Abo
Digital Business

Das Kader ist am Ende entscheidend

GemΓ€ss einer neuen Studie schneiden nur 9 Prozent der schweizerischen Unternehmen bei der digitalen Transformation wirklich gut ab.

Matthias Niklowitz, Journalist und Jurymitglied des Swiss Insurance Innovation Award.

PersΓΆnliches, authentisches Engagement des Kaders hilft bei der Transformation.
PersΓΆnliches, authentisches Engagement des Kaders hilft bei der Transformation.imago/Westend61

Werbung

Lediglich jedes elfte Unternehmen in der Schweiz schneidet bei der Transformation so gut ab, dass es den Β«ChampionsΒ» zugerechnet werden kann. Das ergab eine erstmals vorgenommene Studie der Hochschule Luzern (HSLU) und der Schweizerischen Gesellschaft fΓΌr Organisation und Management (SGO). 43 Prozent der Firmen meistern die Transformation so gut, dass sie den Β«EntdeckernΒ» zugeordnet werden kΓΆnnen.

Β«Wenn die Business Transformation nicht wie gewΓΌnscht vorankommt, ist zuallererst die FΓΌhrungscrew gefordert. Dann gilt es zu klΓ€ren, inwiefern das FΓΌhrungsteam hinter dem Ziel der Business Transformation steht und dies glaubhaft und authentisch den Mitarbeitenden vermittelt und vorlebtΒ», Jan SchlΓΌchter, Programmleiter und Dozent, Hochschule Luzern.
Die zahlenmΓ€ssig grΓΆsste Gruppe bilden die Β«AnfΓ€ngerΒ» – auf sie entfallen knapp 48 Prozent. Hier steht man bei der Transformation erst am Anfang. Sie kommen aus Branchen wie der ΓΆffentlichen Verwaltung, Sozialversicherungen, dem Gesundheits- und Sozialwesen, der Bildung, Erziehung und Wissenschaft sowie aus dem Handel. Überdurchschnittlich gut schneiden Finanzdienstleister sowie Informations- und Kommunikationsbranchen ab. Im Mittelfeld liegen die Immobilienbranche, das verarbeitende Gewerbe sowie weitere Dienstleistungen.

Partner-Inhalte

"Bei der Analyse der Erfolgsfaktoren dominiert klare Kommunikation."

Berater-Spielzeuge sind Nebensache

Β«TransformationΒ» ist ein weites Feld. Technologischer Wandel, eine VerΓ€nderung der KundenbedΓΌrfnisse und die Intensivierung des Wettbewerbs bilden die wichtigsten AuslΓΆser, noch vor organisatorischen VerΓ€nderungen wie Restrukturierungen oder verΓ€nderten Rahmenbedingungen wie Covid-19. Gefragt nach den konkreten Zielen, sagen 84 Prozent der Firmen, dass sie anpassungsfΓ€higer und flexibler werden mΓΆchten. 64 Prozent wollen effizienter werden und Kosten senken, 58 Prozent die Kundenzufriedenheit steigern und 54 Prozent die UmsΓ€tze steigern. Nachhaltigkeit oder die ErhΓΆhung der Zufriedenheit der Mitarbeitenden sind eher Randthemen, die weniger als 25 Prozent der Firmen im Rahmen ihrer Transformationsprojekte angehen.

Schnell handeln, spΓ€ter nachjustieren

Bei der Frage nach Instrumenten dominieren Workshops, gefolgt von Mitarbeiterversammlungen, Coachings, PrΓ€senz-Trainings/Schulungen sowie der Entwicklung von FΓΌhrungskrΓ€ften. E-Learn ings, Advisory Boards sowie Teambuild ing sind weitere mehrfach genannte Ins trumente.
Bei der Analyse der Erfolgsfaktoren dominiert mit Abstand klare Kommunikation, vor sichtbarer UnterstΓΌtzung durch das Management, dem Ernstnehmen von WiderstΓ€nden, der aktiven Beteiligung wichtiger Stakeholder sowie dem EinrΓ€umen von HandlungsspielrΓ€umen an Mitarbeitende. Nur vereinzelt genannt werden Faktoren wie schneller Aufbau von Know-how, eine breite Basis talentierter Mitarbeitender und eine kontinuierliche Messung von Fortschritten.

