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Remote work

Bei Versicherern bleibt Β«WorkationΒ» im Ausland die Ausnahme

HZ Insurance hat bei Allianz Suisse, Baloise, Groupe Mutuel, Helvetia, Mobiliar, Wefox und Zurich nachgefragt. Eine Minderheit bewilligt Remote Work.

Michaela Geiger, HANDELSZEITUNG, HZ Insurance

Vor allem JΓΌngere achten bei der Auswahl ihres Arbeitgebers immer mehr auf die freie Wahl des Arbeitsortes.
Vor allem JΓΌngere achten bei der Auswahl ihres Arbeitgebers immer mehr auf die freie Wahl des Arbeitsortes.simona - stock.adobe.com

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In den Bergen oder am Meer: Nicht nur in den eigenen vier WΓ€nden wird seit der Pandemie gearbeitet. Immer mehr Menschen wollen Remote Work und Ferien verbinden – oder sie planen sogar fΓΌr lΓ€ngere Zeit eine Β«WorkationΒ» im Ausland.

Auszeit mit Arbeit

Β«WorkationΒ» ist ein neues PhΓ€nomen der Arbeitswelt und bezeichnet die Verschmelzung von Arbeit (Work) und Ferien (Vacation). Mitarbeitende reisen dafΓΌr an einen schΓΆnen Ort und kombinieren dort Arbeit mit Ferien.

JΓΌngere erwarten die freie Wahl des Arbeitsortes

Den Arbeitsort frei wΓ€hlen zu kΓΆnnen, ist mittlerweile fΓΌr viele Talente ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung fΓΌr einen Arbeitgeber. Diesen Trend belegen internationale Studien, zum Beispiel der Β«Digital Worker Experience SurveyΒ» des Marktforschungsunternehmens Gartner. Demnach antworteten 59 Prozent der befragten 10’000 Β«Digital WorkersΒ» aus den USA, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum, dass sie einen neuen Job nur berΓΌcksichtigen, wenn dieser die freie Wahl des Arbeitsortes erlaubt. Und fΓΌr immerhin 64 Prozent ist die flexible Arbeitszeit eine wichtige Voraussetzung, einen neuen Job ΓΌberhaupt in Betracht zu ziehen.

Trend zu Homeoffice bleibt

Auch in der Schweiz nimmt der Anteil an Menschen, die mehr FlexibilitΓ€t und Freiheit im Arbeitsumfeld beanspruchen, stetig zu. Die MΓΆglichkeit zu Homeoffice hatten laut Bundesamt fΓΌr Statistik im Jahr 2001 lediglich 6 Prozent der Arbeitnehmenden. Bis 2021 stieg deren Anteil auf 40 Prozent.

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Dass sich der Trend wieder umkehrt, gilt unter Arbeitsmarktexpertinnen als wenig wahrscheinlich – zumindest, solange es an FachkrΓ€ften fehlt und Toptalente tendenziell ZugestΓ€ndnisse von Arbeitgebern erwarten kΓΆnnen. Laut einer Studie der Hochschule St. Gallen kΓΆnnte etwa die HΓ€lfte aller Arbeitnehmenden in der Schweiz zumindest teilweise im Homeoffice arbeiten.

Minderheit bewilligt Remote Work im Ausland

Wie gehen Versicherer mit der Thematik um? Eine Umfrage von HZ Insurance bei Unternehmen der Schweizer Assekuranz zeigt: Hybride Arbeitsmodelle mit der MΓΆglichkeit zu Homeoffice lassen die meisten Arbeitgeber zu; dabei nehmen der Einfallsreichtum der Unternehmen und die MΓΆglichkeiten der Flexibilisierung fΓΌr die Mitarbeitenden immer mehr zu. Doch nur eine Minderheit der Arbeitgeber bewilligt zeitweise auch Homeoffice im Ausland.
Die GrΓΌnde fΓΌr die ZurΓΌckhaltung sind vielfΓ€ltig. Auf der einen Seite wollen die Arbeitgeber der Assekuranz eine Kultur des Miteinanders fΓΆrdern und legen daher auch Wert auf PrΓ€senz im BΓΌro, wie es auf Nachfrage heisst. Auf der anderen Seite soll auch der gute Kontakt zu den Kundinnen und Kunden nicht vernachlΓ€ssigt werden, denn er ist ein wichtiger Bestandteil, um Vertrauen aufzubauen und so letztlich zu VertragsabschlΓΌssen zu kommen.

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Risiken und rechtliche HΓΌrden

Auch die geschΓ€ftlichen und rechtlichen Risiken einer Homeoffice-TΓ€tigkeit im Ausland seien nicht zu unterschΓ€tzen, wird betont. Je nach Zielland ist eine sichere Internetverbindung mit Zugriff auf sensible Unternehmens- und Personendaten nicht einfach zu managen. Arbeiten Mitarbeitende grenzΓΌberschreitend, entstehen zudem oft Probleme im Zusammenhang mit Steuer- und Sozialversicherungsfragen.

