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Immobilien

Liiva-CEO Phil Lojacono: Β«Die ganze Kundenreise abdeckenΒ»

Die von der Mobiliar und von Raiffeisen getragene Immobilienplattform Liiva soll sich von anderen Anbietern unterscheiden.

Matthias Niklowitz

Phil Lojacono
Β«Ein Γ–kosystem baut man nicht, ein Γ–kosystem entsteht, wenn man sich voll und ganz auf die LΓΆsung eines Kundenproblems konzentriertΒ»:Β Phil Lojacono, CEOΒ Liiva. zVg

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Herr Lojacono, welches sind die Ziele, die Sie sich mit Liiva gesteckt haben?
Phil Lojacono: Bei uns stehen private WohnimmobilieneigentΓΌmer im Zentrum. Wir beschrΓ€nken uns ausschliesslich auf diese Gruppe, die eine eigene Wohnung, ein eigenes selbst bewohntes Haus und vielleicht noch eine Ferienwohnung hat. Hier mΓΆchten wir die ganze Kundenreise abdecken und hier mΓΆchten wir auch die Nummer eins in der Schweiz werden. Private mit mehreren vermieteten Wohnungen oder institutionelle Immobilienbesitzer sprechen wir nicht an.
Wie messen Sie bzw. woran erfassen Sie konkret, wo Sie auf dem Weg zur Nummer eins stehen?
FΓΌr uns sind die Anzahl der User, die RegelmΓ€ssigkeit der Nutzung und der Marktanteil wichtig.

Interviewpartner

  • Phil Lojacono (32 Jahre) ist seit Januar 2021 CEO bei Liiva. Zuvor war er bei Google in Dublin, bevor er als GrΓΌnder und CEO das KMU-Finanzierungs-Startup Advanon fΓΌhrte. Lojacono hat einen Abschluss als MSc in Banking & Finance der HSLU.
Der Markt gilt indes bereits als gut besetzt. 
Es gibt in der Schweiz 1,5 Millionen Immobilienbesitzer. Ein signifikanter Teil dieser Gruppe ist bereit fΓΌr VerΓ€nderungen. Es gibt heute noch viele Ineffizienzen in diesem System.
Β«Wir sehen bei der Verwaltung einer selbst bewohnten Immobilie viel Potenzial.Β»
Wo stellen Sie die grΓΆssten Ineffizienzen fest?
Nehmen wir den Verkauf einer Immobilie. Hier nimmt ein Broker typischerweise 3 Prozent. Ein Broker ist daran interessiert, die Immobilien schnell zu verkaufen. Bei 1 Million Franken Verkaufspreis verdient er damit 30’000 Franken. Wenn es 1,2 Millionen sind, steigt sein Anteil auf 36’000, das ist aus der Sicht eines Brokers, der dafΓΌr vielleicht drei Monate lΓ€nger arbeiten mΓΌsste, keine erhebliche und wichtige Differenz. Anders sieht das fΓΌr die VerkΓ€ufer aus – fΓΌr die kΓΆnnen die 200’000 Franken zusΓ€tzlich ein lebensverΓ€ndernder Faktor sein. Wir arbeiten deshalb an Features, um das – aus der Sicht der verkaufenden Person – zu verbessern.

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Sie stellen die Verwaltung einer Immobilie ins Zentrum – was sind Ihre BeweggrΓΌnde dafΓΌr?
Wir sehen bei der Verwaltung einer selbst bewohnten Immobilie viel Potenzial. Besitzerinnen und Besitzer von Eigenheimen sind mit Fragestellungen konfrontiert, zu denen die meisten wenig bis gar kein Vorwissen mitbringen. Man weiss oft auch nicht, wann der Zeitpunkt fΓΌr Renovationen und Erneuerungen, beispielsweise von Heizungen, ist. Neben dem Zeitpunkt sind aber auch (steuer-)rechtliche Themen relevant, gerade bei Renovationen. Da mΓΆchten wir ansetzen und den Kunden helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Die Suche und das Finden von Experten und die AbklΓ€rungen sind heute noch zeitraubend und mit viel Unsicherheit behaftet. Auch ein Handwechsel bzw. der Verkauf ist heute ineffizient.
Das drΓΌckt sich auch in unterschiedlichen Preisvorstellungen aus. 
Bei uns kΓΆnnen die Kunden einfach und gratis eine hedonistische WertschΓ€tzung vornehmen lassen. Wir arbeiten da mit Drittpartnern zusammen. Damit sind schnelle, aber noch nicht sehr prΓ€zise SchΓ€tzungen mΓΆglich. Deshalb werden wir in Zukunft auch ExpertenschΓ€tzungen anbieten und SchΓ€tzungen, bei denen eine Expertin bzw. ein Experte sich die Immobilie vor Ort genau anschaut und den Zustand ermittelt.