Werbung

Gut 6 Prozent der Unternehmen geht die Transformation Β«zu schnellΒ». Bei 30 Prozent ist das Tempo Β«genau richtigΒ», bei 52 Prozent Β«zu langsamΒ» und bei 12 Prozent Β«viel zu langsamΒ».
Die Studie schliesst mit Handlungsempfehlungen. PersΓΆnliches, authentisches Engagement des Kaders erscheint so wichtig wie eine vorgΓ€ngig aufgebaute positive Fehler- und Lernkultur. Β«Schnelligkeit ist der beste RatgeberΒ», lautet eine der Empfehlungen. Β«Im Zweifel geben Sie lieber eine schnellere Schlagzahl vor. Nachjustieren kΓΆnnen Sie immer noch.Β»

Interview mit Jan SchlΓΌchter, Programmleiter und Dozent, Hochschule Luzern: Β«Erfahrungen sammeln und anpassenΒ»

Business Transformation wird oft in der Praxis auf ein Ziel hin gedacht. Inwieweit ist das ein MissverstΓ€ndnis – weil es doch um eine permanente Aufgabe geht?
In der Tat werden Business-Transformationen vielfach missverstanden und das Pferd wird von hinten her aufgezΓ€umt. Im Grundsatz sollte die Business Transformation so erfolgen, dass man sich das gesamte Unternehmen, den relevanten Markt, das GeschΓ€ftsmodell und die dazu notwendigen Unternehmenskompetenzen anschaut. Daraus entwickelt man die einzelnen notwendigen Transformationsbereiche wie etwa die Digitalisierung der Prozesse. In der RealitΓ€t fΓ€ngt man aber oft erst einmal mit der Digitalisierung an. Ob dies zum Erfolg fΓΌhrt, hΓ€ngt dann davon ab, inwiefern die Digitalisierung bereits als Teil der gesamten Transformation gedacht wurde. Dies ist vielfach der Grund, wieso die digitalen Projekte doch nicht wie erwartet zum Unternehmenserfolg beitragen.

Werbung

Wo stehen die Schweizer Firmen im internationalen Vergleich? Wo sind sie besser, wo schlechter?
Aus der Studie direkt kΓΆnnen fΓΌr diese Frage keine SchlΓΌsse gezogen werden, da nur in der Schweiz ansΓ€ssige Unternehmen befragt wurden. Wenn man die Studienergebnisse mit denen anderer Erhebungen vergleicht, sind die Firmen in der Schweiz besser im Erkennen von Business-OpportunitΓ€ten aufgrund neuer Technologien oder verΓ€nderter Marktanforderungen. Ebenso zeichnet sie aus, hieraus besonders clevere und tragfΓ€hige GeschΓ€ftsmodelle zu entwickeln. Bei der Geschwindigkeit der Umsetzung fallen die Schweizer Firmen dann aber zurΓΌck.
Woran erkennt man sehr schnell und von aussen, dass man ein Unternehmen vor sich hat, das die Business Transformation im Griff hat?
Da ich auch viele Unternehmen bei der Umsetzung von Transformationen unterstΓΌtze, entwickelt man dafΓΌr schnell ein GefΓΌhl. Als Erstes erkennt man dies im Kontakt mit den Mitarbeitenden. Was und wie sprechen sie ΓΌber die Business Transformation? Herrscht ein einheitliches VerstΓ€ndnis und wird an einem Strang gezogen? Wenn Sie diese Fragen nach der Diskussion mit einer Handvoll Mitarbeitender positiv beantworten kΓΆnnen, haben Sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Business-Transformation-Champion vor sich.

Werbung

Und welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Empfehlungen fΓΌr Firmen, die hier herausgefordert sind?
Wenn die Business Transformation nicht wie gewΓΌnscht vorankommt, ist zuallererst die FΓΌhrungscrew gefordert. Dann gilt es zu klΓ€ren, inwiefern das FΓΌhrungsteam hinter dem Ziel der Business Transformation steht und dies glaubhaft und authentisch den Mitarbeitenden vermittelt und vorlebt. Hieran scheitern viele Unternehmen, da der oder die CEO dies nicht konsequent einfordert und bei Β«VerstΓΆssenΒ» oder Β«politischen SpielchenΒ» nicht entsprechend eingreift. Wenn die FΓΌhrungscrew gut eingespielt ist, dann ist der nΓ€chste grosse Hebel, an der Fehlertoleranz und Geschwindigkeit zu arbeiten. Entscheidend ist nicht, eine perfekte LΓΆsung zu haben, sondern schnell Erfahrungen und RΓΌckmeldungen der Kundinnen und Kunden zu sammeln, um sie anschliessend auszubauen oder anzupassen.
Dieser Artikel ist unter dem Titel Β«Das Kader ist am Ende entscheidendΒ» erstmals erschienen in der Β«HandelszeitungΒ» vom 25.08.2022.
Über die Autoren

Werbung