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Infrastrukturanlagen im KI-Zeitalter

Künstliche Intelligenz beschleunigt die Datenanalyse. Gerade bei langfristigen Anlagen bleibt die menschliche Urteilskraft jedoch zentral.

Daniel Ammon,

Roland Hantke/UBS

Aerial view of a Industrie complex in Hamburg, Germany
Investitionen in Infrastrukturanlagen wie am Hamburger Hafen setzen technisches Know-how voraus. Getty Images

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Heute bewegen sich institutionelle Anleger in zwei Welten: KI verarbeitet Daten, Dokumente und Szenarien immer schneller und umfassender, während Infrastrukturanlagen von langen Zyklen geprägt sind. Kapital ist über Jahre ­gebunden, aber regulatorische und technologische Veränderungen verlaufen oft schneller als die Haltedauer eines Assets. Sie lassen sich nur teilweise aus vorhandenen Daten ableiten – und müssen dennoch antizi­piert werden. «Mehr Daten bedeuten dabei nicht automatisch ­bessere Entscheidungen», so Henning Beck, Neurowissenschafter aus Frankfurt am Main. Im Gegenteil: Mit wachsender Informationsmenge steigt die Gefahr, dass die Entschei­dungsqualität leidet – ein Phänomen, das in der Verhaltensforschung als «Overchoice» beschrieben wird.
KI kann den Anlageprozess entlang der Wertschöpfungskette unterstützen – vom Screening über die Due Diligence bis zum Monitoring. Sie schafft Effizienz sowie Vergleichbarkeit und hilft, grosse Dokumentenmengen zu strukturieren, Muster zu erkennen und Informationen schneller aufzubereiten. Gleichzeitig kann sie dazu beitragen, komplexe Zusammenhänge transparenter zu machen und Entscheidungsgrundlagen klarer darzustellen.
Über die Autoren
Daniel Ammon, Leiter Institutional Client Coverage Schweiz, und Roland Hantke, Leiter Infrastruktur, Unified Global Alternatives, UBS Asset Management, Zürich.
Für institutionelle Anleger verschiebt sich damit der Schwerpunkt: Sie delegieren Analysen an Asset­manager und Berater, müssen aber die Ziele, die Risikobudgets und die Nachhaltigkeitskriterien selber de­fi­nieren. KI hilft, Komplexität zu strukturieren und Inkonsistenzen sichtbar zu ­machen. Gleichzeitig steigt mit zunehmender Datenmenge das Risiko, Nebensächliches mit Entscheidendem zu verwechseln.

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Hinzu kommt: KI und Infrastruktur folgen unterschiedlichen Zeit­logiken. Während KI auf der Analyse historischer Daten basiert und sich dynamisch weiterentwickelt, entstehen und entwickeln sich Infrastrukturen über Jahrzehnte. Investoren müssen deshalb Entscheidungen treffen, die mehrere technologische Zyklen überdauern können. Erfolgreiche Investitionen setzen voraus, kurzfristige Informationsgewinne mit langfristigen strukturellen Entwicklungen zu verbinden und Investitionen so auszurichten, dass sie auch unter veränderten Bedingungen tragfähig bleiben.
Die Grenzen der Algorithmen
Investitionen in Energie, Netze, Transport, Kommunikation oder soziale Infrastruktur erfordern ein tiefes Verständnis von technischen Parametern, regulatorischen Rahmenbedingungen und Cashflow­mechaniken. KI kann Datenräume strukturieren, Dokumente auswerten und Auffälligkeiten identifizieren. Die eigentliche Entscheidung entsteht jedoch dort, wo Unsicherheit bleibt – insbesondere dort, wo Daten fehlen oder historische Muster nicht mehr tragen. Investitionsentscheide beruhen deshalb nicht allein auf Berechnungen, sondern auf der Einordnung von Unsicherheit und der Fähigkeit, Annahmen unter ­veränderten Rahmenbedingungen ­weiterzuentwickeln.

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Gerade in Phasen technologischer Umbrüche, regulatorischer Veränderungen oder geopolitischer Verschiebungen zeigen sich die Grenzen algorithmischer Modelle. Strategische Investitionsentscheidungen erfordern Erfahrung, kri­tisches Denken und die Bereitschaft, Annahmen zu hinterfragen und bei Bedarf zu revidieren. Besonders relevant ist dies bei der Identifikation neuer Trends: Viele Entwicklungen zeichnen sich bereits ab, bevor sie in Daten sichtbar werden.
Governance im Härtetest
Für institutionelle Anleger ist deshalb eine klare Governance zentral. Transparente Annahmen, definierte Verantwortlichkeiten und robuste Entscheidungsprozesse gewinnen an Bedeutung. Die zentrale Frage lautet: Trägt eine Investition auch dann, wenn sich Rahmenbedingungen schneller verändern als erwartet? Besonders deutlich wird dies bei KI-naher Infrastruktur wie Rechenzentren, Stromnetzen, Glasfaser, Kühlung oder Speichern. Hier sind nicht nur Modelle gefragt, sondern fundierte Hypothesen: Welche Technologien setzen sich durch? Wie entwickelt sich die Regulierung? Wie verändern sich Nachfrage, Akzeptanz und Flächenverfügbarkeit? Solche Fragen lassen sich nur teilweise datengetrieben beantworten und erfordern ein aktives Zusammenspiel von Analyse und Urteil.

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Am Ende gilt: Nicht mehr Daten machen den Unterschied, sondern die bessere Einordnung. Wer Technologie gezielt nutzt und gleichzeitig klare Governance sowie eigene Verantwortung stärkt, schafft die Grundlage für robuste Entscheidungen. Zukunftsfähige Infrastrukturportfolios entstehen, wenn technologische Effi­zienz und menschliche Urteilskraft zusammenspielen.
Dieser Beitrag ist Teil des am 02. Juli 2026 erschienenen HZ-Insurance-Print-Specials «Pensionskassen».

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