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Kundenmanagement

Versicherer verlieren Kontrolle ΓΌber ihr GeschΓ€ft

Die Technologie macht es Branchenfremden einfach, das Produkt Versicherung an Frau und Mann zu bringen, vorbei an den traditionellen Vertriebsinfrastrukturen.

Eli Barbier

Frustrierter Mann
Den Versicherern ist das Problem bewusst, eine LΓΆsung haben sie noch nicht gefunden. Adobe Stock

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Was Kunden von Versicherern wollen

Versicherer haben ihre Kundenbeziehungen outgesourct. Generalagenten und Broker wissen mehr ΓΌber die Versicherungsnehmer als die Versicherer. Die dezentrale Vermarktung hat es den Versicherern ermΓΆglicht, so nah am Kunden zu sein wie der Tante-Emma-Laden um die Ecke. Doch durch das sich anbahnende Zeitalter datengetriebener GeschΓ€ftsmodelle hat die Kundenbeziehung an Bedeutung gewonnen. In einer fΓΌnfteiligen Serie geht HZ Insurance der Frage nach: Was wollen Kunden von Versicherern? Wir erlΓ€utern heute die GrΓΌnde, warum Versicherer die VorstΓΆsse von Branchenfremden so ernst nehmen. In unserem nΓ€chsten Beitrag geht es um den Net Promoter Score und warum er so wichtig fΓΌr das GeschΓ€ft ist.
Das Prinzip Versicherung wirbt mit einem guten Image. Es ist mit Sicherheit verknΓΌpft und hat zugleich immer etwas mit SolidaritΓ€t zu tun. Doch in der RealitΓ€t kommt der Gang zum Versicherer fΓΌr den Kunden eher dem Besuch beim Zahnarzt gleich: Spass macht das nicht, aber es muss halt sein. Mit ihren komplexen Strukturen haben sich Versicherer vom Kunden zu sehr entfernt. Branchenfremde drohen diesen Part von den Generalagenten und Brokern zu ΓΌbernehmen, so wie das im Detailhandel bereits geschieht. Vergleichsportale wie Comparis haben in vielen LΓ€ndern im Versicherungsmarkt eine starke Rolle ΓΌbernommen. Hinzu gesellen sich Insurtechs und die grossen Digitalkonzerne wie Google und Amazon, die mit ihren disruptiven AnsΓ€tzen bereits einige Branchen fundamental verΓ€ndert haben und ihre WertschΓΆpfungskette kontinuierlich ausweiten. Ihr Interesse am VersicherungsgeschΓ€ft wird immer grΓΆsser.
Den Versicherern ist das Problem bewusst, eine LΓΆsung haben sie noch nicht gefunden. Laut Umfragen von Sollers Consulting fΓΌrchten 29 Prozent der Versicherer, dass in zehn Jahren Insurtechs die Treiber des VersicherungsgeschΓ€fts sein werden. 26 Prozent glauben, dass die Big Tech die MΓ€rkte anfΓΌhren werden, 15 Prozent schreiben diese Rolle den Aggregatoren zu. Lediglich 18 Prozent sind ΓΌberzeugt, dass Versicherer die Treiber sind. Β«Versicherer scheinen Angst vor Insurtechs und grossen Tech-Firmen zu haben, obwohl sie am besten positioniert sind, um den Markt anzufΓΌhrenΒ», kommentiert MichaΕ‚ Trochimczuk, Managing Partner der Business- und IT-Beratung Sollers Consulting. Es gehe fΓΌr die Versicherer darum, die Kundenbeziehung und die damit verbundenen Kundendaten zu kontrollieren. Β«Ansonsten laufen sie Gefahr, die Kontrolle ΓΌber ihr GeschΓ€ft zu verlieren.Β»

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Junge sind offen fΓΌr Branchenfremde

