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Energiewende in der Schifffahrt

Neue Antriebstechnologien bergen unbekannte Risiken

Der Umstieg auf eine CO2-freie Reederei erfordert weltweite Risiko-Strategien. Versicherer sind dabei wichtige Partner.

Mark Edmondson

Die Frachtschifffahrt ist mit vielen Herausforderungen der Energiewende konfrontiert.
Die Frachtschifffahrt ist mit vielen Herausforderungen der Energiewende konfrontiert.Chubb

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Die Reedereiindustrie befΓΆrdert 90 Prozent des weltweiten Warenverkehrs und ist nach aktuellen SchΓ€tzungen fΓΌr drei Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Die EuropΓ€ische Kommission schΓ€tzt, dass diese Zahl ohne Gegenmassnahmen innerhalb weniger Jahrzehnte auf 10-13 Prozent ansteigen kΓΆnnte. Aus diesem Grund steht die Reedereiindustrie unter Druck, nach MΓΆglichkeiten zur Verringerung des CO2-Fussabdrucks zu suchen.

Die Herausforderungen der Dekarbonisierung

Die Frachtschifffahrt ist, wie viele andere Branchen auch, mit unzΓ€hligen Herausforderungen der Energiewende konfrontiert. Der internationale Charakter der Schifffahrt und ihre GrΓΆsse erschweren es der Branche, einheitliche Umstellungen zur Dekarbonisierung vorzunehmen. DarΓΌber hinaus haben Reedereien mit vielen Interessen zu kΓ€mpfen, wie dem Flaggenstaat, dem Standortland, verschiedenen AufsichtsbehΓΆrden, Charterfirmen und oft einer komplexen Struktur von wirtschaftlichen EigentΓΌmern und Interessengruppen. Sollte ein Schifffahrtsunternehmen beschliessen, seine Flotte erheblich zu modernisieren, um die Emissionen zu reduzieren, kann der Mangel an unterstΓΌtzender Infrastruktur auf der ganzen Welt - wie Tankanlagen fΓΌr Schiffe oder der Zugang zu spezialisierten Werften - die Umstellung auf einige der neuen Treibstoffe anfangs erschweren.

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Über den Autoren

Mark Edmondson ist seit 2023 Consultant Marine Underwriter bei Chubb Overseas General mit Sitz in London. Zuvor war er unter anderem sieben Jahre Head of Marine bei Cubb Global Markets.
Obwohl die Schifffahrtsbranche vor komplexen technischen und betrieblichen Herausforderungen steht, hat die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) im Juli 2023 Ziele fΓΌr die Schifffahrtsbranche festgelegt, um die Treibhausgasemissionen bis etwa 2050 auf ein Netto-Null-Niveau zu reduzieren, mit Zwischenzielen bei 2030 und 2040. Diese Ziele haben viele Schifffahrtsunternehmen dazu veranlasst, sich zunehmend mit neuen Technologien zu beschΓ€ftigen und den Treibstoffverbrauch zu verbessern. Obwohl die Fortschritte noch in den AnfΓ€ngen sind, beginnen sich die Forschung und Entwicklung und die anschliessenden Investitionsentscheidungen im Bereich alternativer Treibstoffe zu beschleunigen, wobei die fΓΌhrenden Schiffsklassifikationsgesellschaften der Branche eine wichtige Rolle spielen.

Bedenken hinsichtlich neuer Technologien

Nachdem einige Grossreeder in den letzten sechs Monaten umfangreiche NeuauftrΓ€ge fΓΌr Frachtschiffe erteilt haben, zeichnet sich allmΓ€hlich ein Konsens darΓΌber ab, welche Antriebstechnologien sich in der Branche durchsetzen werden. Obwohl Methanol, Ammoniak und FlΓΌssigerdgas die drei beliebtesten Antriebsarten fΓΌr alternative Kraftstoffe sind, die im Jahr 2023 bestellt wurden, wird die Branche zwangslΓ€ufig einen Mix aus alternativen Kraftstoffen einsetzen, der auch Biomasse, Wasserstoff und Windkraft umfasst. FΓΌr jeden dieser Kraftstoffe gelten spezifische Lagerungs- und Nutzungsbedingungen, die sich in vielen FΓ€llen von denen anderer alternativer und traditioneller Bunkertreibstoffe deutlich unterscheiden. Folglich erfordert jeder Treibstofftyp besondere Kenntnisse und Massnahmen zur Schadenskontrolle, um einen effektiven Gebrauch zu ermΓΆglichen. Die ToxizitΓ€t von Ammoniak, die geringe Energiedichte von Wasserstoff oder die hohe Entflammbarkeit von Methanol sind einige der neuen Herausforderungen, denen sich Schiffsingenieure, Klassifikationsgesellschaften, AufsichtsbehΓΆrden, Schiffsbetreiber und Versicherer gleichermassen stellen mΓΌssen.

