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Zölle und Handelskonflikte

DACH-Unternehmen stellen immer mehr die Standortfrage

Zölle, Handelskonflikte und regulatorische Volatilität zählen laut Political Risk Survey von Willis zu den grössten politischen Risiken. 75 Prozent der befragten internationalen Unternehmen erleiden dadurch finanzielle Verluste.

Bernd De Wall

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Die weltweiten Handelskonflikte machen Schweizer Unternehmen schwer zu schaffen. Adobe Stock

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Handelspolitik wird zum Stresstest für international tätige Unternehmen: Zölle, Handelskonflikte und regulatorische Volatilität zählen inzwischen zu den grössten politischen Risiken. Besonders exponiert ist die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft mit hoher Exportabhängigkeit. Zu diesen Schlüssen kommt der 9. Political Risk Survey von Willis, einem Geschäftsbereich des weltweit agierenden Brokerunternehmens WTW.
Strategische Entkopplung zwischen USA und Europa hinterlässt Spuren
Global agierende Firmen sehen sich heute stärker durch handelspolitische Massnahmen, regulatorische Volatilität und politische Polarisierung unter Druck gesetzt als durch kriegerische Konflikte, lautet ein weiteres Fazit der Studie. Für die Schweiz besonders relevant ist zudem die strategische Entkopplung zwischen den USA und Europa. Die US-amerikanische Politik hinterlässt deutliche Spuren, hält Willis fest. Befragt nach den aktuellen Risiken für die Geschäftstätigkeit berichten 61 Prozent von konkreten finanziellen Schäden durch Zölle – mehr als zuvor durch den Ukraine-Krieg. Für den Political Risk Survey von Willis und Oxford Analytica wurden Führungskräfte globaler Konzerne aus Europa, Nordamerika und Asien befragt.

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Schweiz besonders exponiert
Die Schweiz sei als kleine, sehr offene Volkswirtschaft mit starker Währung und begrenzter Fähigkeit, externe Schocks abzufedern oder Gegenmassnahmen zu ergreifen, besonders exponiert. Der im Bericht beschriebene Mechanismus – die Umlenkung chinesischer und US-amerikanischer Waren in einen «überfüllteren» europäischen Markt – betrifft die Schweiz direkt, da sie dort als Preisnehmer agiert, ohne Zugang zu handelspolitischen Schutzinstrumenten der EU, so der Survey.
«Haben wir früher auf fernliegende Krisenregionen geblickt, sind die politischen Risiken heute in die Heimatmärkte gerückt. Die Unternehmen sind dadurch wesentlich stärker gegenüber globalen Risiken exponiert», sagt Kilian Manz, Head of Corporate Risk & Broking Switzerland bei Willis. «Das Auseinanderdriften der USA und Europas setzt besonders Schweizer Unternehmen im Bereich Pharma, Maschinenbau und Finanzdienstleistungen in Bedrängnis. Als Nicht-Mitglied der EU hat die Schweiz eine schwächere Verhandlungsposition gegenüber den USA, ihrem grössten Einzel-Exportmarkt.»
Handels- und Industriepolitik grösstes Risiko für Dach-Unternehmen
Die globale Entwicklung schlägt sich in den Befragungsergebnissen nieder: 50 Prozent der DACH-Unternehmen schätzen die US-EU-Handels- und Industriepolitik als ihr grösstes Risiko ein. Hinzu kommen die regulatorische Volatilität der EU, etwa bei Berichtspflichten und Nachhaltigkeitsregeln (42 Prozent) sowie handelspolitische Differenzen zwischen China und der EU (33 Prozent).

