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Drei Säulen, ein Versprechen, eine wachsende Lücke

Kein ETF schützt gegen Invalidität. Kein Sparkonto ersetzt Einkommen bei Tod. Vorsorge ist unverzichtbar. Aber sie kommt nicht mehr bei den Menschen an.

Jörg Thews

«Es braucht jetzt Mut zum Umbau», Jörg Thews, Partner und Swiss Insurance Leader, PwC Schweiz
«Es braucht jetzt Mut zum Umbau», Jörg Thews, Partner und Swiss Insurance Leader, PwC Schweiz Getty Iamges
Die Schweizer Altersvorsorge wurde mit einem Versprechen gebaut: Wer arbeitet, ist geschützt. Im Alter, bei Invalidität, im Todesfall. Drei Säulen, ein System, das Generationen getragen hat.Dieses Versprechen löst sich nicht auf. Aber es wird brüchiger.
Wer selbstständig arbeitet, kann sich freiwillig einer Pensionskasse anschliessen, doch kaum jemand tut es, denn Bewusstsein und attraktive Lösungen fehlen. Die BVG-Reform ist gescheitert und so treffen Produkte, die vor 30 Jahren entwickelt wurden, heute Kundinnen und Kundenderen Finanzleben sich grundlegend verändert hat.
Wer heute 25 ist, findet kaum den Weg in eine klassische Vorsorgeberatung. Nicht weil das Thema unwichtig wäre, sondern weil die Branche dort nicht präsent ist, wo diese Generation ihre Entscheidungen trifft: auf dem Smartphone, in Sekunden, ohne Termin. Revolut, Neon oder Yuh haben einer ganzen Altersgruppe einen neuen Massstab gesetzt: «Einfach» ist keine Kür mehr, sondern Grunderwartung.
Mit der Folge, dass jeder Franken, der in Konsum- und Trading-Apps fliesst, morgen in der Vorsorge fehlt. Dabei fehlt häufig nicht einmal das Bewusstsein, sondern weil die Hürden zu handeln – gerade für jüngere Generationen – zu gross sind.
Die Vorsorge schützt gegen Risiken, die kein anderes Finanzprodukt abdecken kann: Langlebigkeit, Invalidität, Tod. Diese Substanz ist einzigartig. Aber ein Schutzsystem, das die Menschen nicht erreicht, erfüllt sein Versprechen nicht. Was es braucht, ist Klarheit in drei Feldern.
Aufklärung: Geldvermehrung ist nicht Schutz. Kundinnen und Kunden müssen die Risiken verstehen, die nur ein Versicherer tragen kann.
Zugang: Produkte und Prozesse auf Neobank-Niveau. Sie müssen modular, portabel undanpassbar an Brüche in der Erwerbsbiografie sein –ohne Medienbruch.
Fokus: Wer in reine Anlageprodukte ausweicht, nimmt einen Kostenwettbewerb auf, den Banken gewinnen.Differentiator ist und bleibt der Risikoschutz.
Die Herausforderung liegt im Mut zum Umbau. Geht die Branche ihn jetzt an? Oder verwaltet sie weiter ein Versprechen, das immer weniger Menschen erreicht?