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EU-Regulatorien als Booster

Nachhaltigkeit als Digitalisierungs-Lokomotive

Politik und Gesellschaft fordern von Versicherern Transparenz auf dem Weg zur Nachhaltigkeit. Neue Regulative bieten Chancen fΓΌr die Digitalisierung.

Markus Costabiei

Anfang 2024 mΓΌssen alle Versicherer mit einem jΓ€hrlichen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro oder 250 Mitarbeitern die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fΓΌr das GeschΓ€ftsjahr 2023 umsetzen.
Anfang 2024 mΓΌssen alle Versicherer mit einem jΓ€hrlichen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro oder 250 Mitarbeitern die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fΓΌr das GeschΓ€ftsjahr 2023 umsetzen.Getty Images/Caiaimage

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Versicherungen befinden sich in einer doppelten Transformation: hin zu digitalen und nachhaltigen Unternehmen. Dabei schiebt die Nachhaltigkeit die Digitalisierung an, wie Larry Fink in seinem aktuellen Brief an die CEOs unterstreicht: Β«Der Wandel zu einer klimaneutralen Welt wird jedes Unternehmen und jede Branche fundamental verΓ€ndern. Die Frage ist: Werden Sie diesen Wandel anfΓΌhren – oder sich fΓΌhren lassen?Β» Der Blackrock-GrΓΌnder ist nicht der Einzige, der sich fΓΌr eine nachhaltige UnternehmensfΓΌhrung ausspricht. Auch seitens Gesellschaft und Politik steigt der Druck auf Versicherungen und Unternehmen, Transparenz und Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu verankern. Damit wird die Regulatorik sicherlich zunehmen. Gleichzeitig ergeben sich aus den neuen Richtlinien und Verordnungen aber auch Chancen fΓΌr Versicherungen.
HZ Insurance Gastautor, Markus Costabiei, ist GrΓΌnder und CEO von Solerte. Der Experte fΓΌr regulatorische Compliance hat sich in den Themen ESG, LkSG, EQR und Kreislaufwirtschaft das Vertrauen von Finanzdienstleistern und Organisationen im In- und Ausland erarbeitet. Mit seinem interdisziplinΓ€ren Team verbindet er strategische Technologieberatung und Implementierung von regulatorischer Compliance auf Basis von disruptiven Technologien wie KI, Blockchain, IoT und Cybersicherheit.

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Schweiz orientiert sich an den EU Regulierungen

Fest steht: Die EU rollt die Nachhaltigkeitsgesetzgebung weiter aus, beginnend mit den Richtlinien zu Sustainable Finance bis hin zu den sozialen, ΓΆkologischen und Governance-Schwerpunkten der ESG. Die Schweiz hat eine international abgestimmte Gesetzgebung, die sich an der heute in der EU geltenden Regulierung orientiert. Der Bundesrat setzt sich dafΓΌr ein, dass die verschiedenen Standards zur Nachhaltigkeit auf nationaler und internationaler Ebene aufeinander abgestimmt werden. Ziel ist es, die Wirtschaft in der Schweiz und Europa hin zu einer grΓΌnen und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft zu entwickeln.

Versicherer spielen eine entscheidende Rolle

Damit ist auch die Schweizer Versicherungsbranche von den EU-Regulatorien betroffen. Mehr noch: Versicherungen spielen in dem Zusammenwirken sogar eine entscheidende Rolle. Einerseits zΓ€hlen sie neben Banken zu den am stΓ€rksten regulierten Branchen. Andererseits steigt der Einfluss von Investoren und Kundinnen bezΓΌglich nachhaltiger Anlage- und Investitionsstrategien; Stichwort Sustainable Finance. Dies trΓ€gt dazu bei, dass Versicherungen ESG als Wettbewerbsfaktor taxieren und in das Zentrum ihres Handelns rΓΌcken, um mittel- und langfristig wettbewerbsfΓ€hig zu bleiben.

Umsetzung von ESG-Praktiken in der Versicherungsbranche

Die Versicherungsbranche wurde von Gesetzgebern zusammen mit den Banken als eine der ersten Branchen aufgefordert, Rechenschaft ΓΌber ihre ESG-AktivitΓ€ten abzulegen. Die EU-Regulatorien fordern insbesondere von Versicherungen nachhaltiges Handeln, wie zum Beispiel die Transparenzverordnung festhΓ€lt.

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Es sieht danach aus, als wΓΌrde mit der ESG der Shareholder-Kapitalismus durch den Stakeholder-Kapitalismus ersetzt.
Jedoch stellt die Offenlegungspflicht nur eine der Herausforderungen dar, mit denen sich Versicherungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit konfrontiert sehen. Anfang 2024 mΓΌssen alle Versicherer mit einem jΓ€hrlichen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro oder 250 Mitarbeitern die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) fΓΌr das GeschΓ€ftsjahr 2023 umsetzen. Dies bedeutet, dass ein verbindliches ESG-Reporting erforderlich ist, das den Anforderungen der CSRD entspricht. Es sieht danach aus, als wΓΌrde mit der ESG der Shareholder-Kapitalismus durch den Stakeholder-Kapitalismus ersetzt.

