Arzttarif Tarmed, Medikamentenkosten und Corona sorgen fĂĽr Kostenschub
Falsche Tarif-Anreize im ambulanten Bereich führen zu gravierenden Fehlentwicklungen. Im 2021 summierten sich die Kosten, die über den Einzelleistungstarif Tarmed abgerechnet wurden, auf 12 Milliarden Franken. Das sind rund 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem sind die Medikamentenpreise in der Schweiz viel zu hoch angesetzt: Bei patentgeschützten Medikamenten beträgt die Differenz zum europäischen Ausland rund 9, bei patentabgelaufenen Originalpräparaten 15 und bei Generika sogar 100 Prozent.
Insbesondere die Politik kann diese Fehlentwicklung korrigieren. Bisher ist der Wille zu echten kostendämpfenden Massnahmen allerdings kaum spürbar. Wirksame Massnahmen wie etwa das Referenzpreissystem für patentabgelaufene Arzneimittel wurden abgelehnt, oder stehen, wie etwa die geplante tarifpartnerschaftliche Kostensteuerung auf der Kippe.
Reserven schrumpfen um rund einen Drittel
Die Auflösung von Reserven zwecks Prämiendämpfung im Jahr 2021, das ausserordentlich starke Kostenwachstum sowie die ungünstige Entwicklung an den Finanzmärkten reduzieren die Reserven der Krankenversicherer drastisch. Die dadurch erfolgte Wertminderung der Reserven beträgt rund ein Drittel. Ein weiterer Reserveabbau würde sogar grosse Krankenversicherer in ihrer Existenz gefährden.
Die Massnahmen liegen auf dem Tisch und würden wesentlich dazu beitragen, die unerwünschte Kostenentwicklung effizient einzudämmen – ohne dass die Qualität leidet.
Allein seit 2013 stieg die Zahl der ärztlichen Grundversorger in der Schweiz um 7 Prozent; jene der Spezialärztinnen und -ärzte sogar um 12 Prozent. Laut Statistik kostet jede zusätzliche Arztpraxis die Prämienzahlerinnen und Prämienzahler rund 500'000 Franken. Die Kantone sind gefordert, bei der Zulassung von neuen Ärztinnen und Ärzten eine deutlich aktivere Rolle zu spielen.
Mit dem Health Technology Assessment (HTA) überprüft der Bund systematisch, ob bestimmte Leistungen, welche von der Grundversicherung vergütet werden, die Kriterien der Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit erfüllen. Obwohl zahlreiche abgeschlossene HTA-Verfahren Ausschlüsse aus der Grundversicherung nahelegen, lassen die gewünschten Einsparungen auf sich warten. Der Bund ist nun gefordert: Einerseits muss er die laufenden HTA-Verfahren beschleunigen, andererseits sind Leistungen, welche die WZW-Kriterien nicht erfüllen, konsequent aus dem Leistungskatalog auszuschliessen.
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- Rechnungskontrolle weiter stärken
Die Kontrolle von Rechnungen, deren Korrektur oder Zurückweisung ist eine Kernaufgabe der Krankenversicherer. Dank dieser Kontrollen können die Krankenversicherer jedes Jahr mindestens 3.5 Milliarden Franken an Kosten vermeiden. Dank diesem Know-how konnten die Krankenversicherer zudem die gesamte Tarifkontrolle bei der Abrechnung von Corona-Tests vornehmen. Dabei sind die Krankenversicherer auf zahlreiche Unregelmässigkeiten gestossen, die sie dem Bundesamt für Gesundheit regelmässig melden. Bei mutmasslichen Betrügereien stoppen die Krankenversicherer die Auszahlungen. Nun ist es am Bund, diesen Hinweisen nachzugehen, Rückforderungen zu stellen oder gegebenenfalls Strafanzeige einzureichen.