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Rentenreform

Der Griff in die SNB ist zu billig

Politiker fordern, dass die Nationalbank die Löcher in der AHV stopft. Doch der Plan ist gefährlich für die Schweizer Geldpolitik.

Michael Heim Handelszeitung

SCHWEIZ NATIONALBANK SNB
Wo hat es mehr als genug Geld? In der Bilanz der Nationalbank. Keystone

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Die Lösung tönt einfach. Die AHV braucht Geld, um ihr strukturelles Defizit zu finanzieren. Und wo hat es mehr als genug Geld? In der Bilanz der Nationalbank. Wurde einst um die Einnahmen aus den Goldverkäufen gefeilscht, sind es jetzt Devisengewinne und Negativzinsen, die sich die Parlamentarier greifen wollen, um die Löcher in der Altersvorsorge zu stopfen. Die SVP schlägt vor, die Einnahmen aus Negativzinsen in den AHV-Fonds umzuleiten, die SP schielt gleich auf die ganzen Gewinne.
Doch das wäre eine schlechte Idee. Schlecht ist es, eine geldpolitische Massnahme wie den Negativzins an die Finanzierung der Altersvorsorge zu koppeln. Wer weiss, wie lange es den noch gibt? Eigentlich sollten wir uns auf den Tag freuen, an dem die Nationalbank wieder zu einer normalen Geldpolitik zurückkehren kann. Aber was, wenn das dann gleichzeitig Einschnitte für die AHV bedeutet? SNB-Chef Thomas Jordan braucht nicht auch noch diese Last auf seinen Schultern.
Schlecht ist es auch, weil mit so einer Spontanfinanzierung die Probleme nur hinausgeschoben, aber nicht gelöst werden. Die steigende Lebenserwartung ist ein Fakt – und es wäre nur logisch, das Rentenalter daran anzupassen. Nicht zuletzt auch wegen der Pensionskassen, für die das Rentenalter ebenfalls gilt. Denn diese können nicht einfach in die Kasse der Nationalbank greifen.

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michael.heim@handelszeitung.ch
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