KI unterstΓΌtzt den ESG-Prozess

FΓΌr GeschΓ€ftsmodelle, die als nicht nachhaltig eingestuft werden, wird die Finanzierung schwieriger. Hier kann Technologie helfen, Antworten dank einer klaren Datenlage zu finden. Damit wird die Digitalisierung zwingend im ESG-Prozess. Digitale Plattformen sind in der Lage, ESG-Daten aufzunehmen, Modellierungen und Berechnungen vorzunehmen und aussagekrΓ€ftige Visualisierungen zu liefern. Grundlage ist eine Vielzahl ESG-relevanter Key Performance Indicators (KPI). Die Systeme werden von KΓΌnstlicher Intelligenz (KI) unterstΓΌtzt und kΓΆnnen sichere, vertrauenswΓΌrdige und nachvollziehbare Daten liefern. Die Herausforderung liegt darin, die KPIs zu identifizieren und festzulegen. Hier sind Wissenschaft und Politik gefragt.

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Digitale Plattformen sind in der Lage, aussagekrΓ€ftige Visualisierungen zu liefern.

Schweizer Versicherer mΓΌssen KPIs integrieren

Eine wichtige Auswirkung der ESG auf die Versicherungswirtschaft in der Schweiz ist die BerΓΌcksichtigung des Sustainable Finance Pfeilers der ESG bei Investitionsentscheidungen. Dieser verknΓΌpft den Finanzmarkt mit dem Thema Nachhaltigkeit und verpflichtet Versicherungen, entsprechende Kriterien, Benchmarks und KPIs in ihre Anlagestrategien zu integrieren, um ihre Investitionen auf nachhaltige und verantwortungsvolle Weise zu tΓ€tigen.
Die Transparenzverpflichtungen, welche um die Taxonomie-Verordnung sowie um diverse Berichtspflichten erweitert wurde, sollen Versicherungsunternehmen auch dahingehend dienen, ihre Risiken im Zusammenhang mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren besser einzuschΓ€tzen und zu bewerten.

Chancen fΓΌr nachhaltiges Wachstum und Differenzierung

Die BerΓΌcksichtigung der Querschnittsmaterie ESG kann fΓΌr Versicherungsunternehmen verschiedene Chancen fΓΌr nachhaltiges Wachstum und Differenzierung auf dem Markt bieten. Beispielsweise kΓΆnnen Versicherungsunternehmen eine neue Kundenbasis ansprechen, die umwelt- und sozialbewusst ist und Wert auf nachhaltige Investitionen legt. Dies kann dazu beitragen, dass Versicherungen ihr GeschΓ€ft ausbauen und neue Einnahmequellen erschliessen. Zudem kΓΆnnen Versicherungen ihre Risiken im Zusammenhang mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren besser einschΓ€tzen und bewerten. Damit kΓΆnnen Versicherungsunternehmen ihr Risikomanagement optimieren und ihre Finanzen auf eine nachhaltigere Basis stellen.

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Nicht zuletzt ist ESG auch eine Frage der Reputation.

ESG als Innovationsbooster

Zudem wird die Innovationskraft bei Versicherungsprodukten angekurbelt, welche auf die BedΓΌrfnisse umwelt- und sozialbewusster Kunden zugeschnitten sind. Dies kann Versicherungsunternehmen in eine gute Position bringen, wenn es darum geht, sich von der Konkurrenz abzuheben und ihr Angebot zu differenzieren.
Nicht zuletzt ist ESG auch eine Frage der Reputation: Durch die BerΓΌcksichtigung von ESG-Kriterien kΓΆnnen Versicherungsunternehmen ihr Image als verantwortungsvolle und nachhaltige Anbieterinnen und Arbeitgeberinnen stΓ€rken. Eine positive Reputation kann dazu beitragen, dass Versicherungsunternehmen das Vertrauen ihrer Kunden und Investoren festigen und Beziehungen langfristig stΓ€rken. Frei nach dem Motto: Β«The trend is your friendΒ».

Risiken fΓΌr Versicherungen und ihre FΓΌhrungskrΓ€fte

Die beschriebenen Entwicklungen haben auch Auswirkungen auf die Haftbarkeit. Waren bislang nur Unternehmen in der Pflicht, werden kΓΌnftig auch ihre VorstΓ€nde haftbar sein. Mit der Corporate Sustainability Due Diligence Directive, welche am 5.1.2023 in Kraft trat, plant die EU-Kommission die EinfΓΌhrung einer allgemeinen Pflicht fΓΌr Mitglieder der Unternehmensleitung, die Folgen ihrer Entscheidungen fΓΌr Nachhaltigkeitsaspekte, Menschenrechte, Klimaschutz und Umwelt zu berΓΌcksichtigen.

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Besondere Bedeutung kommt den sozialen und ΓΆkologischen Aspekten bei der Festlegung und Anpassung von GeschΓ€ftsmodell, GeschΓ€ftspolitik und GeschΓ€ftsstrategie zu. Das Aktiengesetz macht eine nachhaltige und langfristige Entwicklung der Gesellschaft zur Zielvorgabe fΓΌr Vorstand und Aufsichtsrat. Die BegrΓΌndung: Steht der Vorstand nicht hinter den Nachhaltigkeitszielen, kann auch kein Regulatorium seine Wirkung entfachen. Sich aus der Nachhaltigkeits-AffΓ€re zu ziehen, wird deshalb zunehmend schwieriger fΓΌr das Top-Kader. (mc)

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