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Swiss Insurance CEO

Christian Conti – der Mann, der keine Langeweile kennt

Auf den Sympany-Chef Christian Conti wartet ein Stapel Bücher, doch oft ist er nach einem reich befrachteten Tag zu müde, um zu lesen.

Andreas Minor

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Er will seine «Mitmenschen positiv berühren»: Christian Conti, CEO des Krankenversicherers Sympany. Andreas Minor

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«Mir ist wichtig, wenn ich am Abend heimkomme, sagen zu können: Es war ein guter Tag. Ich habe ein paar Kunden glücklich gemacht. Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihre Arbeit gut verrichten können», meint Christian Conti während seines Besuchs im Medienpark bei Ringier Medien Schweiz. «Unsere Unternehmensziele bei Sympany als Nummer 10 bei den Schweizer Krankenkassen sind auf gutem Kurs», sagt er mit einem Lächeln und nimmt einen Schluck seines doppelten Espressos.
Der Motivator mit dem offenen Ohr
«Es ist mir wichtig, meine Mitmenschen positiv zu berühren. Ich will am Morgen energiegeladen aufstehen. Unter der Dusche überlege ich, was gerade ansteht, wo ich heute einen Beitrag leisten soll und darf», teilt Christian Conti mit. Auf dem Weg ins Büro legt er die Prioritäten für den Tag fest, passt seinen Tagesplan ein letztes Mal an. Dann geht es los.

«Ich mache fast jeden Tag Sport: Spinning, Krafttraining, und ich bereite mich auf meinen nächsten Marathon vor.»

Christian Conti
Einen reichhaltigen und erfüllten Tag absolvieren mit vielen persönlichen Begegnungen mit Kunden und Mitarbeitenden und dann am Abend glücklich, aber auch müde heimkommen, meistens noch etwas Sport treiben, zuhause kochen oder vielleicht mit Freunden ins Restaurant gehen – so sieht ein Arbeitstag im Leben des Sympany-Chefs aus.

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Ein Bücherberg wartet
Gegen 22 Uhr abends noch in einem Buch lesen, um dann todmüde ins Bett zu fallen, dies rundet Christian Contis Wochentage ab. Manchmal nicke er schon nach drei Seiten lesen ein, gesteht der CEO des Krankenversicherers Sympany mit einem Lächeln: «Das passiert öfters, muss ich zugeben, weil die Tage reich befrachtet sind.»

«Langweilig wird es mir nie. Ich habe mich kürzlich gefragt, wann es mir das letzte Mal langweilig war. Das liegt wirklich ein paar Jahrzehnte zurück.»

Christian Conti
Gerade liest Conti «L'Enigme de la chambre 622» des Schweizer Autors Joël Dicker. «Ein interessantes Buch», betont er. Seine Mutter hat es ihm vor rund fünf Jahren geschenkt. In den letzten Ferien hat er es in Angriff genommen. Wenn Christian Conti es fertig gelesen hat, geht ihm die Literatur noch lange nicht aus. Er habe einen ganzen Stapel Bücher in Reserve, meint er. «An den Büchern liegt es nicht, sondern meistens an der fehlenden Energie nach einem gut gefüllten Tag», stellt Christian Conti mit ein wenig Bedauern fest.
Training für einen Marathonlauf
Kommt der Sympany-Chef überhaupt dazu, Sport zu treiben? Christian Conti lacht und meint: «Ja, wenn es in der Agenda steht.» Es sei wie bei vielem: Eine gute Planung helfe, gute Vorsätze dann auch umzusetzen. «Ich mache fast jeden Tag Sport: Spinning, Krafttraining, und ich bereite mich auf meinen nächsten Marathon vor.» Bald wolle er darum wieder täglich joggen.