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SpΓ€testens dann mΓΌssen Immobilienbesitzer mit Handwerkern diskutieren. 
Das ist der Vorteil unserer EigentΓΌmerschaft: Wir haben als AktionΓ€re mit Mobiliar und mit Raiffeisen zwei sehr gut und in allen Landesteilen bereits vernetzte Partner, die uns bei der LΓΆsung solcher Aufgaben enorm unterstΓΌtzen. Es ist damit mΓΆglich, Partner mit langjΓ€hriger guter Erfahrung zu suchen und zu finden.
Β«Wir haben fΓΌr die Modernisierung einen digitalen Assistenten eingerichtet, bei dem zwΓΆlf Fragen gestellt werden.Β»
Wie sieht die Kundenreise konkret aus?
Die hat drei Etappen: Den Kauf, die Verwaltung und den Verkauf einer Immobilie. Das sind unsere drei Module. Die ersten beiden sind bereits fortgeschritten, das dritte Modul fΓΌr den Verkauf wird ab FrΓΌhling 2022 geplant. Idealerweise entsteht dann ein Zyklus von VerkΓ€ufen und KΓ€ufen von den Nutzerinnen und Nutzern, wenn diese beispielsweise von einem Einfamilienhaus in eine kleinere Eigentumswohnung wechseln mΓΆchten, weil mit der Pensionierung und dem Auszug der Kinder der Platzbedarf sinkt.
Und wie sieht das fΓΌr die Verwaltung und die Suche nach Handwerkern aus?
Wir haben fΓΌr die Modernisierung einen digitalen Assistenten eingerichtet, bei dem zwΓΆlf Fragen gestellt werden. Diese Fragen dienen dazu, den Zustand der Immobilie zu eruieren und entweder sofort oder kΓΌnftig fΓ€llige Renovationen aufzuzeigen. Da mΓΆchten wir in Zukunft auch weitere Dienstleisterinnen und Dienstleister anbinden kΓΆnnen, um so den Kunden den richtigen Service zu ermΓΆglichen. Das gibt es heute in dieser Form noch gar nicht in der Schweiz.

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Neben den Features sind attraktive Angebote fΓΌr den Erfolg einer Plattform entscheidend.
Absolut. Wir rechnen wie folgt: Von den bereits erwΓ€hnten rund 1,5 Millionen Privatimmobilien in der Schweiz decken unsere beiden Besitzer, Mobiliar und Raiffeisen, rund 850’000 ΓΌber Versicherungsleistungen und/oder Hypotheken bereits ab. NatΓΌrlich gibt es einige Mitbewerber, die teilweise vertikal arbeiten, aber es gibt in der Schweiz keine Plattformen, die das Thema privates Wohneigentum durchgΓ€ngig abdecken.
Mobiliar, einer Ihrer beiden Besitzer, ist bereits mit der Scout-Gruppe im Plattform-GeschΓ€ft. Wie sieht da das VerhΓ€ltnis aus?
Wir arbeiten als Aggregator bereits mit Immoscout und Homegate zusammen. Immobilien, die dort angeboten werden, kommen also auch auf unsere Plattform. Wir stehen aber nicht in Konkurrenz zur Immobiliensuche selber, wir haben das ΓΌber Partnerschaften gelΓΆst. Ausdifferenzieren mΓΆchten wir uns beim Thema Verwaltung von Immobilien.
Wie bereits erwΓ€hnt haben Sie zwei Besitzer. Wie sind die BesitzverhΓ€ltnisse und die Governance organisiert?
Wir sind eine eigenstΓ€ndige AG, der fΓΌnfkΓΆpfige Verwaltungsrat setzt sich aus je zwei Vertretern der beiden Besitzer sowie einem unabhΓ€ngigen VerwaltungsratsprΓ€sidenten zusammen. Wir haben das so aufgesetzt, dass es keinen Austausch von oder Zugriff auf Daten zwischen uns und unseren beiden Besitzern gibt.

