Bisher boten Staatsanleihen Stabilität und weitgehende Diversifikation. Gegenwärtig sehen sich Investoren einem weit differenzierteren Marktumfeld gegenüber. Inflationsschocks, divergierende Fiskalpolitik, sich wandelnde Zentralbankprioritäten und geopolitische Unsicherheit haben das Chancenspektrum an den globalen Zinsmärkten grundlegend neu gestaltet. Deswegen sollten institutionelle Investoren jetzt überdenken, was sie von ihrer Anleihenallokation erwarten.
Die Märkte haben mehrere Regime durchlaufen: pandemiebedingte Interventionen, aggressive Straffungszyklen und zunehmend divergierende wirtschaftliche Entwicklungen in Europa und darüber hinaus. Es zeigte sich, dass festverzinsliche Wertpapiere nicht mehr von einer einzigen makroökonomischen Entwicklung bestimmt werden. Die Dispersion ist zurückgekehrt, relative Bewertung zählt wieder und aktives Management hat stark an Bedeutung gewonnen.
Fokus auf Preisineffizienzen
Dies gilt insbesondere für Pensionskassen. Viele Portfolios halten grosse Allokationen in traditionellen Long-only-Anleihestrategien, die einem direktionalen Zinsrisiko ausgesetzt sind. Jetzt braucht es ein breiteres Instrumentarium. Es gilt, sich auf Preisineffizienzen zwischen Ländern, Emittenten, Zinskurven und Instrumenten zu konzentrieren und nicht auf die Richtung der Zinsentwicklung. Die Vorteile sind attraktive Renditen, Unabhängigkeit vom Zinszyklus dank «neutraler» Duration, beständige Renditen sowie Diversifikation.
Diese Vorteile entstehen durch Anlagen in den sichersten Teil des Anleihenuniversums – in das sogenannte Rates-Universum. Es zeichnet sich durch niedrige Ausfallraten sowie hohe Liquidität aus. Dazu gehören traditionelle Staatsanleihen und Covered Bonds, bei denen Leverage besonders effizient eingesetzt werden kann. Covered Bonds verbinden eine hochwertige Besicherungsstruktur mit einer breiten und zunehmend globalen Investorenbasis. Gleichzeitig führen die Bilanzpolitik der Zentralbanken sowie regulatorische Änderungen und die Dynamik der Bankenfinanzierung weiterhin zu Preisanomalien auf den Märkten.
In den vergangenen Jahren haben sich bedeutende Chancen ergeben – nicht nur in Skandinavien, sondern auch in Südeuropa, Osteuropa und in neueren Märkten wie Kanada und Australien. Die globale Zinslandschaft ist deutlich differenzierter geworden, als vielen Investoren bewusst ist. Fiskaldisziplin, politische Stabilität, Schuldentragfähigkeit und Wachstumserwartungen unterscheiden sich zwischen verschiedenen Ländern mittlerweile erheblich.
Wesentlich ist dabei, dass diese Chancen nicht rein makroökonomisch getrieben sind. Einige der bedeutendsten Verwerfungen entstehen durch technische Faktoren wie Emissionskalender, Bilanzrestriktionen von Handelshäusern, regulatorische Kapitalvorschriften, Liquiditätsbedingungen oder vorübergehende Angebotsungleichgewichte. Märkte können so sehr schnell ineffizient werden.
Die zentrale Erkenntnis der vergangenen Jahre: Historische Korrelationen dürfen nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Es konnte beobachtet werden, wie sich stabile Beziehungen zwischen Zinsen, Spreads und Volatilität auflösten. Das erfordert einen anpassungsfähigen Ansatz bei der Portfoliokonstruktion.
Institutionen stehen heute gleichzeitig unter dem Druck mehrerer Faktoren wie Finanzierungsverpflichtungen, Inflationsunsicherheit, erhöhte Volatilität und die Notwendigkeit, die Resilienz des Portfolios zu stärken, ohne dabei die Liquidität zu beeinträchtigen. Strategien, welche aktiv auf verschiedene Marktregime reagieren können, verdienen daher als Ergänzung zu traditionellen Allokationen in Anleihen erhöhte Aufmerksamkeit.
Das Marktumfeld dürfte kaum einfacher werden, da Zentralbankpolitik weniger auf Volatilitätsmuster abgestimmt ist als bisher. Dies erfordert eine Analyse, die über Zentralbankpolitik und wirtschaftliche Fundamentaldaten hinausgeht und die Struktur der Zinsmärkte sowie die Risikofaktoren Liquidität, Swap-Marktdynamiken, Emissionsmuster und marktübergreifende Relative-Value-Beziehungen einbezieht. Für langfristige institutionelle Investoren könnte dieser Wandel sowohl zusätzliche Komplexität als auch ein breiteres Chancenspektrum bedeuten.
Dieser Beitrag ist Teil des am 02. Juli 2026 erschienenen HZ-Insurance-Print-Specials «Pensionskassen».