Appetit der Versicherer auf Private Credit wächst weiter
Gemäss einer Umfrage planen Versicherer, ihr Engagement in Private Credit in den nächsten 24 Monaten zu erhöhen. Kompetenzlücken und begrenzter KI-Einsatz erschweren indes Investitionen in Private Markets deutlich.
«Selbst die grössten Versicherer erkennen, dass sie nicht über alle erforderlichen Kompetenzen oder Kapazitäten intern verfügen, und wenden sich an externe Private-Credit-Manager»: Josh Zwick, Partner bei Oliver Wyman. Oliver Wyman
Marsh, ein weltweit tätiges Unternehmen in den Bereichen Risiko, Rückversicherung und Kapital, People und Investments sowie Managementberatung, hat am Donnerstag die Ergebnisse seiner «Global Insurance Investments Survey 2026» veröffentlicht. Die Studie zeigt, dass die Nachfrage der Versicherer nach Private Credit weiterhin stark ist, jedoch zunehmend selektiver wird.
Mehr als die Hälfte (57%) der befragten Versicherer plant demnach, ihr Engagement in der Anlageklasse Private Credit in den nächsten 12 bis 24 Monaten auszubauen – damit ist dies die am schnellsten wachsende Anlageklasse, noch vor öffentlichen festverzinslichen Wertpapieren, die von 48% der befragten Versicherer genannt wurden. Diese Entwicklung steht im Kontrast zur Marsh «Global Insurance Investments Survey 2024», in der erst 37% bzw. 32% der Versicherer planten, ihre Allokationen in festverzinsliche Wertpapiere bzw. Private Credit zu erhöhen.
Das Interesse der Versicherer an Private Credit konzentriert sich stärker auf das schnell wachsende Investment-Grade-Segment des Marktes. Besonders gross ist das Interesse der Versicherer an Allokationen in Investment-Grade Direct Lending und Private Placements (40%) sowie in Investment-Grade Structured Credit, Asset-Based Finance, Net Asset Value (NAV)-Finanzierungen und Fondsfinanzierungen (38%).
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«Private Credit ist für Versicherer, insbesondere im Asset-Backed Finance-Bereich, eine attraktive Anlagechance. Versicherer können das Unternehmensrisiko diversifizieren und gleichzeitig einen Renditeaufschlag gegenüber vergleichbar bewerteten Investment-Grade-Anleihen am öffentlichen Markt erzielen», sagt David Morrow, Global Insurance Proposition Leader bei Mercer.
Der Appetit auf Private Credit ist insbesondere in Nordamerika ausgeprägt. In den USA planen 65% der befragten Versicherer, ihre Allokationen zu erhöhen, während kanadische Versicherer eine noch stärkere Nachfrage zeigen. 74% der Befragten planen dort eine Erhöhung. Nur etwa die Hälfte der europäischen (51 %) und britischen (46%) Versicherer plant eine Aufstockung.
Das Interesse an verstärkter Private Credit-Allokation ist vor allem bei den grossen Versicherern ausgeprägt: 81% der Versicherer mit einem Vermögen von mehr als 25 Milliarden US-Dollar planen eine Erhöhung der Allokationen, verglichen mit 46% derjenigen mit weniger als 25 Milliarden US-Dollar. Lebensversicherer (73%) zeigten eine höhere Allokationsbereitschaft als Krankenversicherer (56%) und Schaden-/Unfallversicherer (40%).
Bewusstsein für die Risiken von Private Credit
Die Versicherer sind sich der Risiken im Zusammenhang mit Private Credit sehr bewusst. Am häufigsten nennen sie Bedenken hinsichtlich der schwindenden Illiquiditätsprämie und engere Spreads (66%) ins Feld. Dies ist ein Hinweis darauf, dass Anleger sicherstellen möchten, dass sie für die Liquiditätsbeschränkungen von Private Credit angemessen entschädigt werden. Weitere häufig genannte Bedenken sind eine Verschlechterung der Underwriting-Standards oder Covenants (54%) sowie steigende Ausfallsraten, Spreads oder Payment-in-Kind-(PIK-)Strukturen (51%), was mit zunehmender Reife des Marktes auf eine finanzielle Anspannung der Kreditnehmer oder nachlassende Kreditvergabestandards hindeuten würde.
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«Um die Vorteile von Private Credit optimal zu nutzen, benötigen Versicherer einen rigorosen Ansatz bei der Managerauswahl. Starke Sourcing-, Underwriting-, Portfoliokonstruktion- und Workout-Fähigkeiten sind entscheidend, um die nächste Phase des Kreditzyklus zu meistern», sagt Amit Popat, Global Head of Financial Institutions bei Mercer.
Die Kompetenzlücke im Bereich Private Markets
Die Umfrage zeigt eine deutliche Lücke zwischen dem Interesse der Versicherer an Private Markets und ihrer Bereitschaft, entsprechende Chancen nutzen zu können. Nur 30% der Befragten geben an, über die meisten der erforderlichen Private-Markets-Kompetenzen intern zu verfügen, um in Privatmarktanlagen investieren zu können, während 29% nur über «einige» der benötigten Kompetenzen verfügen.
Dieser Mangel an Ressourcen schränkt die Fähigkeit der Versicherer ein, Allokationen in Private Markets vorzunehmen, ausreichend zu diversifizieren und durch kontinuierliche Due-Diligence-Prüfungen aufrechtzuerhalten. Mit zunehmendem Appetit könnten Versicherer Investmentpartnerschaften in Betracht ziehen, um den Markt besser zu entschlüsseln und Expertise bei der Bewertung von Managern, der Modellierung von Cashflows, dem Verständnis der Kapitalanforderungen, dem Liquiditätsmanagement und der Unterstützung bei der Umsetzung zu erhalten.
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«Selbst die grössten Versicherer erkennen, dass sie nicht über alle erforderlichen Kompetenzen oder Kapazitäten intern verfügen, und wenden sich an externe Private-Credit-Manager, um Lücken zu schliessen und risikobereinigte Renditen zu steigern», sagt Josh Zwick, Partner in Oliver Wymans Versicherungs- und Asset-Management-Practice. «Alle sind darauf bedacht, ihre Fähigkeiten auszubauen, und das bedeutet oft, Partner zu finden, die dabei helfen können, die Komplexität der verschiedenen Bereiche des weitläufigen Private-Credit-Marktes zu bewältigen.»
KI spielt eine begrenzte Rolle im Investmentprozess
Die Kompetenzlücke zeigt sich auch auf einer anderen Ebene: in der Art und Weise, wie Versicherer KI einsetzen. Mehr als die Hälfte der Versicherer (54%) gibt an, KI nicht in entscheidender Weise zu nutzen. Weniger als ein Drittel (29%) setzt KI zur Analyse von Daten und Research im Bereich Private Markets ein. Die unmittelbarsten Anwendungsfelder von KI in Investmentteams von Versicherern sind Datenintegration, Szenarienentwicklung, Dokumentenprüfung, Manager-Monitoring und Risikoanalyse.
Die Unternehmensgrösse ist ein wesentlicher Faktor für den KI-Einsatz. Die Mehrheit (75%) derjenigen, die mehr als 100 Milliarden US-Dollar verwalten, berichtet von einem nennenswerten KI-Einsatz, während nur etwa 10% derjenigen, die weniger als 1 Milliarde US-Dollar verwalten, dasselbe berichten. (pd/hzi/ps)