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Wer hat die Hypotheken, die man bei Ihnen bekommt, in den BΓΌchern?
Das sind unsere beiden MutterhΓ€user. Das heisst, die User haben jeweils die MΓΆglichkeit zu wΓ€hlen resp. je nachdem, ob sie bereits eine bestehende Finanzierung haben, wird die auch weiterhin bestehen bleiben. Die Finanzierungen sind bei uns aber nicht das zentrale Thema.
Eines der wichtigen weiteren Elemente, welche das Wachstum anderer Plattformen getrieben haben, ist die Offenheit fΓΌr weitere Kreditgeber. Wie sieht es bei Liiva aus?
Das ist gegenwΓ€rtig nicht vorgesehen.
Β«Viele reden immer von diesem ominΓΆsem Γ–kosystem.Β»
Sie stellen ja die Verwaltung einer Immobilie ins Zentrum – wie mΓΆchten Sie sich da gegenΓΌber den spezialisierten Anbietern ausdifferenzieren? 
Das Thema ist, wie bereits erwÀhnt, heute noch nicht befriedigend gelâst. Hier kommen wichtige Themen wie energetische Sanierungen, Subventionsmâglichkeiten, Steueroptimierungen usw. ins Spiel. Wir haben zudem einen eigenen Dokumenten-Ordner eingerichtet, mit einer Art eigener Drop-Box, wo die User die wichtigen Dokumente ablegen und verwalten kânnen. Diese Dokumente kânnen dann auch jeweils im Austausch und für die Kommunikation, beispielsweise mit der Versicherung, herangezogen werden. Zukünftig sind wir auch an Partnerschaften beispielsweise mit den Herstellern von KüchengerÀten interessiert. So haben die User immer den Überblick, wie alt die GerÀte sind, wann die Garantiefristen auslaufen, ob und wann VerlÀngerungen dieser Fristen sinnvoll sind.

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Sie mΓΆchten Liiva auch mit den Nutzerinnen und Nutzern weiterentwickeln. Wie kann man sich das konkret vorstellen?
Viele reden immer von diesem ominΓΆsem Γ–kosystem. Ich sage unserem Team jeweils, ein Γ–kosystem baut man nicht, ein Γ–kosystem entsteht, wenn man sich voll und ganz auf die LΓΆsung eines Kundenproblems konzentriert und die besten Services dafΓΌr anbietet. Wir mΓΆchten die Nutzerinnen und Nutzer ins Zentrum stellen und sind deshalb sehr offen fΓΌr RΓΌckmeldungen. Erste Nutzerinnen und Nutzer hatten uns bereits wΓ€hrend der Tests Feedbacks gegeben. Ein Beispiel: Meistens wird die Suche nach einer Immobilie nach Orten und Postleitzahlen organisiert und die Ergebnisse werden dementsprechend gefiltert. FΓΌr viele Nutzerinnen und Nutzer ist es aber wichtiger, dass sie beispielsweise nur 15 Minuten zum Arbeitsplatz benΓΆtigen, eine mΓΆglichst niedrige Steuerbelastung in ihrer Wohngemeinde haben oder dass es einen Kindergarten im Dorf gibt. Solche Kriterien und Faktoren werden wir auch bei der Suche berΓΌcksichtigen.
Was mΓΆchten Sie selber umsetzen, wo verlassen Sie sich auf Partnerfirmen?
Wir mΓΆchten nicht alles selber machen, wir sehen uns als Aggregationsplattform und uns selber als Technologiefirma. Wir werden deshalb auch kein eigenes Broker-Vertriebsnetz aufbauen, sondern auf bewΓ€hrte LΓΆsungen zurΓΌckgreifen.

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Β«Wir gehen nicht davon aus, dass der Immobilien-Plattform-Bereich ein Winner-takes-it-all-Markt mit starken Plattform- und Netzwerkeffekten ist.Β»
Welches sind Ihre Vorbilder?
Es gibt in der Schweiz sehr gute Vergleichsplattformen fΓΌr Konsumierende. Auch die grossen schweizerischen E-Commerce-Unternehmen haben vorbildliche Kombinationen von Content und Strategie aufgebaut. Man muss als Plattformbetreiber nicht immer alles selber erfinden.
Und welches ist Ihre lΓ€ngerfristige Perspektive?
Wir gehen nicht davon aus, dass der Immobilien-Plattform-Bereich ein Winner-takes-it-all-Markt mit starken Plattform- und Netzwerkeffekten ist. Ein einzelner Nutzer hat nichts davon, wenn ein anderer eine Transaktion vornimmt. Es ist ein transaktionales GeschΓ€ft, die meisten Menschen kaufen, ein-, zweimal im Leben eine Immobilie. Deshalb bin ich skeptisch gegenΓΌber Aussagen, wonach es lΓ€ngerfristig lediglich Platz fΓΌr eine bis zwei Plattformen in der Schweiz gibt. Ich denke, es kΓΆnnten mehr sein, vielleicht fΓΌnf, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Und es sind auch unterschiedliche Kooperationsformen der Plattformen untereinander mΓΆglich.
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