Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit nachhaltigem Verhalten dΓΌrften zunehmen. Um so wichtiger werden Transparenz und klare Standards.
Sandra Escher Clauss
Wollen Firmenleitungen eine weisse Weste behalten, sollten sie in Sachen Nachhaltigkeit transparent und nachvollziehbar handeln. didecs - stock.adobe.com
Nicht ΓΌberall wo grΓΌn draufsteht, ist auch grΓΌn drin β das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Denn wie so manch anderes kann auch der Druck auf Firmen, ihre ΓΆkologische Bilanz zu verbessern, Manager dazu verleiten, ihren Unternehmen unrealistische Ziele aufzubΓΌrden. Β«Werden solche Ziele der Γffentlichkeit kommuniziert und nicht erreicht, kann das in manchen Rechtssystemen Untersuchungen oder Klagen gegen das Management begΓΌnstigenΒ», sagt Philippe Aerni, Head Specialties bei Zurich Schweiz. Β«Insbesondere dann, wenn ein Zusammenhang zwischen der Nichterreichung solcher Ziele und finanziellen Verlusten des Unternehmens oder der AktionΓ€re behauptet werden kann.Β»
Druck auf Unternehmen steigt
GrundsΓ€tzlich ist das oben beschriebene Risiko durch eine Organhaftpflichtversicherung gedeckt. Allerdings kΓΆnnten Umweltaktivisten oder NGO versuchen, ihre ESG-Agenden durch Rechtsstreitigkeiten voranzutreiben. Β«Das Urteil des niederlΓ€ndischen Gerichts, in dem Royal Dutch Shell aufgefordert wurde, die COβ-Emissionen zu reduzieren, ist nur ein Beispiel dafΓΌr, wie Rechtsstreitigkeiten bezΓΌglich ESG-bezogenem Verhalten Unternehmen betreffen kΓΆnnenΒ», konstatiert Philippe Aerni. Und auch institutionelle Investoren wie zum Beispiel Blackrock werden Unternehmen weiterhin zu ESG-konformem Verhalten drΓ€ngen, ist er ΓΌberzeugt.
Partner-Inhalte
Werbung
Martin Eckert, ESG-Spezialist und Mitinhaber der Anwaltskanzlei MME Legal, ortet zudem grosse Risiken im Bereich ESG fΓΌr den Finanzmarkt. Β«Es gibt unzΓ€hlige Standards und Richtlinien. Daher ist genaues Hinschauen vor dem Verkauf von nachhaltigen Finanzprodukten absolut zwingend.Β» Das gelte vor allem fΓΌr das VerhΓ€ltnis zwischen Finanzmarkt-Akteuren und Kunden. Β«Auch wenn die Finma die Transparenzpflicht im Bereich ESG diesen Sommer verschΓ€rft hat, ist in dieser Beziehung noch wenig geregelt.Β»
Standards und Selbstregulierung
Immerhin: mittlerweile haben einige Unternehmen, darunter auch grosse Banken und Versicherer, mehr oder minder aussagekrΓ€ftige PrΓΌfungs- und Bewertungsmodelle lanciert und entwickeln diese stetig weiter. Β«Aus versicherungstechnischer Sicht befindet sich die Bewertung der ESG-Strategien zwar noch in einem frΓΌhen StadiumΒ», so Philippe Aerni. Β«AusgewΓ€hlte Indikatoren kΓΆnnen ein potenzielles Problem aber identifizieren und Unternehmen dabei unterstΓΌtzen, Massnahmen zu ergreifen, um die Risikoauswirkungen zu reduzieren.Β»
Sowohl Philippe Aerni als auch Martin Eckert sind ΓΌberzeugt, dass es kΓΌnftig einheitliche Standards geben wird, sei es durch Gesetzgeber oder Regulatoren oder sei es im Sinne der Selbstregulierung einer Industrie. Β«Wobei Standards gegenΓΌber Regulierungen eindeutig zu bevorzugen sindΒ», betont Eckert. Β«Dadurch entsteht Vergleichbarkeit und diese wiederum sorgt fΓΌr Selbstregulierung.Β»
Werbung
Bis es so weit ist, verlangen die Underwriter von den Unternehmen vermehrt aussagekrΓ€ftige ESG-Informationen, wenn diese eine Versicherung nachfragen. Β«Versicherer mΓΆchten herausfinden, ob Firmen eine ESG-Strategie haben und das darin Versprochene auch umsetzenΒ», erklΓ€rt Philippe Aerni. Will heissen: ob die Unternehmen die gesteckten Nachhaltigkeitsziele tatsΓ€chlich mit bestem Wissen und Gewissen zu erreichen versuchen.
Die Market Opinion Grossrisiken mit Resilienz begegnen wird in Zusammenarbeit mit Zurich Insurance Company Ltd realisiert.