Die Arbeitsmodelle der Versicherer

  • Wefox: Das ZΓΌrcher Insurtech Wefox hat bei seinen Mitarbeitenden drei unterschiedliche Arbeitsmodelle eingefΓΌhrt: Office First, Hybrid und Remote First. Vorbehaltlich steuerlicher Restriktionen kΓΆnnen Mitarbeitende bei Remote First komplett alleine entscheiden, von wo aus sie arbeiten. Bei der Hybrid-Variante lΓ€sst sich mit den Vorgesetzten vereinbaren, fΓΌr eine gewisse Zeit vom Ausland aus zu arbeiten. Bei Office First besteht diese MΓΆglichkeit nicht – dies betrifft aber weniger als 10 Prozent der Mitarbeitenden von Wefox.
  • Helvetia: Β«Auf den Malediven leben und fest angestellt in der Schweiz arbeiten geht leider aus regulatorischen GrΓΌnden nichtΒ», informiert Eric Zeller, Pressesprecher Corporate Affairs bei der Helvetia. Immerhin: Beim Versicherer wird zu jeder offenen Stellenvakanz prozentual dargestellt, wie gross der Anteil Flex Office und wie gross der Anteil der Arbeit vor Ort sein wird. Rund 20 Prozent der Belegschaft sind GrenzgΓ€nger, die im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben in beschrΓ€nktem Mass von Remote Work profitieren kΓΆnnen. Das Thema Remote Work in NachbarlΓ€ndern sei derzeit in KlΓ€rung und Bearbeitung.
  • Zurich: FΓΌr alle Mitarbeitenden der Gruppe bietet Zurich Insurance ein hybrides Arbeitsmodell, Β»welches jeweils lokalen Arbeitsregelungen angepasst wird. Das Flexwork@Zurich-Konzept basiert auf den Fragen danach, wann, wo und wie unterschiedliche Aufgaben und Arbeiten fΓΌr optimale Ergebnisse ausgefΓΌhrt werden. Β«Dazu gehΓΆrt auch die MΓΆglichkeit, eine bestimmte Anzahl Tage pro Jahr virtuell vom Ausland aus zu arbeiten, sofern die notwendigen Voraussetzungen erfΓΌllt sindΒ», sagt Mediensprecherin Anina JΓ€ger.
  • Allianz Suisse: Mitarbeitenden der Allianz Suisse steht die MΓΆglichkeit offen, im Ausland zu arbeiten. Das gilt allerdings nicht uneingeschrΓ€nkt, sondern folgt Spielregeln, damit alle rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Β«Unser Angebot, vom Ausland aus zu arbeiten, beschrΓ€nkt sich auf 25 Tage pro Jahr und ist in den meisten EU-LΓ€ndern mΓΆglichΒ», erlΓ€utert ThΓ©o Kaeser, Leiter HR der Allianz Suisse, das Angebot. Komplett remote vom Ausland aus fΓΌr die Allianz Suisse zu arbeiten, sei nicht vorgesehen. Β«Als Schweizer Arbeitgeber wΓΌrden wir sonst zum Arbeitgeber im Ausland und mΓΌssten uns unter anderem auch der Sozialversicherung des entsprechenden Landes anschliessen.Β»
  • Die Mobiliar: GrundsΓ€tzlich besteht bei der Mobiliar die MΓΆglichkeit, die HΓ€lfte der Arbeitszeit ortsunabhΓ€ngig zu arbeiten. An den Direktionsstandorten gilt eine 50/50-Regelung. Remote Work im Ausland ist nicht vorgesehen bei der Mobiliar, die als Unternehmen einzig in der Schweiz tΓ€tig ist. Β«Hier befinden sich auch unseren Kundinnen und Kunden. Der persΓΆnliche Kontakt und die NΓ€he zu ihnen ist uns wichtig. Deshalb macht es fΓΌr die Mobiliar wenig Sinn, wenn ihre Mitarbeitenden permanent vom Ausland aus arbeitenΒ», sagt Nicole Ritschard, Leiterin Gewinnung & Berufseinstieg im HR. Chancen auf einen Auslandseinsatz gibt es bei Studienaufenthalten oder einer Weiterbildung bei einem Eurapco-Partnernunternehmen der Mobiliar.
  • Groupe Mutuel: Γ„hnliches gilt fΓΌr die ausschliesslich in der Schweiz ansΓ€ssige Groupe Mutuel. Β«Arbeiten im Ausland ist keine Option fΓΌr unsere MitarbeitendenΒ», sagt Mediensprecher Serkan Isik. Gleichwohl sei das Unternehmen bestrebt, dynamisches und flexibles Arbeiten zu ermΓΆglichen und das Wohlbefinden seiner Mitarbeitenden zu fΓΆrdern. In diesem Sinne bietet der Versicherer den Angestellten bis zu zwei Homeoffice-Tage pro Woche sowie flexible Arbeitsorte an. Dasselbe gilt fΓΌr grenznah wohnende Mitarbeitende im Ausland.
  • Baloise: Flexible Arbeitsmodelle, unter anderem Remote Work mit maximal 60 Prozent Homeoffice, sind Bestandteil der Stellenausschreibungen der Baloise. Mobiles Arbeiten bezieht sich hier auf das Arbeiten in der Schweiz beziehungsweise im Wohnsitzland. Β«Das Arbeiten im Ausland beziehungsweise standortΓΌbergreifende EinsΓ€tze sind in AusnahmefΓ€llen mΓΆglich und mΓΌssen im Einzelfall abgeklΓ€rt werdenΒ», informiert Mediensprecherin CΓ©line Kuttler. Generell gelten bei der Baloise gemeinsame KreativitΓ€t, persΓΆnlicher Austausch und spontane Treffen als wesentliche Elemente der Unternehmenskultur, welche eine regelmΓ€ssige physische PrΓ€senz erfordern. Daher bleibt das BΓΌro fΓΌr Baloise ein wichtiger Begegnungs- und Arbeitsort, kombiniert mit den Vorteilen des zeitweisen mobilen Arbeitens.

