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Vorhaben 2019

Vom Reiten auf Trendwellen

Alle grossen schweizerischen Versicherungsgesellschaften setzen auf Digitalisierung. Die Strategien sind indes unterschiedlich.

Matthias Niklowitz, Journalist und Jurymitglied des Swiss Insurance Innovation Award.

Viele Versicherer investieren in kΓΌnstliche Intelligenz in Form von interaktiven Chatbots.
Viele Versicherer investieren in kΓΌnstliche Intelligenz in Form von interaktiven Chatbots.Pixabay

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ZwΓΆlf Jahre nach der EinfΓΌhrung der ersten modernen Smartphones wird keine Branche mehr von den Auswirkungen der mobilen Digitalisierung verschont. Nicht nur die DetailhΓ€ndler spΓΌren die Online-Konkurrenz. Auch MΓΆbelhersteller verkaufen weniger BΓΌcherregale. Und selbst TΓΌrenhersteller spΓΌren den Trend zu grossen, gemischt genutzten WohnrΓ€umen.
Auch auf die Versicherungsgesellschaften kommt einiges zu: GemΓ€ss den Analysten der US-Bank Morgan Stanley werden die PrΓ€mien im Hausratsversicherungsbereich durch vernetztes Wohnen bis zum Jahr 2030 zwischen 30 und 70 Prozent fallen, weil die wichtigsten mΓΆglichen SchΓ€den wie Feuer, Wasser und Einbruch durch Sensoren viel rascher gemeldet werden kΓΆnnen und sich so die SchadenhΓΆhe begrenzen lΓ€sst.
Auch die schweizerischen Versicherer kommen nicht umhin, sich dieser Zukunft zu stellen. Sie unternehmen das schrittweise, wie eine kleine Umfrage ergab.

Axa: Interaktive Beratungs-App

Β«Unsere Kunden sind zunehmend digital affinΒ», sagt Axa-Sprecherin Nicole Horbelt, Β«Convenience, also Einfachheit, gewinnt immer mehr an Bedeutung.Β» Das gelte sowohl fΓΌr Versicherungsprodukte als auch fΓΌr die Kundeninteraktion im Schadenfall und neuerdings fΓΌr den Einkauf in die zweite SΓ€ule. Β«Mit unseren Digitalisierungsvorhaben setzen wir an beiden Punkten anΒ», so Horbelt weiter. Β«Wir vereinfachen laufend den Kundenzugang, beispielsweise ΓΌber unser Portal myAxa oder ΓΌber unsere Website axa.ch mit dem Ziel, ein einheitliches Erlebnis zu schaffen.Β» Man pilotiere auch neue Kundeninteraktionsformen auf der Basis von Chatbots. Β«Voice Assistants gehΓΆren zu den neuen Technologien, die wir aktiv beobachten und zu denen wir uns auch innerhalb der Gruppe austauschen.Β»

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Seit 2017 sei man erfolgreich im Krankenzusatzversicherungsmarkt aktiv. Β«Im MobilitΓ€tsumfeld haben wir kΓΌrzlich mit UPTO ein neuartiges MobilitΓ€tsprodukt auf den Markt gebrachtΒ», so Horbelt. Auch im Flottenmanagement pilotiere man ein neues Produkt fΓΌr KMU-Kunden. Β«Wir setzen den Fokus darauf, die 'Friction Points' unserer Kunden auf der Customer Journey besser zu lΓΆsen, insbesondere ΓΌber Services oder neue  MobilitΓ€tsprodukte und einfachere Produkte wie beispielsweise ein modulares HaushaltsproduktΒ».
Das Privatkundensegment wird von einem zunehmenden Preiswettbewerb in der Motorfahrzeugversicherung geprΓ€gt. Horbelt: Β«Wir sind ΓΌberzeugt, dass gelebte Kundenorientierung und Einfachheit in der Kundeninteraktion nach wie vor zentrale Erfolgsbausteine fΓΌr ein gelungenes Kundenerlebnis sind.Β» Und im UnternehmensgeschΓ€ft gebe es eine zunehmende VerhΓ€rtung der Preise im Bereich der Krankentaggeld-Versicherung. Β«Die Schadenbelastung in dieser Branche ist seit mehreren Jahren auf hohem Niveau.Β» Und auch der Agentur-Kanal wird von VerΓ€nderungen erfasst. Β«Seit Anfang 2018 fΓΌhren wir schweizweit eine interaktive Beratungs-App im Axa-Aussendienst ein, die eine papierlose Beratung ermΓΆglichtΒ», so Nicole Horbelt.

