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Willis-Bericht

Spannungen in Nahost und Ausbau der KI-Infrastruktur verändern Versicherungsrisiken

Geopolitische Unsicherheiten und digitale Infrastruktur prägen laut einer Untersuchung des WTW-Geschäftzweigs Willis zunehmend den Versicherungsmarkt.

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«Geopolitische Unsicherheit ist ein Haupttreiber für die Volatilität auf dem gesamten Versicherungsmarkt»: Jackie Bolig, Leiterin Bereich Placement and Broking Solutions für Corporate Risk & Broking bei WTW in Nordamerika WTW/hzi

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Willis, der Geschäftsbereich für Risikoberatung und Versicherungsmakler von Willis Towers Watson (WTW), hat seinen neuesten Bericht «Insurance Marketplace Realities» veröffentlicht, in dem untersucht wird, wie geopolitische Spannungen und der anhaltende Ausbau der digitalen Infrastruktur den globalen Versicherungssektor beeinflussen.
In dem Bericht stellt Willis fest, dass politische Risiken auf den internationalen Märkten zunehmend Anlass zur Sorge geben, wobei die Auswirkungen über einzelne Branchen hinaus auf Lieferketten, Infrastruktur und Finanzsysteme reichen.
Das Unternehmen merkte an, dass die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten voraussichtlich die Preisgestaltung auf dem Markt für politische Risikoversicherungen beeinflussen werden, wobei für die Golfstaaten ein Anstieg der Prämien um 20% bis 30% prognostiziert wird.
Willis fügte hinzu, dass die Preise für traditionelle politische Risikodeckungen und Versicherungen gegen Handelsunterbrechungen wahrscheinlich stabil bleiben oder moderat um bis zu 5% steigen werden.
Laut Willis bewerten Versicherer Risiken zunehmend aus der Perspektive der nationalen Sicherheit, während Unternehmen der politischen Risikoversicherung im Rahmen umfassenderer Strategien zum Unternehmensrisikomanagement eine immer grössere Bedeutung beimessen. Das Unternehmen erklärte, dass geopolitische Entwicklungen die globalen Märkte durch Veränderungen bei der Regulierung, den Investitionsströmen und der operativen Stabilität weiterhin beeinflussen.

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Geopolitische Unsicherheit treibt Volatilität auf Versicherungsmarkt

«Geopolitische Unsicherheit ist nicht mehr nur ein Hintergrundrisiko. Sie ist ein Haupttreiber für die Volatilität auf dem gesamten Versicherungsmarkt», kommentierte Jackie Bolig, Leiterin des Bereichs Placement and Broking Solutions für Corporate Risk & Broking in Nordamerika. «Von Störungen in der Lieferkette über Energiesicherheit bis hin zu regulatorischen Unterschieden – wir beobachten, wie sich globale Ereignisse in konkrete, unmittelbare Auswirkungen auf Risiken und Kosten niederschlagen. Unternehmen müssen ihre Risikostrategien weiterentwickeln, um einer Welt gerecht zu werden, in der Störungen schneller, vernetzter und schwerer vorhersehbar sind.»
Willis hob zudem die wachsende Bedeutung technologiebezogener Risiken hervor. Das Unternehmen erklärte, dass die steigende Nachfrage nach künstlicher Intelligenz und cloudbasierten Diensten erhebliche Investitionen in Rechenzentren und digitale Infrastruktur vorantreibt, die mittlerweile weithin als kritische Vermögenswerte angesehen werden. Willis stellte fest, dass diese Entwicklungen zusätzliche Risiken in den Bereichen Cyber, physische Sicherheit, Energie und Regulierung mit sich bringen und Unternehmen dazu veranlassen, koordiniertere Risikomanagementansätze zu verfolgen.

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Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass in mehreren Versicherungssparten weiterhin günstige Bedingungen für Versicherungsnehmer bestehen, insbesondere für Unternehmen mit einer soliden Schadenbilanz. Willis wies jedoch darauf hin, dass Faktoren wie Zölle, klimabedingte Ereignisse, Prozessfinanzierung durch Dritte, die Abhängigkeit von KI-Technologien und geopolitische Instabilität zu einem schwierigeren Risikoumfeld beitragen.

Sachversicherungen weiterhin rückläufig

Willis berichtete, dass der Markt für Sachversicherungen trotz zunehmender klimatischer Schwankungen weiterhin einen Preisrückgang verzeichnet. Das Unternehmen erklärte, dass der verschärfte Wettbewerb unter den Versicherern und verbesserte Rückversicherungsbedingungen zu Prämienrückgängen von bis zu 15% bei Programmen mit einem einzigen Versicherer und von bis zu 25% bei mehrstufigen und geteilten Platzierungen beitragen.
Gleichzeitig warnte Willis, dass „sekundäre Gefahren“ wie Überschwemmungen, Waldbrände und schwere Stürme immer häufiger auftreten und finanziell an Bedeutung gewinnen, wodurch das Risiko in Gebieten steigt, die zuvor nicht als hochriskant galten.
Das Unternehmen identifizierte zudem Tarife als ein aufkommendes Problem innerhalb des Marktes für Warenkreditversicherungen. Willis erklärte, dass der Markt zwar trotz höherer Insolvenzzahlen und Schadenhäufigkeit wettbewerbsintensiv bleibe, Tarife jedoch den Inflationsdruck verstärkten und die Unternehmensmargen schmälerten, was die Kreditqualität zusätzlich belasten könnte, da Unternehmen auf steigende Kosten und Anpassungen in der Lieferkette reagieren.

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Darüber hinaus hob Willis den anhaltenden Anstieg der Prozesskosten im Gesundheitswesen hervor. Dem Bericht zufolge stieg der Durchschnittswert der 50 höchsten Urteile wegen ärztlicher Behandlungsfehler von 32 Millionen US-Dollar im Jahr 2022 auf 56 Millionen US-Dollar im Jahr 2024, was einem Anstieg von 75% entspricht. Willis stellte zudem fest, dass von Investoren finanzierte Prozessansprüche mit einem Anstieg der Auszahlungen um 60,5% verbunden sind. (Reinsurance News/hzi/ps)

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