Herr Riniker, Sie haben Innovation auf die höchste Management-Ebene gehoben. Standen Sie unter Druck, den Rechtsschutzmarkt neu zu definieren?
Innovation ist für uns keine Reaktion auf Druck, sondern konsequenter Bestandteil unserer DNA. Gegründet als digitale Versicherung, setzen wir uns seit jeher das Ziel, die digitale Vorreiterrolle im Rechtsschutzmarkt zu festigen und kontinuierlich auszubauen.
Gerade in einer Zeit, in der viele Unternehmen unter Druck stehen, entwickelt sich Dextra sehr erfolgreich. Und das nicht trotz, sondern wegen unserer Unabhängigkeit. Hinter uns steht kein grosser Versicherungskonzern. Das gibt uns die Freiheit, schnell zu entscheiden, mutig zu handeln und konsequent das zu tun, was unseren Kundinnen und Kunden den grössten Mehrwert bietet.
Deshalb haben wir das Thema Innovation bewusst auf die höchste Management-Ebene gehoben. Unser Ziel ist es, den Rechtsschutz einfacher, schneller und intelligenter zu machen. Mit Lösungen, die echten Nutzen stiften und den Markt immer wieder ein Stück weiterbringen.
Bei jeder Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzung behandeln Sie Innovation als fixes Traktandum. Können Sie das etwas näher umschreiben?
Innovation ist bei Dextra kein Traktandum, das man abhakt; sie ist Teil unserer Führungsphilosophie. Dass sie in jeder Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzung einen festen Platz hat, zeigt, welchen strategischen Stellenwert Innovation bei uns hat. Dabei verstehen wir Innovation nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um nachhaltigen Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden, unsere Mitarbeitenden und unser Unternehmen zu schaffen.
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Gleichzeitig schaffen wir eine Kultur, in der Innovation nicht auf einzelne Teams beschränkt ist, sondern aus dem gesamten Unternehmen heraus entstehen kann. Denn die besten Ideen kommen oft nicht aus dem Sitzungszimmer, sondern aus dem direkten Kontakt mit unseren Mitarbeitenden. Sie kennen die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden und sehen im Arbeitsalltag, wo Verbesserungspotenzial besteht. Unsere Aufgabe als Führung ist es, diesen Ideen Raum zu geben, sie konsequent weiterzuentwickeln und rasch in marktfähige Lösungen zu übersetzen.
Zur Person
Der ausgebildete Jurist und Fürsprecher Beat Riniker war vor seiner Zeit als CEO von Dextra bei der Mobiliar als Leiter Recht und Leistungen tätig.
Darüber hinaus haben wir einen Innovations-Newsletter etabliert, welcher sich bewusst an den Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung richtet. Sein Ziel ist es, Transparenz über unsere Innovationsprojekte zu schaffen, Prioritäten sichtbar zu machen und sicherzustellen, dass Innovation auf höchster Führungsebene kontinuierlich begleitet und vorangetrieben wird. So verbinden wir strategische Steuerung von oben mit Innovationskraft von unten. Denn nachhaltige Innovation entsteht dann, wenn gute Ideen aus dem Unternehmen kommen und von der Führung konsequent gefördert werden – immer mit dem Ziel, unseren Kundinnen und Kunden einen echten Mehrwert zu bieten.
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Sie nehmen auch am Swiss Insurance Innovation Award teil. Verstehen Sie Innovation eher als technologisches Feature oder mehr als eine Vereinfachung des Rechtszugangs für Ihre Kundschaft?
Für uns bedeutet Innovation beides: technologische Exzellenz und eine spürbare Verbesserung des Kundenerlebnisses. Technologie ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, um den Zugang zum Recht einfacher, schneller und präziser zu machen. Dextra setzt konsequent auf Digitalisierung und schlanke Prozesse. Wer unsere digitalen Lösungen betrachtet, erkennt schnell: Wir denken Rechtsschutz neu.