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Baloise: Viele neue einzelne Versicherungen

Die Baloise war in den vergangenen Monaten mit einer langen Liste von neuen Versicherungen aufgefallen: Die Spanne reicht von Bike-Versicherungen ΓΌber Cyber-, Fiasko-Kasko (mit MΓΆbel Pfister) bis zu Handy-Versicherungen und Cyber-Safe-Data (ΓΌber bzw. mit der Bank Cler). Β«Momentan befinden wir uns mit diesen Produkten in einer Skalierungsphase, in der wir die Produkte fΓΌr unsere Kunden auf den relevanten VertriebskanΓ€len anbietenΒ», erklΓ€rt Philipp Marty, Leiter Produktmanagement Sach/Haft Privatkunden. Β«Die Baloise hat als erster Versicherer in der Schweiz die Online-Schadenmeldung radikal vereinfacht.Β» Mittels interaktivem Chat mit Foto- und Spracherkennung kΓΆnnen die Kunden einen Schaden innert Minuten eingeben – ohne AusfΓΌllen von Formularen im Fachjargon. Β«Auch bauen wir das Baloise-Dienstleistungsangebot 'Digitale Pfadfinder' stetig aus; dieses Jahr insbesondere mit ΓΆffentlichen 'Home'-FΓΌhrungen sowie zahlreichen Veranstaltungen zur Sensibilisierung fΓΌr Cyber-RisikenΒ», so Marty.
Auch bei Baloise sind die neuen VertriebskanΓ€le ein Thema. Β«Momentan gehen wir davon aus, dass erst maximal 0,1 Prozent aller DigitalabschlΓΌsse ΓΌber Alexa laufenΒ», sagt Jean-Michel Benkert, Innovation Manager bei der Baloise. Β«Wir verfolgen die Entwicklungen am Markt und sind in der Lage, sehr schnell auf sich Γ€ndernde Gegebenheiten zu reagieren.Β»

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Mit Kooperationen rund um das Thema Home (Kauf von Β«MOVUΒ») und Mobility (Mitbeteiligung an Β«CarhelperΒ») sei man im Bereich digitale Γ–kosysteme auch gut vernetzt. Β«Zudem sind wir im Bereich Bank-Assurance mit Kooperationen mit der Bank Cler sowie Servicehub (BLKB/Anivo) gut aufgestelltΒ», so Marty weiter. In den LΓ€ndergesellschaften laufen zudem weitere Projekte rund um das Thema MobilitΓ€tsplattform (Mobly und Drivolution). Der Preisdruck sei weiterhin spΓΌrbar, vor allem im Unternehmenskunden-GeschΓ€ft (Sach, Haft, Transport, exklusive Unfall / Kranken) sowie im Nichtleben-PrivatkundengeschΓ€ft (MF, GebΓ€ude, Hausrat).

