht alle gleich betroffen
Mehrere Rednerinnen und Redner kritisierten die Initiative als sozial ungerecht. Schon heute kΓΆnnten sich Gutverdienende eine FrΓΌhpensionierung eher leisten, sagte etwa Jon Pult (SP/GR). Ein hΓΆheres Rentenalter treffe jene, die kΓΆrperlich hart arbeiteten - und damit jene Menschen, die auch eine geringere Lebenserwartung hΓ€tten.
Β«Das Leben der Menschen ist nicht arithmetisch durchschnittlichΒ», stiess Natalie Imboden (GrΓΌne/BE) ins gleiche Horn. Wenn das Rentenalter steige, bleibe jenen, die es bereits im Erwerbsleben nicht immer leicht hΓ€tten, weniger Zeit im wohlverdienten Ruhestand.
Flavia Wasserfallen (SP/BE) warnte, bei einer Annahme der Initiative wΓΌrden Kosten einfach in andere Sozialwerke verlagert, etwa in die Arbeitslosenversicherung und die Sozialhilfe. Die Lage der Γ€lteren Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen wΓΌrde weiter verschlechtert.
Kritik am Zeitpunkt
Christian Lohr (Mitte/TG) erinnerte daran, dass das Volk der ErhΓΆhung des Frauen-Rentenalters auf 65 Jahre nur knapp zugestimmt habe. Nun gleich nachzulegen, zeuge von mangelndem EinfΓΌhlungsvermΓΆgen gegenΓΌber Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen.
In einer Zeit, in denen Milliarden fΓΌr die Rettung einer Grossbank zur VerfΓΌgung stΓΌnden, sei eine Rentenalter-ErhΓΆhung auf 66, 67 oder 68 Jahre der BevΓΆlkerung schwierig zu vermitteln, gab Thomas BlΓ€si (SVP/GE) zu bedenken.
Interessen der nΓ€chsten Generation
FΓΌr ein Ja zur Initiative setzte sich die FDP ein. Es gehe darum, den Interessen der nΓ€chsten Generation gerecht zu werden, sagte Regine Sauter (FDP/ZH). Das Problem der Alterung der Gesellschaft werde von der Politik auf die lange Bank geschoben wie kein anderes, sagte Beat Walti (FDP/ZH).
Nach aktuellen Prognosen werde die AHV in 19 Jahren ihr Kapital aufgebraucht haben, erklΓ€rte Andri Silberschmidt. Ab dann kΓΆnne die AHV ihre Leistungen nicht mehr finanzieren. (sda/hzi/kbo)