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Jahreskonferenz

Bis zum 18. September findet in Berlin die Jahreskonferenz der International Union of Marine Insurance (IUMI) statt – 150 Jahre nach GrΓΌndung der IUMI, die 1874 ebenfalls in Berlin stattfand. Gastgeber der JubilΓ€umskonferenz sind der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und der Verein Hanseatischer Transportversicherer (VHT).
Da die Industrie wenig Erfahrung im Umgang mit vielen der fraglichen Bunkertreibstoffe hat, besteht fΓΌr viele Reeder die Herausforderung darin, ihre Besatzungen im Umgang mit den neuen Treibstofftypen zu schulen, um einen sicheren und effektiven Betrieb zu gewΓ€hrleisten. Dies in einer Zeit, in der noch nicht abzusehen ist, welche Treibstofftypen fΓΌr den langfristigen Einsatz ausgewΓ€hlt werden. Zu den weiteren technischen und betrieblichen Innovationen und Γ„nderungen, die zur Verbesserung der Kraftstoffeffizienz von Schiffen in ErwΓ€gung gezogen werden, gehΓΆren eine verbesserte WetterfΓΌhrung, Γ„nderungen der Rumpfform und eine Verbesserung der PropellerstrΓΆmung, Luftschmiersysteme fΓΌr den Schiffsrumpf und verbesserte Rumpfbeschichtungen, welche die Hautreibung verringern. Die Anforderungen an die Schifffahrt, die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren, haben zwangslΓ€ufig die Debatte ΓΌber nuklearbetriebene Antriebe fΓΌr die kommerzielle Schifffahrt neu entfacht.
GegenwΓ€rtig gibt es ΓΌber 160 Schiffe, die mit Kernreaktoren angetrieben werden, und obwohl sich die Technologie weitgehend bewΓ€hrt hat, gibt es nach wie vor Bedenken hinsichtlich der Regulierung, der Sicherheit, der SchutzhΓ€fen, der Bergungsmassnahmen und der Versicherung von Schiffen mit Kernkraftantrieb.

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Versicherungsansatz fΓΌr eine kohlenstoffarme Schifffahrt

Da nun vorgeschriebene Kennzahlen wie die CII-Ratings von Schiffen zur Verfügung stehen, kânnen die Versicherer die Fortschritte ihres eigenen Portfolios auf dem Weg zur Vermeidung von Schadstoffen überwachen. Daher werden die Transportversicherer zunehmend zu einem Bestandteil des Übergangs zur Energiewende, indem sie ihre Kunden bei der Erfüllung der Anforderungen unterstützen. Jede VerÀnderung des Risikoprofils, die sich aus der Einführung neuer Technologien ergibt, führt jedoch zu einer neuen Risikolandschaft, die nicht nur für Schifffahrtsunternehmen, sondern auch für Versicherer unbekannt ist. Viele der in diesem Artikel erârterten Herausforderungen kânnten sich auf die Schadenkosten auswirken.
Chubb wird mit Kunden und Brokern zusammenarbeiten, um den Übergang zum emissionsfreien Schiffstransport zu unterstützen. Dazu gehârt, dass Chubb alle Risiken im Zusammenhang mit prototypischen und neuen Technologien versteht und gegebenenfalls in Abstimmung mit den Kunden ein spezifisches Risikomanagement einrichtet. Dieser Ansatz ist nicht auf die Schifffahrtsbranche beschrÀnkt, sondern wird auch in anderen Branchen angewandt, um Fortschritte zu ermâglichen.

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