Ein Beispiel dafür ist unser First Notice of Loss (FNOL) Claims Bot, den wir gemeinsam mit dem ETH-Start-up Voviva entwickelt haben. Der Claims Bot unterstützt unsere Kundinnen und Kunden bereits bei der ersten Schadenmeldung. Er erkennt den konkreten Sachverhalt und fordert gezielt jene Unterlagen an, die für eine effiziente Deckungsprüfung notwendig sind. Dadurch vermeiden wir unnötige Rückfragen zwischen Kunden und Juristen und schaffen von Anfang an eine strukturierte Grundlage für die weitere Bearbeitung. Das Ergebnis sind schnellere Prozesse, weniger administrative Hürden und mehr Transparenz für unsere Kundinnen und Kunden.
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Ein weiteres Beispiel ist die automatische Deckungsprüfung. Künstliche Intelligenz unterstützt uns dabei, bereits bei der Anmeldung eines Rechtsfalls auf Basis unserer Versicherungsbedingungen rasch zu beurteilen, ob eine Deckung besteht. Die automatisierte Deckungsprüfung analysiert die relevanten Vertragsgrundlagen, die zugrunde liegenden Sachverhalte, Kundendokumente sowie interne Wissensquellen und erstellt daraus eine strukturierte Deckungseinschätzung mit Begründungen und Quellenverweisen. Die finale Entscheidung bleibt jederzeit bei der juristischen Fachperson, dem «Human in the Loop». Was früher mehr manuelle Abklärungen erforderte, kann heute schneller und präziser erfolgen. Davon profitieren unsere Kundinnen und Kunden durch kürzere Reaktionszeiten. Und unsere Juristinnen und Juristen durch mehr Freiraum für die Fälle, bei denen ihre Expertise besonders gefragt ist. Die automatisierte Deckungsprüfung zeigt, wie Künstliche Intelligenz gezielt als Ergänzung und Verstärkung menschlicher Expertise eingesetzt werden kann. Sie verbindet technologische Innovation mit juristischem Fachwissen und schafft damit ein zukunftsweisendes Modell für die digitale Transformation juristischer Dienstleistungen in der Versicherungsbranche.
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Unser Ziel derweil ist klar: Der Weg von der ersten Meldung bis zur Lösung eines Rechtsfalls soll einfacher, schneller und kundenorientierter werden. Technologie schafft Effizienz, aber der Mensch bleibt der entscheidende Faktor. Deshalb setzen wir Technologie dort ein, wo sie das Kundenerlebnis verbessert. Dass Dextra auf Google und Trustpilot exzellente Kundenbewertungen erreicht, ist für uns die schönste Bestätigung, dass unser Ansatz funktioniert.
Ihre RefCam, die Sie in Partnerschaft mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) entwickelt haben, hat grosse Aufmerksamkeit erlangt. Was war die Idee dahinter?
Die DextraRefCam steht exemplarisch für unseren Anspruch, neue Ideen mutig umzusetzen, auch dort, wo sie über unser Kerngeschäft hinausgehen. Sie bringt Fans erstmals direkt in die Perspektive der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Ab August 2026 kommt die spezielle RefCam-Technologie im Schweizer Profifussball zum Einsatz: Eine kleine Kamera wird am Headset der Unparteiischen befestigt und liefert einzigartige Bilder aus dem Zentrum des Spiels – inklusive Emotionen, Entscheidungen und Spielsituationen aus Sicht der Schiedsrichter. Gemeinsam mit dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) hat Dextra daraus das Content-Format «DextraRefCam» entwickelt, das exklusiv über die Dextra- und SFV-Kanäle ausgespielt wird. Die Technologie macht Entscheidungen nachvollziehbarer, schafft mehr Nähe zum Spiel und ermöglicht ein völlig neues Zuschauererlebnis.
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Wo sehen Sie im Rechtsschutzmarkt derzeit das grösste verborgene Potenzial, das von der Konkurrenz noch zu wenig adressiert wird?
Dieses sehen wir darin, Rechtsschutz noch stärker als echten Lebens- und Unternehmensbegleiter zu verstehen. Heute wird Rechtsschutz häufig erst dann wahrgenommen, wenn bereits ein Konflikt entstanden ist. Dabei liegt der eigentliche Mehrwert darin, Menschen und Unternehmen frühzeitig Orientierung zu geben, Risiken zu erkennen und Probleme möglichst einfach zu lösen, bevor sie eskalieren.
