Die Kosten im Gesundheitswesen werden vor allem durch den medizinischen Fortschritt getrieben. Gleichzeitig verbessern medizinische Innovationen und Künstliche Intelligenz die Diagnostik und die Behandlungsergebnisse rasant. Eine Zwickmühle für Lebens- und Krankenversicherer? Dieser Frage geht ein aktueller Bericht der Geneva Association unter dem Titel «Insuring Tomorrow’s Cures: Balancing the promises and practicalities of innovative medicine» nach. Denn die Trends im Gesundheitwesen könnten die Annahmen in Frage stellen, auf denen die Produkte und die Preisgestaltung von Lebens- und Krankenversicherern beruhen, die ihre Modelle auf bevölkerungsbezogene Muster hinsichtlich Morbidität, Mortalität, Lebenserwartung und Erwerbsunfähigkeit stützen, so die Autoren Adrita Bhattacharya-Craven, Direktorin Population Health Trends bei der Geneva Association, und Christoph Nabholz, Gründer von Risk Insight Consulting.
Aus ihrer Sicht könnten sich vier Faktoren für Lebens- und Krankenversicherer als disruptiv erweisen:
Frühzeitigere Erkennung könnte die Krankheitshäufigkeit erhöhen, auch wenn sich die Behandlungsergebnisse verbessern
Kurative oder nahezu kurative Therapien erweitern den versicherbaren Pool
Endkundenorientierte Diagnostik könnte zu Informationsasymmetrien zwischen Versicherern und Versicherungsnehmern und negativer Selektion führen
Eine kleine Anzahl hochpreisiger Therapien könnte ohne neue Finanzierungsansätze die Prämien und Deckungsgrenzen destabilisieren