Das negative Urteil gegen die lokale Versicherungstochter werde "in KΓΌrze" verΓΆffentlicht, teilte die Credit Suisse am Mittwochabend mit. Das Urteil gegen die Credit Suisse Life Bermuda kΓΆnne mΓΆglicherweise mehr als 500 Millionen US-Dollar betragen. Dabei dΓΌrfte es sich um den langjΓ€hrigen Rechtsstreit mit dem frΓΌhen georgischen Premierminister Bidzina Ivanishvili handeln, wie etwa die "Financial Times" unter Berufung auf informierte Personen berichtet. Der geprellte CS-Kunde hatte von der Bank Schadenersatz gefordert.
Berater hat Gelder abgezweigt
Der Streit zwischen dem MilliardΓ€r Ivanishvili und der CS geht auf das Jahr 2011 zurΓΌck, als er ein Private-Banking-Kunde der Gruppe war. Damals wurde bekannt, dass der Genfer CS-Berater Patrice Lescaudron reichen Kunden dreistellige MillionenbetrΓ€ge aus dem vom ihm betreuten VermΓΆgen abgezweigt hat - unter anderem auch Ivanishvili. 2015 wurde Lescaudron bei der Credit Suisse fristlos entlassen und im Jahr 2018 in Genf wegen eines Betrugsschemas zu einer GefΓ€ngnisstrafe verurteilt. Im Sommer 2020 nahm sich Lescaudron das Leben.
Den Prozess gegen die CS Life Bermudas hatte die Gruppe "CS Victims" angestrengt, in der sich Ivanishvili mit anderen Opfern Lescaudrons verbΓΌndet hat. Verlangt wurde laut "Tagesanzeiger" ein Schadenersatz von insgesamt rund einer Milliarde Dollar.
Geheimer Finma-Bericht
Ein schiefes Licht auf die internen Kontrollen der Credit Suisse warf offenbar ein noch unverΓΆffentlichter Untersuchungsbericht der Schweizer Finanzmarktaufsicht zu der Sache. Bankmanager hΓ€tten immer wieder Warnungen ignoriert, hiess es. Dabei seien "zahlreiche gravierende VerstΓΆsse" des Beraters bis auf die zweithΓΆchste Hierarchiestufe bekannt gewesen, zitierte die "NZZ am Sonntag" vor gut einem Jahr den bereits 2017 fertiggestellten Finma-Report. Der Bericht sei unter Verschluss geblieben, weil die CS vor verschiedenen Gerichten gegen die VerΓΆffentlichung kΓ€mpfe, so das Blatt seinerzeit.
HΓΆhere RΓΌckstellungen?
Gut mΓΆglich, dass die Credit Suisse fΓΌr den "Fall Lescaudron" weitere RΓΌckstellungen tΓ€tigen muss. "Wir werden ΓΌberprΓΌfen ob (β¦) weitere RΓΌckstellungen vorgenommen werden mΓΌssen", schrieb die Bank am Mittwochabend dazu. Genaueres will die CS am 27. April mitteilen, wenn sie ihre Ergebnisse des ersten Quartal verΓΆffentlicht. Ausserdem hielt die Bank fest, dass sie beabsichtige, "alle verfΓΌgbaren rechtlichen Massnahmen zu verfolgen". Per Ende Dezember 2021 wies die Bank RΓΌckstellungen fΓΌr RechtsfΓ€lle im Wert von 1,54 Milliarden US-Dollar aus. (awp/hzi/kbo)