Gerade in einer zunehmend komplexen Welt steigt der Bedarf an verständlicher, schneller und kompetenter rechtlicher Unterstützung. Ob im Arbeitsrecht, im Mietrecht, im Strassenverkehr oder bei unternehmerischen Fragestellungen: Viele Menschen sind trotz KI mit rechtlichen Fragestellungen überfordert. Sie wissen nicht, welche Rechte sie haben oder wie sie diese effektiv durchsetzen können.
Hier sehen wir enormes Potenzial, etwa durch bessere digitale Zugänge, intelligente Technologien und gleichzeitig durch die persönliche Expertise unserer Juristinnen und Juristen. Die Zukunft des Rechtsschutzes liegt für uns in der Verbindung von Qualität, Mensch und Technologie. Die digitale Einfachheit dort, wo sie hilft, und persönliche Beratung dort, wo sie entscheidend ist. Als unabhängiger Rechtsschutzanbieter haben wir die Freiheit, diesen Weg konsequent zu gehen. Unser Anspruch ist es, Rechtsschutz nicht nur als Absicherung zu verstehen, sondern als Service, der Menschen und Unternehmen mehr Sicherheit, Klarheit und Handlungsspielraum gibt.
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Tönt alles vielversprechend, aber wie stellen Sie sicher, dass Ihre Innovationsagenda nicht zum Selbstzweck wird?
Bei Dextra ist Innovation eine strategische Notwendigkeit. Als unabhängiger Rechtsschutzanbieter ohne grossen Mutterkonzern im Rücken können wir nicht beliebig viele Projekte verfolgen. Wir müssen bewusst priorisieren und unsere Ressourcen dort einsetzen, wo sie für unsere Kundinnen und Kunden und für unsere Mitarbeitenden den grössten Nutzen schaffen.
Wir verfolgen primär Innovationen, die auf zwei zentrale Ziele einzahlen: auf eine bessere Customer Experience und auf eine effizientere Rechtsfallbearbeitung. Unsere automatisierte Deckungsprüfung oder der Claims Bot sind dafür gute Beispiele. Sie reduzieren administrative Aufwände, beschleunigen Prozesse und schaffen gleichzeitig mehr Zeit für die persönliche und individuelle Betreuung unserer Kundinnen und Kunden.
Innovation bedeutet für uns aber nicht nur, bestehende Prozesse besser zu machen. Wir arbeiten auch kontinuierlich daran, unsere Produkte weiterzuentwickeln und Unternehmen wie Privatpersonen noch passgenauere Lösungen anzubieten – mit dem Anspruch, höchste Leistung zu einem attraktiven Preis zu bieten.
Dass Dextra im Schweizer Versicherungsmarkt und zunehmend auch bei Brokern als innovativer Rechtsschutzanbieter wahrgenommen wird, freut uns sehr. Entscheidend ist für uns jedoch, Innovationen zielgerichtet umzusetzen, die im Alltag unserer Kundinnen und Kunden einen spürbaren Unterschied machen.
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Das Risiko des Scheiterns gehört zu Innovationen. Wie steuern Sie als CEO die Balance zwischen dem Anspruch an Exzellenz und dem Mut, Dinge wieder fallen zu lassen, die nicht funktionieren?
Innovation bedeutet immer, neue Wege zu gehen, und damit auch das Risiko einzugehen, dass nicht jeder Versuch sofort zum Erfolg führt. Entscheidend ist für uns deshalb nicht, Fehler um jeden Preis zu vermeiden, sondern aus ihnen schnell zu lernen und besser zu werden.
Für Dextra ist Stagnation keine Alternative. In einem dynamischen Markt bedeutet keine Veränderung letztlich Rückschritt. Gemeinsam mit unseren internen und externen Experten arbeiten wir deshalb kontinuierlich daran, effizienter, serviceorientierter und noch besser für unsere Kundinnen und Kunden zu werden. Gerade als unabhängiger Rechtsschutzanbieter haben wir einen wichtigen Vorteil: Wir können Entscheidungen schnell treffen, Verantwortung übernehmen und auch offen anerkennen, wenn etwas nicht wie geplant funktioniert. Diese Lernfähigkeit gehört für uns zu echter Innovation dazu.
Denn am Ende geht es nicht um Innovation als Selbstzweck. Es geht darum, unseren Kundinnen und Kunden im entscheidenden Moment verlässlich zur Seite zu stehen.