Abo
Kontaktloses Kapital

BVG-Auffangeinrichtung: Milliarden nicht nachgefragt

5,6 Milliarden Franken: So viel nicht nachgefragtes Kapital liegt mittlerweile bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

Bei der BVG-Auffangeinrichtung liegen viele Guthaben, die von Besitzerinnnen und Besitzern nicht nachgefragt werden.
Bei der BVG-Auffangeinrichtung liegen viele Guthaben, die von Besitzerinnnen und Besitzern nicht nachgefragt werden.IMAGO/Zoonar

Werbung

Milliarden von BVG-Guthaben werden derzeit nicht nachgefragt. Vergessen oder gar verloren sind diese Pensionskassenguthaben aber nicht. Die Inhaberinnen und Inhaber sind der Einrichtung bekannt, aber nicht deren Adresse.
62 Prozent der von der Stiftung Auffangeinrichtung BVG verwalteten 1,4 Millionen FreizΓΌgigkeitskonten waren Ende 2022 kontaktlos. Auf diesen Konten liegen 5,6 Milliarden Franken, 34 Prozent der VermΓΆgen von insgesamt verwalteten 16,2 Milliarden Franken.

Gelder finden oft Besitzer oder Besitzerin wieder

Kontaktlos bedeute aber nicht vergessen, stellt SΓ©verine Jagmetti, Sprecherin der Stiftung Auffangeinrichtung, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA klar. Meist fΓ€nden Gelder und Besitzerinnen und Besitzer irgendwann wieder zusammen.
Denn Sozialversicherungsnummer, Name und Geburtsdatum der EigentΓΌmer seien der Stiftung grundsΓ€tzlich bekannt. Nur die Adresse fehle oder sei nicht mehr aktuell. Das bedeute aber nicht, dass die EigentΓΌmer von ihrem Sparkapital nichts wΓΌssten.

Eine Folge von Stellenwechsel

Kontaktlos kann Kapital werden, wenn Angestellte eine Stelle aufgeben und nicht sofort wieder eine neue antreten. Dann wird ihr Sparkapital der zweiten SΓ€ule auf ein FreizΓΌgigkeitskonto bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG ΓΌberwiesen, frΓΌhestens ein halbes Jahr nach dem Ende des ArbeitsverhΓ€ltnisses.

Partner-Inhalte

Nicht mehr aktuelle Adressen

Bei diesem Übertrag würden der Stiftung oft schon nicht mehr aktuelle Adressen gemeldet, führte Jagmetti aus. Oder Besitzer von Freizügigkeitskonten meldeten der Stiftung einen Umzug nicht. Doch spÀtestens wenn die Eigentümer der Freizügigkeitskonten ihre erste AHV-Rente erhielten, werde ihre aktuelle Adresse bekannt.

GrΓΌnde fΓΌr Zunahme unbekannt

Vor rund sieben Jahren hatte die Stiftung Auffangeinrichtung BVG noch von so vergessenen 3,2 Milliarden Franken berichtet. Inzwischen sind es 2,4 Milliarden Franken mehr. Wie die  reizΓΌgigkeitsguthaben an sich seien auch die kontaktlosen Guthaben gewachsen, sagte Jagmetti nun. Das VerhΓ€ltnis bei der Zunahme sei stabil.

Jobs ΓΌber kurze Zeit ausgeΓΌbt

Über die Gründe, weshalb es immer mehr kontaktlose Konten gibt, lasse sich nur mutmassen, sagte die Sprecherin. Die Stiftung verfüge über keine Daten dazu. Mâgliche Ursachen seien das nach wie vor junge Alter der beruflichen Vorsorge, die MobilitÀt und auch kleine oder nur wÀhrend kurzer Zeit ausgeübte Jobs.

Vorwiegend kleine Summen

Kontaktlos sind nach Jagmettis Angaben zudem vorwiegend kleine Summen. Auf rund drei von vier dieser Konten liegt ein Kapital von unter 5000 Franken.

AnsprΓΌche bis zu hundertsten Geburtstag geltend machen

Die Stiftung verwaltet kontaktlose Guthaben bis hΓΆchstens zehn Jahre nach dem Erreichen des AHV-Alters der EigentΓΌmer. Wird das Geld bis dahin nicht abgeholt, muss es dem Sicherheitsfonds BVG ΓΌberwiesen werden. Die Besitzerinnen und Besitzer kΓΆnnen aber bis zu ihrem hundertsten Geburtstag ihren Anspruch geltend machen.

Werbung

Nachforschungen mΓΆglich

Bei der dem Sicherheitsfonds BVG angegliederten Zentralstelle Zweite SΓ€ule kΓΆnnen Interessierte im Übrigen jederzeit selbst nachforschen, ob es unter ihrem Namen oder auch zugunsten von anderen Personen vergessene Guthaben der zweiten SΓ€ule gibt. Auch nach TodesfΓ€llen kΓΆnnen Anfragen gemacht werden. (sda/hzi/hoh)

Werbung