Helvetia: Sprechende Bots

Helvetia hatte bereits in Pilotversuchen interaktive Chatbots getestet. Diese wurde bei Vertragserneuerungen und fΓΌr die Abwicklung von VelodiebstΓ€hlen getestet. Β«Aufgrund der hohen Akzeptanz plant Helvetia nun die EinfΓΌhrung eines Chatbots fΓΌr den dauerhaften BetriebΒ», sagt Sprecher Jonas Grossniklaus. Die EinfΓΌhrung eines textbasierten Konversations-Bots steht im Vordergrund; eine Sprachvariante, die beispielsweise ΓΌber das Alexa-System von Amazon laufen kΓΆnnte, wird es vorlΓ€ufig nicht geben.
Zudem plant man auch den Ausbau des B2B2C-Bereich in der Schweiz und in Europa. Β«Dies auch mittels dem Insurtech INZMO, an dem Helvetia via Venture Fund beteiligt istΒ», so Grossniklaus. INZMO ist ein Start-up aus Estland, mit dem einzelne VersicherungsgeschΓ€ftsprozesse durchgehend digitalisiert werden kΓΆnnen. Helvetia ist laut eigenen Angaben bereits am Aufbau eines Business Eco-System Home. Neben MoneyPark als starkem Anker seien bereits verschiedene andere Unternehmen Teil des Eco-Systems.

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In der privaten Vorsorge hat Helvetia laut Grossniklaus als erste Gesellschaft im Markt ein periodisch finanziertes Kapitalisationsprodukt sowie zwei eigene Fonds lanciert. DarΓΌber hinaus werde man in diesen Wochen zwei neue Todesfallrisikoprodukte mit der Online-Versichererung smile.direct sowie dem Bankenpartner Raiffeisen platzieren. Β«In der Privatvorsorge erwarten wir, dass die Preise zugunsten unserer Kunden leicht unter Druck geraten, dies ΓΌber die gesamte Palette der Vorsorge- und AnlageprodukteΒ», sagt Grossniklaus weiter. Β«In der Nicht-Lebenversicherung hΓ€lt das kompetitive Marktumfeld weiter an.Β» Der Preiswettbewerb sei sowohl im Privat- als auch FirmenkundengeschΓ€ft spΓΌrbar. Zusammen mit Agenturen wird man die Pensionsplanung gegen GebΓΌhr im Aussendienstkanal, neue Zusammenarbeitsformen, um FΓ€higkeiten des Teams fΓΌr Kunden optimal einzusetzen sowie ein digitales Assistenzsystem zur weiteren Strukturierung und Emotionalisierung des Beratungsprozesses testen.

Mobiliar: Wohnen und KMU-Dienstleistungen

Β«Unter Digitalisierung verstehen wir nicht nur neue AngeboteΒ», sagt Mobiliar-Sprecherin Leilah Ruppen. Die technischen MΓΆglichkeiten und die neuen digitalen Hilfsmittel wΓΌrden das Verhalten der Kundinnen und Kunden verΓ€ndern. Β«Um dem gerecht zu werden, investieren wir in den kommenden fΓΌnf Jahren eine Milliarde Franken in die Digitalisierung und die digitale Transformation.Β» Aus Kundensicht wΓΌrden die Grenzen zwischen On- und Offline abgebaut.

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Das jΓΌngste Produkt aus der Fabrik ist die telematikbasierte Autoversicherung Β«CleverDriveΒ». Hinsichtlich den digitalen Γ–kosystemen konzentriere man sich auf die Themen Wohnen und Β«Dienstleistungen fΓΌr KMUΒ». Β«Wir betrachten die Γ–kosysteme aber nicht als eine rein digitale Angelegenheit. Wir sehen sie als Chance, die On- und Offline-Welten noch stΓ€rker miteinander zu verbindenΒ», so Ruppen. Einfache Produkte wΓΌrden vermehrt per Knopfdruck online abgeschlossen. Β«CleverDrive war erst der Anfang: Wir wollen neue Technologien vermehrt nutzen, um bestehende Produkte einfacher zu machen und neue Angebote zu kreieren.Β»
Zu interaktiven Kommunikationsformen, beispielsweise ΓΌber Alexa von Amazon, mag man sich bei der Mobiliar nicht Γ€ussern. Β«Wir wollen unseren Kundinnen und Kunden auch in einer zunehmend digitaleren Welt den bestmΓΆglichen Service bietenΒ», heisst es zu Strategie fΓΌr die Agenturen. Β«Wir investieren sehr viel ins digitale Kundenerlebnis – die lokalen Entscheidungs- und Handlungskompetenzen bleiben aber bei den Generalagenturen.Β»
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