Flexible Arbeitsmodelle bieten Chancen im Recruiting

Was bringt die Zukunft? Fakt ist: Vor allem jΓΌngere Bewerberinnen, Bewerber und Mitarbeitende erwarten vermehrt, dass Unternehmen flexible, alternative Arbeitsmodelle ermΓΆglichen. In der Β«Flexible WorkingΒ»-Studie 2022 von Deloitte bestΓ€tigen 93 Prozent der Befragten, dass die Erwartung, ortsunabhΓ€ngig arbeiten zu kΓΆnnen, gestiegen ist. Das kann auch eine Chance im Recruiting sein, wie Michelle Hug-Fahrni, Partnerin von Global Employer Service bei Deloitte Schweiz, erlΓ€utert: Β«FlexibilitΓ€t hilft Organisationen dabei, gute Mitarbeitende zu finden und ans Unternehmen zu binden.Β»
Flexible Working Studie 2022 - Deloitte
Flexible Working Studie 2022 - Deloitte
Die freie Wahl des Arbeitsortes ist fΓΌr Bewerbende ein wichtiges Kriterium, ob sie sich fΓΌr einen Arbeitgeber entscheiden oder nicht.Grafik: Deloitte
Die freie Wahl des Arbeitsortes ist fΓΌr Bewerbende ein wichtiges Kriterium, ob sie sich fΓΌr einen Arbeitgeber entscheiden oder nicht.Grafik: Deloitte

Neue gesetzliche Rahmenbedingungen

Tatsache ist auch: Workation ist mehr als Homeoffice im Ferienparadies und will gut geplant sein. Aktuell herrscht ein intensiver Regulierungsdrang bezΓΌglich Remote Working, und auch zwischen den Staaten werden neue Rahmenbedingungen geschaffen.

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Zum Beispiel wurden Ende 2022 Γ„nderungen am Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Frankreich angekΓΌndigt, seit Anfang Januar 2023 sind diese fΓΌr GrenzgΓ€ngerinnen und GrenzgΓ€nger anwendbar: Neu besteht die MΓΆglichkeit, dass Mitarbeitende mit Wohnsitz in Deutschland oder Frankreich bis zu 40 Prozent des jeweiligen Arbeitspensums im Homeoffice arbeiten, ohne die Besteuerungsregeln zu verΓ€ndern. Es sind aber noch Fragen offen wegen neuer Bescheinigungspflichten bezΓΌglich Arbeitsort der Mitarbeitenden oder wegen GeschΓ€ftsreisen. GrenzgΓ€ngerinnen und GrenzgΓ€nger aus Italien kΓΆnnen aufgrund der aktuell geltenden gesetzlichen Bestimmungen nicht im Homeoffice arbeiten.
CΓ©line Wehrle, Direktorin von Global Employer Services bei Deloitte Schweiz, ermutigt Unternehmen mit Blick auf die ArbeitgeberattraktivitΓ€t zu mehr FlexibilitΓ€t: Β«In den Bereichen Steuern, Sozialversicherung, Arbeitsrecht und Immigration gibt es verschiedene Stolpersteine, die aber zumeist umgangen werden kΓΆnnen.Β»
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