Interessant ist der Ansatz, den die CSS Versicherung verfolgt. Das Digital-Team der CSS hat die Vorteile des Conversational Designs ebenfalls wahrgenommen, wollte gern mehr mit Automatisierungen arbeiten, war sich aber nicht sicher, ob es die den hohen User-Erwartungen an Chatbots gerecht werden kann.
Autorin:
Sophie Hundertmark ist selbststΓ€ndige Beraterin fΓΌr die strategische Begleitung sowie Umsetzung von Chatbot-Projekten und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug IFZ. Aktuell promoviert sie zum Einsatz von Chatbots im Banking- und Insurance-Bereich.
Man hat sich bislang dazu entschieden, kein klassisches Chatfenster unten rechts auf der Website anzubieten. Die Conversational-LΓΆsung befindet sich als kleiner Kreis auf der Mitte der Startseite und auf weiteren Produkt- oder Formularseiten. Klickt ein User darauf, landet er in einem automatisierten Conversational Flow. Im besten Fall tippt der Nutzer seine Anfrage einfach ein und bekommt in Sekundenschnelle die passende Antwort, ebenfalls in Form eines Dialogs. Falls die Conversation Engine die Useranfrage jedoch nicht richtig deuten kann, werden die besten drei Suchergebnisse der Website-Suchen angezeigt. Die CSS hat mit dieser Variante sehr gute Erfahrungen gemacht und sich bewusst dagegen entschieden, hier direkt auf andere KanΓ€le zu verweisen.
Kein Chatfenster, sondern eine Conversational-LΓΆsung am unteren Bildrand bei der CSS.CSS
Kein Chatfenster, sondern eine Conversational-LΓΆsung am unteren Bildrand bei der CSS.CSS
Mehr Customer Insights dank Conversational Flow
Weiter hat die CSS Versicherung die Erfahrung gemacht, dass sie selbst ΓΌber die Eingaben der Kunden im Conversational Flow noch dazulernen kann. So hat sie zum Beispiel gelernt, welche zusΓ€tzlichen Formulare sich Kunden wΓΌnschen, und konnte diese entwickeln. Klassische Web-Analytics-Auswertung reichen meist nur zum Aufstellen von weiteren Hypothesen dazu, warum User ein bestimmtes Verhalten Γ€ussern. Im Conversational Design tippen User ihr Anliegen dagegen konkret ein und das Aufstellen von Hypothesen erΓΌbrigt sich.
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Bei Swica chatten etwa 850 Kunden pro Monat mit IQ
Seit 2019 kΓΆnnen Kunden bzw. vor allem potenzielle Kunden der Swica-Versicherung mit IQ chatten. IQ ist ebenfalls ein Chatbot, der vor allem bei der Suche nach der passenden Versicherung helfen soll. Falls ein Nutzer dann eine tiefere Beratung wΓΌnscht, kann das GesprΓ€ch mit dem Chatbot direkt an einen menschlichen Berater weitergeleitet werden und der Nutzer chattet dann mit einem Menschen.
Laut internen Angaben hat IQ circa 850 Konversationen pro Monat, von denen etwa 17 Prozent an einen Livechat-Mitarbeiter weitergeleitet werden. Wie auch bei der Axa steht der automatisierte Chat, also der Chat mit einem Roboter, vor dem Livechat mit einem Menschen.
Clara, Ada und IQ im Vergleich
Vergleicht man Clara von Helvetia, Ada von Axa und IQ, dann wird schnell ersichtlich, dass Clara bislang am meisten versteht und auch die meisten Kundenanfragen direkt im Chat lΓΆsen kann. Das ist vielleicht auch der Grund, warum Helvetia bewusst keinen Livechat-Kanal ΓΌber Clara anbietet. Kunden, die ausserhalb der Konversation mit Clara noch Kontakt wΓΌnschen, kΓΆnnen einen RΓΌckruf vereinbaren oder das Kontaktformular nutzen.
Ebenfalls fΓ€llt auf, dass Ada und Clara vor allem auch SchadenfΓ€lle aufnehmen und klΓ€ren kΓΆnnen, wΓ€hrend IQ eher zur Beratung von Neukunden dient. Dies liegt vielleicht aber auch am unterschiedlichen Produktangebot der Versicherungen. Swica bietet vor allem auch Krankenversicherungen an.