Provisionen stünden nicht zur Disposition – aber sie müssten begründbar sein. Mit dieser Ansage steckte Urs Arbter, Direktor des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV, am 8. Kongress des Schweizerischen Verbands der Versicherungsgeneralagenten (SVVG/FSAGA) im Royal Savoy in Lausanne das Terrain ab. Im Nichtlebengeschäft sei die Entschädigung politisch unbestritten; in der Krankenversicherung dagegen wachse mit den Prämien auch der gesellschaftliche Druck – hier würde die Branchenvereinbarung «Vermittler» klare Leitplanken setzen. Genau darin liegt für Arbter das Erfolgsrezept: Wo die Branche selbst Verantwortung übernehme, wirke Regulierung besser. Die Selbstregulierung in der Aus- und Weiterbildung zeige, dass Qualität, Praxisnähe und Verhältnismässigkeit zusammengehen – ein bewusst gewählter Schweizer Weg, zwanzig Jahre nach Start der Vermittleraufsicht mit heute über 11'000 ungebundenen und rund 25'000 gebundenen Vermittlern. Umso wachsamer müsse der Blick auf das anstehende FINMA-Rundschreiben für Vermittler gerichtet sein: Das Ausmass der Reportingpflichten werde allmählich zum grossen Thema.
Bildung als strategischer Vorteil
Den Rahmen für Arbters Gastreferat setzte das Kongressmotto «Compliance, Kompetenz, Vertrauen – die Aus- und Weiterbildung im Herzen der Versicherungsbranche». SVVG-Präsident Erwan Descloux lieferte dazu die Formel: Compliance verleihe Legitimität, Kompetenz zeichne aus, Vertrauen sei die Existenzgrundlage – und die Ausbildung halte alles zusammen. Dass diese Rechnung aufgehen könne, untermauerte VBV-Direktor Jürg Zellweger schliesslich mit Fakten: hohe Qualifikationsanforderungen an die Ausbildung und die tiefe Arbeitslosigkeit in der Branche etwa würden eine klare Sprache sprechen. Offen liess er dabei, ob die KI mittlere Qualifikationen unter Druck setzt – und ob bald die Einstiegsjobs fehlten, in denen der Nachwuchs das Geschäft lernte.
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KI macht den Berater nicht überflüssig
Wo Zellweger die Kompetenzfrage stellte, rückte Mobiliar-CEO Michèle Rodoni das Vertrauen zwischen den Akteuren der Branche ins Zentrum und betonte dabei, dass das Miteinander in allen Regionen der Schweiz der Garant des Erfolgs der Mobiliar ist - seit nunmehr 200 Jahren. Den technologischen Kontrapunkt setzte Frédéric Traimond, Stellvertretender CEO der Vaudoise: KI würde den Berater nicht ersetzen, sondern bringe dessen Stärken noch stärker zum Vorschein – gerade im Zeitalter von Deepfakes werde der Mensch zum unbedingten Vertrauensanker.
Handfest wurde es im statutarischen Teil: Die Delegierten stimmten über schlankere Strukturen beim SVVG ab, darunter eine geschärfte Definition des Generalagenten sowie die Aufhebung von Ausschuss, Schlichtungs- und Aufsichtskommission. Den emotionalen Schlusspunkt setzte Skirennfahrer Arnaud Boisset.