Beim Thema Versicherung zeigen sich vor allem junge Kunden offen fΓΌr die Services der Hightech-Konzerne, stellt die Strategieberatung Bain in einer Studie (Β«Schweizer Versicherungsreport: Die EntschlΓΌsselung der Kunden-DNAΒ») fest. In SchwellenlΓ€ndern sind nach Untersuchungen von Bain zum Teil mehr als 90 Prozent der Millennials bereit, Policen bei Branchenneulingen abzuschliessen. In der Schweiz liegt dieser Anteil bei 70 Prozent (siehe Grafik). Β«UnabhΓ€ngig vom Alter kΓΆnnen sich die Schweizer am ehesten fΓΌr Versicherungsprodukte bekannter Hersteller und Dienstleister erwΓ€rmenΒ», betont Bain. Β«Doch auch eine Police von EinzelhΓ€ndlern oder Hightech-Anbietern stΓΆsst auf Interesse.Β»
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Grafik: Anteil von Millennials, die Versicherungen von Branchenneulingen kaufen wΓΌrden.Bain
Grafik: Anteil von Millennials, die Versicherungen von Branchenneulingen kaufen wΓΌrden.Bain
Wie rΓΌckstΓ€ndig die Versicherer in ihrem Service- und Vertriebsangebot gegenΓΌber anderen Branchen sind, macht eine Accenture-Studie deutlich, fΓΌr die 4000 Schweizer und Deutsche befragt wurden. Demnach glauben 58 Prozent der Kunden, dass Versicherer signifikantes Innovationspotenzial jenseits ihres KerngeschΓ€ftes heben kΓΆnnten. Β«Das ist ein deutlicher Vorsprung vor anderen BranchenΒ», betont Simon RΓΆwer, Senior Manager Versicherungen bei Accenture Strategy & Consulting, in einem Blog-Beitrag. Laut AMC-Marktreport werden bereits heute etwa 50 Prozent aller Online-Versicherungen in Europa ΓΌber Aggregatoren vertrieben. FΓΌr Deutschland erwarten sie, dass bis 2030 60 Prozent des NeugeschΓ€fts aus ungebundenen VertriebskanΓ€len kommen wird. Die Dominanz des Generalagenten-Vertriebs wΓ€re nach Jahrzehnten der Alleinherrschaft dann endgΓΌltig gebrochen.

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Operative Exzellenz wird vorausgesetzt

Die Mehrzahl der Schweizer bewertet die Leistung ihres Versicherers in einzelnen Nutzenelementen (Preis, QualitΓ€t, Information, Einfachheit, emotionale Elemente) eher mΓ€ssig, stellt die Bain-Studie fest. 4000 Versicherte von grossen Schweizer Anbietern wurden dafΓΌr befragt. Demnach gelingt es den Sachversicherern zwar, Risiken und Γ„ngste bei ihren Kunden zu reduzieren, doch was einfache Interaktionen und andere wichtige Themen angeht, bescheinigen diese den Versicherern Defizite. Β«Die gleichfΓΆrmige Positionierung erweist sich vor allem bei jΓΌngeren Zielgruppen als ProblemΒ», schreiben die Bain-Autoren und verweisen auf die USA, wo jΓΌngere Kunden wesentlich mehr Wert auf emotionale und soziale Elemente legen.
Die Offenheit fΓΌr neue Anbieter verbunden mit der Tatsache, dass es den etablierten Versicherern bislang nicht gelingt, Kundenerwartungen zu erfΓΌllen, schafft Raum fΓΌr neue Wettbewerber. Die GefΓ€hrdung durch Insurtechs, grosse Tech-Unternehmen und Preisvergleichsportale ist nach ΓΌbereinstimmender Auffassung der Berater hausgemacht. FΓΌr Versicherer ergeben sich demnach zwei Konsequenzen: Sie mΓΌssen ihre FΓ€higkeiten im operativen Bereich verbessern und gleichzeitig neue Wege in der Kundenbindung gehen. Β«Funktionale Exzellenz wird zur SelbstverstΓ€ndlichkeit, ein gutes GefΓΌhl zum entscheidenden DifferenzierungsmerkmalΒ», heisst es in der Bain-Studie. Versicherer beschreiten hier Neuland, bei den Hightech-Konzernen sei dies essenzieller Bestandteil ihres GeschΓ€ftsmodells.

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