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In der Folge kämpfen im DACH-Raum 83 Prozent der Teilnehmenden mit steigendem Compliance-, Reporting- und Audit-Aufwand. «Mittlerweile müssen Schweizer Unternehmen laufend die Entwicklungen zu Exportbedingungen, Zöllen und möglichen Sanktionen prüfen», betont Lasse Breede, Head of Trade Credit and Trade Finance Switzerland bei Willis. «Da dies nicht mehr nur für einzelne Schwellenländer notwendig ist, spüren sie den Mehraufwand und die Planungsunsicherheit deutlich.»
Risiken wirken sich auf Standortentscheidungen aus
Diese Risiken wirken sich auf konkrete Geschäftsentscheidungen aus: Drei von vier DACH-Unternehmen geben an, dass Standortentscheidungen – also ob und wo Betriebsstätten verlagert werden – die am stärksten betroffene unternehmerische Entscheidung sind. Das ist der höchste Wert aller untersuchten Regionen weltweit. Lasse Breede: «In diesem Umfeld wird politische Analyse zum echten Wettbewerbsvorteil: Ein Konzern, der nationale Trends und internationale Risiken früher erkennt, macht komplexe politische Entwicklungen beherrschbar. Das stärkt seine strategische Handlungsfähigkeit.»
Schweiz als potenzielles Ziel für «Grauzonen-Angriffe»
Neben Zöllen und Handelskonflikten (61 Prozent) bewerten die global Befragten die politische Polarisierung innerhalb von Staaten (47 Prozent) sowie sogenannte «Grauzonen-Angriffe» wie wirtschaftliche Zwangsmassnahmen, Cyberattacken oder Angriffe auf kritische Infrastruktur (42 Prozent) als besonders schwer zu managen.

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Für die Schweiz ist die Exponierung gerade auch bei Letzteren wesentlich: Sie ist in europäische Energie-, Logistik-, Datenkabel- und Finanzinfrastrukturen eingebunden, also genau in jene Bereiche, die bevorzugte Ziele solcher Angriffe sind. «Die Neutralität bietet keinen Schutz vor hybriden Bedrohungen oder indirekten Auswirkungen. Zudem macht ihre Rolle als Finanz- und Rohstoffhandelszentrum die Schweiz zu einem potenziellen Ziel für Druckmassnahmen und Sanktionskonflikte», warnt Breede. «Gerade Grauzonen-Angriffe entziehen sich klassischen Risikokategorien. Die Bedrohung entwickelt sich schleichend – das macht sie für Unternehmen schwer zu steuern und zu versichern.»
Versicherungsschutz ist gefragt
75 Prozent der insgesamt befragten Unternehmen verzeichnen 2026 finanzielle Verluste aufgrund der zahlreichen geo- oder handelspolitischen Verwerfungen – nach 2023 der höchste Wert, teilt Willis mit. Zu den häufigsten Arten gehören Lieferkettenunterbrechungen (49 Prozent), Handels- und Sanktionsmassnahmen sowie Währungs- und Zahlungsrestriktionen.
Mit zunehmenden Verlusten wächst auch die Bedeutung von Risikotransfer: So stieg die Nutzung von Political Risk Insurance 2026 auf 28 Prozent, gegenüber 18 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig setzen 35 Prozent der Unternehmen Warenkreditversicherungen gezielt zur Absicherung geopolitisch bedingter Zahlungsausfälle ein – mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor.

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Unberechenbarkeit nimmt zu
«Für global tätige Unternehmen nimmt die Unberechenbarkeit weiter zu. Sie müssen sich strategisch auf die Folgen politischer Risiken vorbereiten – und zwar heute, nicht erst, wenn sich die Lage weiter zuspitzt», warnt Kilian Manz. Essenziell sei es, ein breit aufgestelltes Lieferantennetzwerk aufzubauen, um Abhängigkeiten zu reduzieren, die eigenen Standorte und Lieferketten zu hinterfragen und besonders exponierte Teile der Wertschöpfungskette ausreichend abzusichern.
Über den Political Risk Survey
Die Political Risk Survey ist ein jährlicher Bericht des globalen Beratungsunternehmens WTW und von Oxford Analytica. Die Studie analysiert, wie grosse Unternehmen geopolitische, wirtschaftliche und innenpolitische Risiken wahrnehmen und steuern. Für die Political Risk Survey 2026 wurden 57 Führungskräfte globaler Konzerne aus Europa, Nordamerika und Asien befragt.
Über die Autoren

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