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Cyberresilienz

Cybersicherheit: Achtung vor blindem Vertrauen in die Technologie

Die totale Cyber-Sicherheit gibt es nicht. Um resilienter zu werden, sollten Firmen nicht nur in die IT, sondern auch in Menschen investieren.

Sandra Escher Clauss

Je komplexer und technischer etwas wirkt (Cyberrisiken), desto mehr neigen Menschen aus Selbstschutz dazu, die Dinge zu optimistisch und zu kontrollierbar zu sehen.
Je komplexer und technischer etwas wirkt (Cyberrisiken), desto mehr neigen Menschen aus Selbstschutz dazu, die Dinge zu optimistisch und zu kontrollierbar zu sehen.IMAGO/Le Pictorium

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Es geschah an einem helllichten Tag … Das ist nicht nur der Titel eines Films, es ist auch ein Fakt bei Cyberattacken. Ob Mitarbeitende oder Vorgesetzte – Data Breaches und andere SicherheitsvorfΓ€lle strapazieren die Nerven aller Beteiligten und geschehen meistens wΓ€hrend der Arbeitszeit und immer zu Unzeiten. Weil ein gross angelegter Cyberangriff das Unternehmen in eine Ausnahmesituation bringt, ist es ratsam, mΓΆglichst schnell professionelle UnterstΓΌtzung an Bord zu holen und den Schaden grΓΌndlich zu analysieren.

Management muss Ruhe bewahren

FΓΌhrungskrΓ€fte sowie das gesamte Management mΓΌssen bei einem solchen Vorfall Ruhe ausstrahlen, um die schon angespannte Situation nicht noch anzuheizen. Β«Im besten Fall bestehen NotfallplΓ€ne, auf die zurΓΌckgegriffen werden kann und fΓΌr die Mitglieder einer Taskforce bestimmt sindΒ», sagt Daniel Gsponer, Head of Financial Lines und Cyberrisk-Spezialist bei Howden Schweiz AG. Β«Eine Best Practice ist, transparent mit dem Thema umzugehen und allen Involvierten und Betroffenen regelmΓ€ssige Updates zu geben.Β»
Dabei gelte es, stets die Kontrolle zu behalten und proaktiv zu kommunizieren, um Unsicherheiten und GerΓΌchten entgegenzuwirken. Damit es mΓΆglichst nicht oder nur beschrΓ€nkt zu einem negativen Cybervorfall kommt, setzen viele Unternehmen auf Resilienz. In den meisten FΓ€llen ist damit primΓ€r die technische Resilienz gemeint, die mittels Bug-Bounty-Programmen, Verletzlichkeits-Scans oder Awareness-Kampagnen gestΓ€rkt wird.

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Dieser Artikel ist Teil der Market Opinion Β«Cyberrisiken: Angriff, SchΓ€den, KonsequenzenΒ», die in Zusammenarbeit mit Howden Schweiz realisiert wurde.

Menschliches Verhalten muss mehr Beachtung finden

Dabei wΓ€re die menschliche Dimension mindestens genauso wichtig. Β«Paradoxerweise ist in der Praxis eine latente β€ΉUnterinvestitionβ€Ί in menschliche Verhaltensweisen zu beobachtenΒ», weiss Stefan Hunziker, Professor fΓΌr Enterprise Risk Management und Internal Control an der Hochschule Luzern. ErklΓ€rungen dafΓΌr, so Hunziker, gebe es aus der Psychologie und VerhaltensΓΆkonomik:
  • ÜbermΓ€ssiger Optimismus: Je komplexer und technischer etwas wirkt (Cyberrisiken), desto mehr neigen Menschen aus Selbstschutz dazu, die Dinge zu optimistisch und zu kontrollierbar zu sehen. FΓΌr die Praxis bedeutet dies, dass Cyberrisiken in die GeschΓ€ftssprache «übersetztΒ» werden mΓΌssen, damit die Leitungsgremien die Auswirkungen von negativen CybervorfΓ€llen auf die GeschΓ€ftsziele verstehen.
  • Blindes Vertrauen in Technologie: Das (ΓΌbermΓ€ssige) Vertrauen in die Technologie und Sicherheitslage einer Organisation aufgrund von technischen Verteidigungsmassnahmen kann kontraproduktiv sein. Hier gilt es klarzustellen, dass in den meisten FΓ€llen der Mensch ursΓ€chlich fΓΌr das Eintreten von Cyberrisiken verantwortlich ist und nicht die Technologie per se.
  • Fluch des Wissens: Cybersicherheitsexperten und -expertinnen mit umfassender Erfahrung sind fΓΌr Organisationen sehr wertvoll. Manchmal fΓ€llt es Expertinnen und Experten aber schwer, sich in die Lage von IT-Sicherheits-Laien zu versetzen. Dieses unbewusste UnverstΓ€ndnis kann mitunter ein Hinderungsgrund sein, dass eine effektive, benutzerfreundliche IT-Sicherheit entwickelt wird.
  • ÜberschΓ€tzung der eigenen Cybersicherheit: Leitungsgremien kΓΆnnten das bisherige Ausbleiben von negativen CybervorfΓ€llen auf ausreichende Investitionen in die Cybersicherheit zurΓΌckfΓΌhren. Allerdings kΓΆnnte es aber auch einfach GlΓΌck sein, bis anhin von einem folgenreichen Vorfall verschont geblieben zu sein. Heutzutage macht es Sinn, sich das Β«Assume-Breach-ParadigmaΒ» zu verinnerlichen und davon auszugehen, dass man selbst einmal betroffen sein wird.
  • PrΓ€vention vor Resilienz: Cyberrisiken mΓΆglichst zu verhindern und deshalb viel in die PrΓ€vention zu investieren, ist attraktiver, als sich mit Schadensbegrenzung bei Risikoeintritt befassen zu mΓΌssen. Im klassischen Risikomanagement haben Β«prΓ€ventive MassnahmenΒ» einen hohen Stellenwert. Es kΓΆnnte jedoch der falsche Eindruck entstehen, dass prΓ€ventive Massnahmen negative CybervorfΓ€lle verunmΓΆglichen und Organisationen deshalb weniger auf Resilienz fokussieren mΓΌssen.
  • GeschΓ€ft vor Sicherheit: Digitale GeschΓ€ftsmodelle und neue Technologien erΓΆffnen Wachstumschancen, denen sich Unternehmen nicht entziehen kΓΆnnen. Dies fΓΌhrt zu Entscheidungssituationen, in denen Erfolgsaussichten (zumindest kurzfristig) die Cybersicherheit dominieren kΓΆnnen.
  • Verinnerlichung der (Cyber-)Hygiene: In der Medizin weiss man schon lange, dass angewΓΆhnte menschliche Verhaltensweisen viele Ansteckungen und Übertragungen von Krankheiten verhindern (man denke zum Beispiel an diszipliniertes HΓ€ndewaschen, Abstand einhalten etc.). Die Cyberhygiene ist heute unbestritten ein ebenfalls wichtiges Thema. Allerdings zeigen aktuelle Beispiele immer wieder, dass hier noch grosses Optimierungspotenzial besteht.
Die absolute Sicherheit in Sachen Cyberangriffe gibt es nicht. Stefan Hunzikers Fazit ist pragmatisch: Β«Eine angemessene Cyberresilienz in AbhΓ€ngigkeit der Risikobereitschaft von Unternehmen ist aber durchaus realisierbar.Β» Die Kenntnis der GrΓΌnde fΓΌr die latente Unterinvestition in den Menschen, so Hunziker, schaffe eine wichtige Basis auf dem Weg zu wirkungsvoller Cyberresilienz.

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