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Ohne Frage ist Christian Conti ein aktiver Mensch. Im Winter fährt er sehr gerne Ski, regelmässig in Flims, wo er seinen Wohnsitz hat. Im Sommer liebt er Wanderungen, idealerweise mit einem schönen Mittagslunch gekoppelt. «Dann hat man auch ein gutes Ziel», sagt er mit glänzenden Augen, die klar machen: Christian Conti ist gern in der freien Natur unterwegs.
Langeweile kennt er nicht
Hört man Christian Conti zu, klingt es, als müssten seine Tage fast 48 Stunden lang sein, um alles unterzubringen: «Langweilig wird es mir nie. Ich habe mich kürzlich gefragt, wann es mir das letzte Mal langweilig war. Das liegt wirklich ein paar Jahrzehnte zurück.»
Porträtreihe Swiss Insurance CEOs
Unter der Bezeichnung Swiss-Insurance-CEOs porträtiert HZ Insurance regelmässig CEOs aus der Versicherungsbranche. In diesem Jahr sind bisher erschienen:
  • «Als Kind fand ich die Vorstellung spannend, Leuten die Haare zu schneiden»: Martin Jara, CEO Helvetia Baloise Schweiz
  • Beim Joggen tankt Saskia Schenker neue Kraft: Saskia Schenker, Direktorin des Krankenversichererverbands Prio.Swiss.
Doch wäre es nicht einmal wieder schön, Langeweile zu erleben? Der Sympany-Chef schüttelt als Antwort nur verständnislos den Kopf. Das Konzept von Langeweile kennt Christian Conti nicht. Und er erzählt als Beleg eine Anekdote: «Ich habe vor einem Jahr einen Zehntages-Dunkel-Retreat absolviert. Da geht man zehn Tage in die Dunkelheit, gibt sein Handy ab und ist abgeschieden von Licht und sonstigen Reizen, um innere Ruhe und Gelassenheit zu üben. Selbst in dieser Zeit wurde es mir nicht langweilig. Am Morgen machte ich Sport im Zimmer. Am Nachmittag lag und sass ich etwas hin und reflektierte über mein Leben.»

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Im Dunkeln mit sich selbst beschäftigt
Hat ihn diese Erfahrung nachhaltig verändert? Was hat sie ausgelöst? «Das hat mich nicht verändert. Ich bin gleichermassen balanciert, aber es hat mir Übung in Gelassenheit gegeben.» Es bleibe seine Fähigkeit, sich auf diese Zeit zurückzubesinnen. Dennoch bilanziert er: «Ich bin mir nicht sicher, ob ich es nochmals machen würde. Doch die Langeweile kommt eben nie.»
Menschen motivieren, Kunden glücklich machen
Was ist Christian Conti als Firmenchef wichtig? Zuvorderst stehe die Motivation aller Mitarbeitenden. Ihre Arbeit sei zugunsten der verschiedenen Stakeholders auszurichten. Zuerst für die Kunden, denn ohne Kunden habe man keine Existenzberechtigung, sagt Christian Conti.
Seine Erkenntnis aus etwa 15 Jahren Führungstätigkeit sei: «Hoch engagierte Mitarbeitende lösen vieles selbst, kümmern sich proaktiv um Kundenanliegen und gehen am Abend erfüllt nach Hause und widmen sich ihren Themen und ihren Familien. Das ist für mich das Wichtigste.»
Ein schwerer Start
Wer einmal ein Team geführt hat, weiss: Das mit der Passion ist so eine Sache. Wenn Umstrukturierungen anstehen, leidet die Motivation, und die Verunsicherung steigt. Auch Sympany hatte eine Neuorientierung nötig. Und kaum hatte Christian Conti bei Sympany als neuer CEO angefangen, musst er Leute entlassen.

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Was bedeutete das für ihn? Er erinnert sich: «Es ging uns zu diesem Zeitpunkt nicht gut. Im Oktober 2023 mussten wir die erste von zwei Massenentlassungswellen umsetzen.» Beschlossen hatte es noch die Geschäftsleitung vor ihm. Der neue CEO wurde mit einem schwierigen Situation gleich zu Anfang konfrontiert: «Ich kam – und war das Gesicht dieser Massnahme.» Das habe er mitgetragen, obwohl es ihm schwergefallen war.

