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Digitale AnsΓ€tze in der Ermittlung

Cybercrime: Mit neuen Konzepten und IT-Forensik gegen Betrug

Wie moderne Polizeiarbeit und Strafverfolgung bei Cybercrime und Betrug wirksam wird und Risiken fΓΌr Versicherer kalkulierbarer macht.

Reto Manser

Cyberkriminelle organisieren sich zunehmend in internationalen Banden. Das erfordert neue Methoden der polizeilichen Ermittlung und eine intensive Zusammenarbeit.
Cyberkriminelle organisieren sich zunehmend in internationalen Banden. Das erfordert neue Methoden der polizeilichen Ermittlung und eine intensive Zusammenarbeit.Przemek Klos - stock.adobe.com

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In einer losen Serie von BeitrΓ€gen blickt HZ Insurance hinter die Kulissen von Cybercrime und Betrugsszenarien, die Versicherern zu schaffen machen. Bisher erschienen: 
Die digitale KriminalitΓ€t ist weiter auf dem Vormarsch. Im Jahr 2022 wurden gemΓ€ss der Polizeilichen Kriminalstatistik 75.6 Prozent aller erfassten Betrugsdelikte mit einem Modus Operandi der digitalen KriminalitΓ€t verΓΌbt. Um der TΓ€terschaft das Handwerk zu legen, setzt die Polizei auf neue digitale ErmittlungsansΓ€tze und alternative Formen der Zusammenarbeit.
Kriminelle nutzen Technologien wie Internetdienste, soziale Medien oder VerschlΓΌsselungen immer hΓ€ufiger, um ihre Ziele zu erreichen. Ob BetrugsfΓ€lle oder andere Formen der WirtschaftskriminalitΓ€t: Die digitale Komponente ist bei Delikten zum fixen Bestandteil geworden. Die Kriminalstatistik 2022 bestΓ€tigt dies: Bei insgesamt 24’195 Betrugsdelikten gab es 18’338 FΓ€lle mit einem digitalen Bezug.
Ermittlerinnen und Ermittler der Polizei stehen bei der Untersuchung digitaler Betrugsdelikte vor verschiedenen Herausforderungen. Im Unterschied zu frΓΌher finden die Handlungen online statt und die TΓ€terschaft bleibt unbekannt. Der Bezug zur Schweiz wird zunehmend schwΓ€cher. Oftmals unterstehen nur noch die GeschΓ€digten dem schweizerischen Recht.

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Organisierte KriminalitΓ€t nimmt zu

Bei der TΓ€terschaft handelt es sich um sehr professionell organisierte TΓ€tergruppierungen, die arbeitsteilig funktionieren und einen hohen finanziellen, organisatorischen und personellen Aufwand bezΓΌglich der digitalen Strukturen betreiben. Sie agiert bewusst aus Drittstaaten heraus, die sich durch eine schwache Strafverfolgung und Korruption auszeichnen.
Eine zusΓ€tzliche Herausforderung ist die digitale Spurenlage aufgrund ihrer VolatilitΓ€t und Datenmenge. Strafverfolgerinnen und Strafverfolger benΓΆtigen spezialisiertes Know-how, unter anderem in der Sicherstellung, Auswertung und Analyse der erhobenen Daten.

Neue Konzepte der Ermittlung

Um digitale Betrugsdelikte effizienter zu verfolgen, setzt Polizeiarbeit auf neuartige Ermittlungskonzepte. Zum Beispiel wird strukturelle Ermittlung, also das systematische Sammeln, Visualisieren und zentralisierte Auswerten von Daten, kombiniert mit operativen Ermittlungsverfahren, bei denen gezielt geheime Überwachungsmassnahmen durchgeführt werden.
Neben digitalen beziehungsweise technischen Ermittlungen, wie beispielsweise IP-Auswertungen, Quellcode-Analysen oder Open Source Intelligence (OSINT), werden auch klassische ErmittlungsansΓ€tze weiterverfolgt, wie beispielsweise Β«Follow the MoneyΒ» oder RegisterabklΓ€rungen. Die Methoden ergΓ€nzen sich gegenseitig.

