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Special Vorsorge

So hält die Vorsorge mit der Lebenserwartung Schritt

Früheres Sparen in der zweiten Säule und echte Wahlmöglichkeiten schaffen eine Vorsorge, die zur alternden Gesellschaft passt.

Nicole Büchi

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Ein aktiver Lebensabend braucht ein stabiles Vorsorgefundament. Getty Images

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Die Schweizer Bevölkerung wird immer älter: Mehr Rentenjahre treffen auf einen Arbeitsmarkt mit flexiblen, teils unterbrochenen Karrieren. Das Drei-Säulen-System bleibt unbestritten, doch seine Parameter stammen aus einer Zeit mit tieferer Lebenserwartung nach der Pensionierung und lineareren Erwerbsverläufen. Wenn die Beitragsjahre konstant bleiben, sich die Rentenphase aber verlängert, drohen Unterfinanzierung, höhere Beiträge, tiefere Leistungen – oder alles zusammen.
Die demografische Realität muss ernst genommen werden. Um den Druck auf das Schweizer Vorsorgesystem zu lindern, gibt es bereits jetzt mehrere Möglichkeiten, wie Unternehmen die Vorsorge ihrer Mitarbeitenden unkompliziert stärken können.

Fünf Jahre, die Jahrzehnte wirken

Ein Hebel sticht heraus: früher sparen. Zwischen 20 und 25 Jahren werden AHV-Beiträge bereits erhoben, und die Säule 3a kann schon ab 18 genutzt werden. In der Pensionskasse sind die Risiken Tod und Invalidität ebenfalls ab 18 Jahren versichert – doch für das Alter wird in der zweiten Säule bis zum 25. Geburtstag meist noch nichts angespart. Das ist inkonsistent. Damit wird ein Zeitfenster verschenkt, in dem kleine Beiträge über Jahrzehnte den Zinseszinseffekt entfalten könnten. So könnten diese zusätzlichen Beitragsjahre später dazu beitragen, dass auch Millennials, die Gen Z und nachrückende Generationen von angemessenen Renten profitieren können – ohne dass sie deutlich höhere Lasten tragen müssen.

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Über die Autorin

Nicole Büchi ist Partnerin Partnerin bei Schweizer Vorsorgedienstleister PensExpert mit Sitz in Luzern.
Ein Rechenbeispiel zeigt das Potenzial: Bei einem AHV-Lohn von rund 60'000 Franken resultiert nach Koordinationsabzug ein versicherter Lohn von gut 33'500 Franken. Bei einer Altersgutschrift von 7 Prozent entspricht dies einem jährlichen Sparbeitrag von rund 2'300 bis 2'400 Franken, hälftig von Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden getragen – also rund 1'150 bis 1'200 Franken pro Jahr für junge Mitarbeitende. Wer zwischen 20 und 25 spart und das Kapital bis 65 verzinst, kann allein aus diesen fünf Jahren einen Vorsorgezuwachs von deutlich über 25'000 bis zu 40'000 Franken erzielen – je nach Zinssatz. Ein grosser Teil stammt demnach nicht aus den Einzahlungen selbst, sondern aus erwirtschaftetem Zins und Zinseszins.
Früheres Sparen lässt sich heute schon freiwillig umsetzen: Arbeitgebende können das Sparalter auf 18 oder 20 senken, auch wenn das Gesetz dies erst ab 25 verlangt. In der Praxis nutzen jedoch nur wenige Unternehmen diese Möglichkeit. Profitieren könnten davon aber auch ältere Arbeitnehmende. Denn durch das Herabsetzen des Sparbeginns auf 18 oder 20 Jahre erhöht sich ihr Einkaufspotenzial. Nutzen sie dieses, erweitern sie ihren finanziellen Spielraum im Alter und profitieren im Einkaufsjahr von tieferen Steuern.

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Wahlpläne: Vorsorge wird gestaltbar

Damit das Angesparte auch dann noch bis ans Lebensende reicht, wenn eine Lebenserwartung von hundert Jahren keine Seltenheit mehr ist, braucht es weitere Massnahmen, etwa eine Flexibilisierung des Rentenalters, bessere Absicherung im Tieflohnbereich, einen flexibleren Übergang in die Pensionierung oder Vorsorgemöglichkeiten, die auf verschiedene Lebensphasen und nicht nur das Alter ausgerichtet sind. Eine weitere, unkomplizierte Massnahme sind Wahlpläne: Pensionskassen können pro Personenkreis bis zu drei Sparpläne anbieten, die sich in der Höhe der Altersgutschriften der Arbeitnehmenden unterscheiden – bei identischem Arbeitgeberbeitrag.
Mitarbeitende wählen je nach Sparbedürfnis und finanzieller Situation ihren Plan, etwa «Basic», «Standard» oder «Top», und können ihn in der Regel per 1. Januar anpassen. Die Altersgutschriften des tiefsten Plans müssen mindestens zwei Drittel des höchsten Plans betragen. Wahlpläne machen die Altersvorsorge so von einem abstrakten Pflichtsystem zu einem gestaltbaren Baustein der eigenen Finanzplanung und erhöhen die Attraktivität des Arbeitgebers – gerade für qualifizierte Fach- und Führungskräfte.
Für Lohnbestandteile über 136'080 Franken können Unternehmen zusätzlich 1e-Pläne einsetzen, die Versicherten mit höherem Einkommen erlauben, die Anlagestrategie selbst zu bestimmen. In Kombination mit einem früheren Sparbeginn und Wahlplänen entsteht eine durchgängige Architektur.

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Früheres Sparen und Wahlmöglichkeiten sind zugleich ein Bildungsprojekt: Wer junge Erwachsene im Alter von 18 oder 20 Jahren bereits systematisch auf AHV, BVG, Säule 3a, Wahlpläne und 1e-Lösungen sensibilisiert und ihnen Gestaltungsspielräume bietet, erhöht die Akzeptanz späterer Reformen. In einer alternden Gesellschaft wird Altersvorsorge zur Generationenaufgabe.
Dieser Beitrag ist Teil des am 26. März 2026 erschienenen HZ-Insurance-Print-Specials «Vorsorge».

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