«Unsere Kundinnen und Kunden haben Ansprüche an uns, und sie zahlen dafür ihre Prämien»

Christian Conti
Als Erstes zwanzig Mitarbeitende zu entlassen, um daraufhin alle anderen, die Bleibenden, wieder motivieren zu können und eine Sinnhaftigkeit zu geben – «das war schwierig, ja».
Im nächsten Moment wird klar, warum Sympany-Mitarbeitende ihren Chef als «mitfühlenden Menschen» bezeichnen. Christian Conti wusste genau um die Gefühle der Entlassenen: «Ich selbst wurde schon zweimal entlassen und weiss, wovon ich rede.»
Die Kosten fest im Blick behalten
Die anfängliche Skepsis, die dem Neuen nach dieser Hiobsbotschaft entgegengebracht wird, habe er schon eine Weile gespürt. «In dieser Zeit hat die Firma funktioniert, aber es kam kein Herzblut und kein Enthusiasmus mir gegenüber auf, sondern eher eine gesunde Distanz und eine abwartende Skepsis.»

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Er vermittelte seinen Mitarbeitenden Vertrauen, dass die Umstrukturierung eine abgeschlossene Episode ist. «Relativ schnell wurde die Stimmung besser», so Conti.
«Wir werden weiterhin ein Auge auf die Kosten haben. Wir werden weiterhin Massnahmen in Projekten umsetzen, die helfen, die Kosten tief zu halten.» Dies werde von den Versicherungsnehmenden erwartet.
«Unsere Kundinnen und Kunden haben Ansprüche an uns, und sie zahlen dafür ihre Prämien», meint Christian Conti nun ganz ernst: «Sie können aber morgen zu einer der anderen 37 Krankenkassen wechseln. Einmal im Jahr steht ihnen das ja anheim.»
Aktiv in drei Verbänden
Neben seinem arbeitsintensiven Job als Geschäftsführer von Sympany engagiert sich Christian Conti in gleich drei Verbänden als Vorstandsmitglied: Prio.Swiss, RVK und Santésuisse. Das gehöre als CEO dazu. Die Hauptaufgabe bestehe in der politischen Mitgestaltung. Bei Prio.Swiss fungiere er als Vertreter der kleinen Kassen und sei deshalb auch im Vorstand der RVK.
RVK und Santésuisse sind Dienstleistungsverbände. Sie offerieren Ausbildungsangebote, sodass die einzelnen Versicherer diese nicht selber aus dem Boden stampfen müssen.
Mit Blick auf den Krankenkassenverband Prio.Swiss sei er sehr glücklich, dass die zwei früheren sich teilweise konkurrenzierenden Verbände sich nun «unter der tollen Führung von Saskia Schenker und unserem Präsidenten Felix Gutzwiller zusammengerauft haben und ihren Beitrag leisten zur Pluralität des Krankenversicherungswesens und zur Eindämmung der laufend steigenden Prämien».

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Kampf gegen höhere Kosten
Die stetig steigenden Kosten sind im Schweizer Gesundheitswesen immer wieder ein Thema. Wie könnten wir das Kostenwachstum bremsen, frage ich den Sympany-Chef. «Wir müssen sicher die Diskussionen am runden Tisch weiterführen. Ob sie im Rahmen einer Gesundheitsstiftung mit allen Akteuren geführt werden sollen, das muss man diskutieren.»
Die Kosten steigen alljährlich etwa um vier Prozent. Für das viele Geld bekomme man in der Schweiz das wahrscheinlich beste Gesundheitssystem der Welt. Wenn einem mal wirklich etwas Seriöses passiert, dann gerne in der Schweiz und nicht anderswo.
«Wir sind politisch und als Gesellschaft gefordert, diese Kostenentwicklung zu dämmen. Und das machen wir, indem wir uns wirklich knallhart überlegen, was in den Grundkatalog kommt und was allenfalls in einer Zusatzversicherung abgedeckt werden muss.»
Zudem benötige die Schweiz sicher nicht 270 Spitäler, sondern deutlich weniger. Dazu brauche es einen politischen Willen. Kompetenzen müssten an Orten mit vielen Eingriffen gebündelt werden – und da und dort regionale Spitäler schliessen.

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