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Der Autor:

Reto Manser hat seine Masterarbeit im Rahmen des MAS Economic Crime Investigation zum Thema Β«Von der analogen zur digitalen polizeilichen Wirtschaftsermittlung – Aktuelle Herausforderungen in der Ermittlung von BetrugsfΓ€llen vor dem Hintergrund der DigitalisierungΒ» verfasst. Er ist Ermittler im Dienst Cyber- und Wirtschaftsdelikte bei der Kriminalpolizei der Zuger Polizei. Bei seiner tΓ€glichen Arbeit beschΓ€ftigt er sich mit verschiedenen Arten von WirtschaftskriminalitΓ€t. Reto Manser verfΓΌgt ΓΌber einen Master in Rechtswissenschaften (MLaw) sowie einen MAS in Economic Crime Investigation.

Methodenpluralismus erhΓΆht Druck auf TΓ€ter

Dieser angewandte Methodenpluralismus bezweckt die Lokalisierung und Identifikation der unbekannten TΓ€terschaft und weniger den Nachweis der TatbestandsmΓ€ssigkeit, also die Zuordnung der Betrugshandlungen zu den einzelnen StraftatbestΓ€nden. Ein Patentrezept fΓΌr einen garantierten Erfolg in der Ermittlung von digitalen Betrugsdelikten gibt es nicht. Jeder Fall ist anders und muss individuell angegangen werden. In der Praxis lassen sich dennoch eindeutige SchlΓΌsselfaktoren fΓΌr eine erfolgreiche Ermittlung beziehungsweise Fallbearbeitung von digitalen Betrugsdelikten ableiten:
  • Ressourcen- und Know-how-Aufbau: Hier sind die Polizeikorps insbesondere bei der Rekrutierung und Weiterbildung von Spezialisten gefordert. Die Verlagerung der KriminalitΓ€t in den digitalen Raum ist RealitΓ€t. Dementsprechend braucht es genΓΌgend spezialisierte FachkrΓ€fte. Gut ausgebildetes und motiviertes Personal ist die Grundlage fΓΌr den Ermittlungserfolg.
  • Intensivierte Zusammenarbeit: Eine enge, interdisziplinΓ€re Zusammenarbeit zwischen den Spezialisten der Polizei, also die sogenannte Β«VerbundsarbeitΒ» zwischen der Wirtschafts- und Cyberermittlung sowie der IT-Forensik, ist das Β«A und OΒ» fΓΌr eine effiziente Ermittlung von digitalen Betrugsdelikten. Bekanntlich handelt es sich bei den digitalen Betrugsdelikten um ΓΌberregionale PhΓ€nomene serieller KriminalitΓ€t. Seriendelikte sind Straftaten, die in gleicher Art und Weise wiederholt verΓΌbt werden. Oft handelt es sich um die gleiche TΓ€terschaft beziehungsweise TΓ€tergruppierung – das muss aber nicht sein. Die nationale und internationale Zusammenarbeit der StrafverfolgungsbehΓΆrden ist daher von grΓΆsster Bedeutung.
  • Agile Ermittlung mittels Methodenpluralismus: Das Zusammenspiel von strukturellen Ermittlungsmethoden mit operativen Verfahren oder das mehrspurige Verfolgen von digitalen sowie klassischen ErmittlungsansΓ€tzen macht eine gute Fallbearbeitung aus und ist der SchlΓΌssel zum Erfolg.
  • Zielorientierte Erhebung von Beweismitteln: Mit Blick auf die VerschlΓΌsselung und VolatilitΓ€t der Daten und der digitalen VermΓΆgenswerte ist das taktische Vorgehen der Polizei bei Zwangsmassnahmen, wie zum Beispiel bei Hausdurchsuchungen, von Fall zu Fall auf die jeweiligen konkreten UmstΓ€nde auszurichten. DarΓΌber hinaus ist der frΓΌhzeitige Einbezug der IT-Forensik in die Ermittlungen ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um die immer grΓΆsser werdende Datenmenge bewΓ€ltigen zu kΓΆnnen

Erfolgreiche Ermittlung digitaler Betrugsdelikte

Die erfolgreiche Ermittlung digitaler Betrugsdelikte misst sich nicht ausschliesslich daran, ob die TΓ€terschaft verhaftet und ΓΌberfΓΌhrt werden kann. Vielmehr sind neue Erkenntnisse, die Sicherstellung und RΓΌckfΓΌhrung von VermΓΆgenswerten oder die Erkennung von Serien, was unter UmstΓ€nden fΓΌr laufende oder nachfolgende Verfahren hilfreich sein kann, bereits als Erfolg zu werten.

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Der Beitrag erschien erstmals im Blog Economic Crime des Instituts fΓΌr Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern (HSLU) , am 22. Mai 2023.

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